Welche Bedeutung hat Moral in einer amoralisch verfaßten Welt?

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Ich sehe sie beide vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz.“
Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft, 1788. Kapitel 34. Beschluß

Haben Sie den „Werther“ gelesen?

Heute gibt es einen lesenswerten und nachdenkenswerten Beitrag von Dr. Hans-Albert Wulf auf https://www.kuhlewampe.net mit dem Titel „Der Tote in Goethes Gartenhaus“. Ein Artikel, der mich daran erinnert, dass ich selbst so eine Wertherin bin. Nur möchte ich leben. Ich möchte nicht bedroht werden, weil andere besitzen wollen, was mein ist. Mein Zuhause.
Ich möchte nicht darüber schweigen, wie ich bestohlen werde. Wie ich Angst davor habe älter zu werden und nicht beschützt zu sein. In einen Konkurrenzkampf mit den Jungen geschickt werde. Wie meine Freunde sich in ihre Trutzburgen verzogen haben und glauben, es sei lächerlich, dass ich noch da bin und versuche mir die Sprache nicht nehmen zu lassen. Wieso geht die Saat des jeder gegen jeden auf? Ich will helfen zu gestalten – eine lebenswerte Gesellschaft auch für Menschen, die nicht mit dem Messer auf andere losgehen, demokratisch und zivilisiert.

Heute sage ich Andrea Nahles – Danke, dass sie erkämpft hat, was so vielen hilft, den Mindestlohn. Danke für all die Menschen, die sich solidarisch organisieren.

Im vergangenen Winter

Im vergangenen Winter war es frostig
und trüb in Dänemark, wo ich auf Entdeckungs-
und Forschungsreise war.

Ich ging bis an die Grenze und hörte,
was ich zu tragen hätte, sei Scham.
Ich tauschte Erinnerungen gegen Devisen.
Stand in Verbindung zu einem schönen Mann.

Was mir half nicht aufzugeben und
womit ich ihn glücklich machte,
als ich unter einer duftenden Kiefer
Schutz vorm Regen fand.

Ich kämpfte gegen einen Quantensturm,
bis ich an die Spitze einer Landzunge kam.
Dort hielt der Wind dann schliesslich inne,
so dass mein Fahrrad einfach rollte
und ich ganz gut voran kam.

Ich lernte viel auf dieser Reise
auf der ich mir vom Glück ganz einfach nahm
und mich in die Sonne stellte,
als ich mir Kopenhagen besah.

Ich nahm dort Zuflucht in einem Gartenhäuschen
in winterklarer Nacht und verstehe besser,
was es heisst, wenn man kein Zuhause hat.

Ich sah Männer herrisch kämpfen.
Sie haben Stahl, Beton und Glas in Stellung gebracht.
Sie rächen sich an dummen Gänsen.
Für sie steht Gott auf der Anklagebank.

Reiz | Walter Matti

Die große Stadt
Reizt die Menschen …
Wie die Tzitze das kleine Schweinchen.
Wie der Ball den jungen Hund.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …
Wie die Nuss das Eichhorn.
Wie der Trickfilm das Kind.

Und dann sind sie dabei.
Dann sind sie dazwischen.
Dann sind sie Zeuge
Und dann sind sie Part.

Dann klappern Räder.
Dann spielen Gitarren.
Dann klacken Entwerter
In ruckender Fahrt.

Dann duftets in Parks.
Dann wimmelts auf Märkten.
Dann brummt es in Clubs
Und raucht es in Bars.

Dann leuchtet Asphalt
Im Schein von Laternen
Und riecht es nach Street Food
Und etwas nach Gras.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …

Und dann ist Montag.
Dann ist es morgens.
Dann ist es früh.
Dann ist es schon spät.

Dann ist August.
Dann ist es Sommer.
Dann ist es schwül
Und die Luft steht.

Dann stoßen Menschen,
Dann riecht man Menschen,
Dann hört man Menschen
Direkt neben dem Ohr.

Dann öffnet die Tür.
Dann wird nachgeschoben.
Dann flucht man lautlos
Und denkt an Mord.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …

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Vielen Dank.