Auch nur Waldes Weg

Schwarzwild hat mich aufgewühlt,
bin auch nur Waldes Weg.
Möcht nur so liegen, vom Laub bedeckt,
der Wind hats schön gelegt.

Wie seh‘ ich aus, jetzt, in der Früh,
was wohl die Leute denken.
Ich mag die Kinder, die mir froh,
ihr Schlurfenrascheln schenken.

Vielleicht, so denk ich, schieben sie
mir Blätter in die Wunden.
Bin wieder dann schön anzusehn,
nicht gar so sehr zerschunden.

© Copyright Text Wolfgang Weiland
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Winter | Heinrich Heine

Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.

Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.

03 | Versehrt

Versehrt, zerlumpt, unerwünscht,
überzählig, randständig, krank,
prekär, ungläubig, gebrochen
– in welche Mitte sollen wir vordringen?
Wer singt unser Lied?
Im Schatten stehen wir.
Es ist nicht Eure Kraft
oder Leichtfertigkeit,
die in uns strahlt.
In uns knistert die Wut.
Wir sind nicht brav und angepaßt.
Wir sind vor Eurer engen Biederkeit
und Eurem satten Hochmut auf der Hut.
Ihr lockt so sanft, so aufgeputzt und reinlich,
Ihr scheltet uns „Pack“,
doch um den Cent rechnet ihr kleinlich.
Wer nicht, wie Ihr, dem Schein nachstrebt,
der soll sich auch nicht laben,
an des Lebens Frohsinn
und der Schönheit Gaben.
Für Eure Hochfahrt reicht Euch ganz
der eigene Glanz.
Ihr seid mit Euch in Frieden.

02 | Luftwirbel

Horche in die Stille des Dezemberabends.
Des Tages Résumé – Kritik.
Das Herz – es klopft
vor sehnsüchtigem Verlangen.
Der Prinz ist fort.
Ihn hat die Stadt verschlungen.

Nach außen – unbewegte Ruhe,
doch innen drängt es zur Tür hinaus.
Wüßt‘ ich, wo der Holde ist
– ich ging sogar mit ihm
in die kalte Nacht hinaus.

Natürlich – viel lieber zög‘ ich ihn in die Wärme
und sperrte alle finsteren Gedanken aus.
Ich denk‘, er ahnt’s
drum weilt er in der Ferne.
Aus solchem Komfort macht er sich nichts.
Denn er hat abenteuerliches Leben gerne
und stört sich an der Bürgersfrau Besitz.

01 | Verdruß

Es bereitet grämlichen Verdruß,
dass man immer warten muß.
Geduld ist nicht die größte Stärke.
Man weiss nicht, wann es kommen wird

– ob überhaupt.
Nur, dass es sich nicht zwingen läßt,
das weiß man ganz genau.
Man wedelt die Zeit, wie lästige Fliegen fort

und wäre gern an einem wirtlicheren Ort
im lichten Sonnenschein,
pflückte Fliederstrauß und Rosenkranz,
erblickte Deiner Iris Glanz
– doch so soll es nicht sein.

Stattdessen starrt man vergessen vor sich hin
und ist und bleibt allein.

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Rose aus Wind | Maja Loewe

ich sammle dir den herbst
aus dem fell der nebelhunde

trinke ein glas blaue luft
und tauche meine zunge

in die alphabete der möwen
verkoste erst wolkenreste

und danach den atem
der schlafenden hirsche

pirsche durch laub, masken
und übersehene früchte

meine silben, sie strecken
ihre dünnen finger aus

und pflücken uns eine rose
aus wind

für die weißgekleideten tage