56 | Lebensstrom.

Ich lebe.
Ich atme.
Ich atme aus.
Ich atme ein.

Der Brustkorb hebt und senkt sich.
Die Bauchdecke hebt und senkt sich.
Du bist da.
Du bist ein goldenes Licht.
Ich erinnere mich genau an Dich.

Ich möchte leben,
damit ich mich immer an Dich erinnern kann.
Du bist das Schönste,
was ich mir wünschen mag.

Du bist geflohen,
bevor wir einander das Herz brachen.
Du hast die Wonne der Lust
zurück in mein Leben getragen.

Ich wurde gefragt,
ob wir unseren Sohn 
den Menschen zum Geschenk machen.
Wir sagten nein.

Es sind Jahrtausende vergangen,
damit wir uns begegnen konnten.
So viel Glück in gleissenden Stunden
von uns zwei zähen Kämpfern errungen.

20 | Erwägungen, 21 | Ruf, 22 | Gefühle, 23 | Verdruss


Könnte ich wirklich die Milch Deiner Bilder verschütten,
wenn ich dem gegenwärtigen Tag entgegengehe?
Kann wirklich die Möblierung in meinem Inneren verrücken,
wenn ich mich von den Gedanken an Dich wegdrehe?

Werden die leuchtenden Farben verfliegen,
wenn meine Netzhaut wieder aufnimmt, was zu meinen Füssen liegt?
Werden die vergangenen Aromen verblassen,
wenn neue Nahrung auf meine taube Zunge trifft?

Werde ich aus meinen taumelnden, dämmerigen Träumen hochschrecken,
wenn der klare Strahl der Mittagssonne auf meine Haut brennt?
Werde ich das Salz Deines Witzes vergessen,
wenn die warmen Winde des Sommers ihn verwehen?

Werde ich noch Deinem Kuß nachschmecken,
wenn sich meine Lippen über die eines anderen stülpen?
Werden sich neue Freuden einschleichen,
wenn ich das Tau der Verbindung an die Erinnerungen löse?

21 | Ruf

Fahl weisses Mondlicht – die Erinnerung.
Das Andenken an Dich – gedämpfter Glockenton.
Farbverwaschen der Kontrast in Blassblau.
Stumm hallt Dein Lachen über den Flur.

Stumpf – der Abdruck Deines Kusses
auf meinen geschlossenen, überraschten Mund.
Überstrahlt der grelle Sommerhimmel
über dem viel zu kurzen Federballspiel.

Getrocknet – die gelben Blätter der Ranunkel.
Spröde das geschorene Gras.
Süß der Duft des Lavendels,
den ich Dir zur Heilung gab.

Schneidend trennend dein Handeln,
das mich fragend in mich selbst verwies.
Unwirklich die Bilder, die die Silbersichel
in meinem begierigen Gedächtnis liess.

22 | Gefühle

Unsere Herzen verbanden
sich leuchtend und zart,
wie der Schimmerstaub
der Falterflügel.

Die Spitzen unserer Finger
berührten sich leicht und warm,
wie Tröpfchen auf der Haut
von Sommerregen oder Morgentau.

Ich legte heilend meine Hand
auf Deine verkrampfte Brust
bis der Strom des Atems
wieder floß.

Du nahmst mich schützend in den Arm,
als ein Richterspruch mir die Freiheit nahm.
Wir traten gebannt aneinander heran,
um zu geniessen des anderen Duft.

Dein Lachen zu hören,
war der betörendste Klang.
Schroff liesst Du mich wieder los.
Zögernd warte ich noch.

23 | Verdruss

Ein heisser, böiger Abendwind
weht in der frühen Dämmerung
und rupft an den Kronen der Linden.
Vorm Fenster knattern Mopeds vorbei.

Ich höre hier drinnen
die Zeit leise tickend verrinnen.
Betäubt stiere ich starr
auf den fahl leuchtenden Monitor.
Ich kann die Leere nicht füllen.

Nervös schiebe ich Strähnen
hinter das rechte Ohr.
Aus den Poren des Gesichts
treiben Schweisstropfen hervor.
Ich sauge gereizt das Salz
von den Lippen.

Mir fehlt die Zuversicht, dass ich bald,
den Verdruss und schalen Geschmack
der Unlust überwinden kann.

Wie schnell waren die Rosen verblüht.
Verflogen in wenigen Tagen ist der Duft des Flieders.
Die Nachtigall singt schon nicht mehr.
Der kurze Augenblick des Aufbruchs ist schon vorüber.

Lebenswidmung | Gesang | Täuschung | Darum

16 | Lebenswidmung

In das warme Leuchten des Stroms
Deines goldenen Lichtes tauchen.
Dunstig heissen Atem
in die geliebten, kleinen Stutzohren hauchen.

Mit meinen Lippen über
die Samthügel Deiner
milchigen Satinhaut streichen.
Zart über die Narbe
an Deinem Ellenbogen gleiten.

Den scharfprickelnden Salztau
Deines Schweisses kosten.
Dich in meine offenen Arme locken.
Heftig ziehend den ätzenden Qualm
aus Deinem aufglühenden
Zigarettenstummel saugen.

Mich vertrauensvoll an Dich schmiegen.
Dir lächelnd in die Augen blicken.
Hingegeben an Deiner Seite liegen.
Mit zärtlichem Griff die Hand
in 
Deinen warmen Nacken legen.

Rund den Bogen
Deines Nabels spüren.
Das Beben Deiner
gespannten Flanke fühlen.

Tief Deinen Moschusduft
und den Jungmännerstressgeruch wahrnehmen.
Jeden Augenblick in meinem
unverschlossenen Herz bergen.

Diese Erinnerungen herbeizuholen
widme ich, Dir ergeben,
jede Sekunde, Minute, Nacht und Tag
und jeden Atemzug meiner Gegenwart.

15 | Gesang

Ein tiefer, suppender Schnitt
ist 
in die Fingerspitze
durch den scharfen Glassplitter
zerbrochener Sehnsucht geschlitzt.

Aufgeborstene Narbenränder sind mit Krusten
aus dem getrockneten Salz
und Blut 
meiner Tränen besetzt.
Glitzernd funkelt Scharlachtau
am Kelchrand unerwiderter Liebe.

Perlend versickert der Schaum
kurz aufleuchtenden, 
gleissenden Lichts
unverwirklichter Träume.
Grell steht am Himmel
der Gewitterblitz
zu dem die letzte Erinnerung
an die Hitze
des Sommers 
geronnen ist.

Erschlagen fällt
der Falter herab,
weil er dem Hagel
der Enttäuschung
nicht gewachsen ist.

14 | Täuschung



Das hinreissende Lächeln
aus der eisgefrorenen
Kälte des Schmerzes geboren.
Traumverschleierte Blicke,
die krustigen Schorf
über den Narben
des Schicksals bilden.

Ein charmant maskierender Augenaufschlag,
der das rohe Fleisch abdeckt.
Zärtliche Berührung,
die die spitzen Dornen verdeckt.

Fliessende Bewegung,
die das gebrochene Gerüst versteckt.
Liebreizende Haltung,
die scharfe Kanten bedeckt.

Kaum gezügelter Zorn,
im Tanz verborgen.
Suchst für Dich eine Hoffnung
und ein Morgen.

13 | Darum

Mit der dunklen Asche unserer Träume 
bestäubt
zieht alltäglich 
die einförmige Landschaft
an uns vorüber.
Vor uns klafft ein tiefer Spalt
mit zähflüssiger, blasenwerfender Glut.

Wir benetzen durstig 
die gesprungenen Lippen
und hoffen auf den stillenden Fall
sprühfeinen Regens.
Wir tragen betäubt 
die Last
der Schuld 
ungesagter Worte.

Die stumpfe Mehlschicht
des zerquetschten grauen Granits
legt sich schwer
auf 
unser müdes Augenlid.

Verzagt wagen wir es nicht
einander erwartungsfroh
in die Augen zu sehen,
wir haben Angst,
wir seien zu ungeschickt,
um der Schönheit angemessen zu begegnen.

Wir halten unsere Ohren zu,
um die vielstimmigen Chöre
nicht zu hören.
Wir wollen das schillernde Morgenlicht
nicht durch unsere Anwesenheit stören.

Du



Ach, wie leichtfertig schrittst Du durch das Bild.
Grübchen waren tief rechts und links
in Deine Wangen geritzt.
Du erschienst mir zunächst bloß
als ein fröhliches, etwas zorniges Kind,
bis Du dann unerwartet so mannhaft gewesen bist.

Spielend, unbekümmert, frech und lächelnd
nahmst Du im Handumdrehen mein Herz mit Dir mit.
Du liesst mich verwirrt, verliebt und blind zurück.
Ein begabter Jüngling, der seinen Charme
als tödliche Waffe probiert.

Du warst betörend, bezaubernd und hast meine Erwachsenheit
mit Deiner Flatterhaftigkeit tänzelnd außer Kraft gesetzt.
Seither ist jeder Winkel meines Verstandes von Dir besetzt.
Du aber bist längst weitergezogen.

Hast einen romantischen Palast aus Träumen bezogen.
Ich bin ja die Närrin, die hoffte, sie konnte Dir dorthin folgen.
Aber das hiesse wohl den Lauf der Dinge betrügen.
Ich wünschte nur, ich könnte dies bittere Schicksal
mit meiner Leidenschaft für Dich besiegen.

Marvyn Behrbalk, #Marvin #Behrbalk, #Marvin_Behrbalk, #Marvyn_Behrbalk, Marv Behrbalk, Marvy Behrbalk, @Marvyn_Behrbalk, @Marv_Behrbalk

Mein lieber Marvy,

ich möchte Heim und Heimstatt Dir verheissen,
komm doch vorbei bei mir
zum … Tanzen.

Hier findest Du auch den Tiegel mit der guten Crème.
Ich denke, für die Schönheit unserer Liebe
dürfen wir einander ohne Scham
wieder in die Arme nehmen.

Je t’aime bien,
Sabine

was-ist-licht@liebt-dich.info