Haben Sie den „Werther“ gelesen?

Heute gibt es einen lesenswerten und nachdenkenswerten Beitrag von Dr. Hans-Albert Wulf auf https://www.kuhlewampe.net mit dem Titel „Der Tote in Goethes Gartenhaus“. Ein Artikel, der mich daran erinnert, dass ich selbst so eine Wertherin bin. Nur möchte ich leben. Ich möchte nicht bedroht werden, weil andere besitzen wollen, was mein ist. Mein Zuhause.
Ich möchte nicht darüber schweigen, wie ich bestohlen werde. Wie ich Angst davor habe älter zu werden und nicht beschützt zu sein. In einen Konkurrenzkampf mit den Jungen geschickt werde. Wie meine Freunde sich in ihre Trutzburgen verzogen haben und glauben, es sei lächerlich, dass ich noch da bin und versuche mir die Sprache nicht nehmen zu lassen. Wieso geht die Saat des jeder gegen jeden auf? Ich will helfen zu gestalten – eine lebenswerte Gesellschaft auch für Menschen, die nicht mit dem Messer auf andere losgehen, demokratisch und zivilisiert.

Heute sage ich Andrea Nahles – Danke, dass sie erkämpft hat, was so vielen hilft, den Mindestlohn. Danke für all die Menschen, die sich solidarisch organisieren.

Im vergangenen Winter

Im vergangenen Winter war es frostig
und trüb in Dänemark, wo ich auf Entdeckungs-
und Forschungsreise war.

Ich ging bis an die Grenze und hörte,
was ich zu tragen hätte, sei Scham.
Ich tauschte Erinnerungen gegen Devisen.
Stand in Verbindung zu einem schönen Mann.

Was mir half nicht aufzugeben und
womit ich ihn glücklich machte,
als ich unter einer duftenden Kiefer
Schutz vorm Regen fand.

Ich kämpfte gegen einen Quantensturm,
bis ich an die Spitze einer Landzunge kam.
Dort hielt der Wind dann schliesslich inne,
so dass mein Fahrrad einfach rollte
und ich ganz gut voran kam.

Ich lernte viel auf dieser Reise
auf der ich mir vom Glück ganz einfach nahm
und mich in die Sonne stellte,
als ich mir Kopenhagen besah.

Ich nahm dort Zuflucht in einem Gartenhäuschen
in winterklarer Nacht und verstehe besser,
was es heisst, wenn man kein Zuhause hat.

Ich sah Männer herrisch kämpfen.
Sie haben Stahl, Beton und Glas in Stellung gebracht.
Sie rächen sich an dummen Gänsen.
Für sie steht Gott auf der Anklagebank.

Reiz | Walter Matti

Die große Stadt
Reizt die Menschen …
Wie die Tzitze das kleine Schweinchen.
Wie der Ball den jungen Hund.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …
Wie die Nuss das Eichhorn.
Wie der Trickfilm das Kind.

Und dann sind sie dabei.
Dann sind sie dazwischen.
Dann sind sie Zeuge
Und dann sind sie Part.

Dann klappern Räder.
Dann spielen Gitarren.
Dann klacken Entwerter
In ruckender Fahrt.

Dann duftets in Parks.
Dann wimmelts auf Märkten.
Dann brummt es in Clubs
Und raucht es in Bars.

Dann leuchtet Asphalt
Im Schein von Laternen
Und riecht es nach Street Food
Und etwas nach Gras.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …

Und dann ist Montag.
Dann ist es morgens.
Dann ist es früh.
Dann ist es schon spät.

Dann ist August.
Dann ist es Sommer.
Dann ist es schwül
Und die Luft steht.

Dann stoßen Menschen,
Dann riecht man Menschen,
Dann hört man Menschen
Direkt neben dem Ohr.

Dann öffnet die Tür.
Dann wird nachgeschoben.
Dann flucht man lautlos
Und denkt an Mord.

Die große Stadt
Reizt die Menschen …

lüb000

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Vielen Dank.

Irgendwo da draußen | Rüdiger Heins

flüstern sich die Worte
durch ein weißes Papier
während der abgenutzte Bleistift
mit einem leisen Rauschen
über die Textkulisse gleitet

versucht er mir Worte
abzuringen die meinem
Ego schmeicheln

entfernte Stimmen
begleiten die Abendstimmung

und ich erträume mir
den Sonnenuntergang

während sich ein Kind
irgendwo in den

Plasticos Barrios von Managua
aus einem alten zur
Mülltonne umfunktionierten
Ölfass ein paar Essensreste
mit den Händen greift

kokettiert eine Wespe
auf meiner Terrasse
mit einer Olive

und da draußen

irgendwo zwischen
Afrika und Europa hoffen
sich Menschen ein neues
Leben während die Luft in
ihrem Schlauchboot immer

weniger wird höre ich einer
Nachtigall zu

und pflege mein Ego

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Hinweis: Meine beste Freund*in? Ich selbst!

MSC * lehrt den positiven Umgang mit Burnout, Stress und Depression.
MSC * führt zu Gelassenheit und innerer Stärke.
Unsere Teilnehmer/innen üben den gelassenen Umgang mit herausfordernden Beziehungen und Gefühlen.
Für mehr Infos: www.mindfulcompassion.de
* Mindful Self Compassion

Kurszeiten: Orientierungstag 7. Oktober 2019, 16.30 – 19.30 Uhr
1. Kurstag kann zur Orientierung genutzt werden, wenn es freie Plätze gibt
14. Oktober 2019 – 6. Januar 2020 (außer 11. + 18.11.,23. + 30.12.)
montags 16.30 – 19.30 Uhr
Retreat-Tag: Samstag 7. Dezember 10-14 Uhr
Kursort: Lotos Vihara, Neue Blumenstr. 5, 10179 Berlin, www. lotos-vihara.de
Beitrag: 15.-€ Orientierungstag


Leitung: Isolde Schwarz, MSC-Lehrerin, Sozialpädagogin, Taiji, Qigong, Meditation
Assistenz Ines Kuth
Anmeldung: Bitte Anmeldeformular anfordern und einschicken.
Nach Anmeldung bitten wir um ein kurzes telefonisches Vorgespräch.
030 614 60 90 / goldenlotus@posteo.de

Perle des Tages von „Akademisches Lektorat“ vorgestellt

Hermann Hesse

Was ich bis heut an Versen schrieb
Und was ich sonst landein, landaus
An losen Dichterkünsten trieb,
Der ganze leicht gepflückte Strauß —
Mir ist er nichts! Mir welkt er in der Hand,
Ich werf ihn weg und geh auf neuen Wegen
Hinüber in ein neues, andres Land,
Dem ungewissen Reiseziel entgegen.
Und war der Strauß auch einmal frisch und bunt,
Nach andern Straßen drängen meine Sohlen,
Der ganze Tand war doch im Grund — gestohlen.
Hinweg damit! Ich bin ein Vagabund.

Stirnrunzelnd untersucht ein Rezensent
Die welke Ernte und beginnt zu schelten . . .
Ich bin schon weit, auf meinem Hute brennt
Schon eine andre Sonne. Ferne Welten
Verlocken mich; das alte Leierspiel
Mag liegen, wo mir’s aus der Tasche fiel.
Die Jahre gehn so schnell! Wie lang wird’s sein,
So steh auch ich im stillen Kreis der Müden
Und schaue hinter mich in die verblühten
Jahre als in ein fremdes Reich hinein!
Das läßt mir keine Rast; eh mich mit kühlen
Händen der Schnitter greift, will ich und muß
Der Erd‘ und Sonne Kräfte in mir fühlen,
Und was sie hegt an Schmerz und an Genuß
Mit starken Armen sehnlich an mich reißen
Und Tod und Leben meine Brüder heißen.

Ob dann ein neues Liederspiel beginnt,
Was liegt daran? Ein Sucher bin ich nur,
Der durch die Welt in Sonne, Staub und Wind
Begierig tastet nach der Schöpfung Spur.
Wo irgendeine unerschöpfte Kraft,
Ein Sprossen, Strömen, eine Leidenschaft
Sich regt und schafft und probende Flügel spannt,
Da ist mir wohl, da ist mein Heimatland.

Ein kühler Wind bläst von den Alpen her –
Vergangen ist, vorbei, ertränkt im Meer,
Was ich bis heute träumte, irrte, litt . . .
Sturm, Bruder, sei gegrüßt ! Nimmst du mich mit ?

vorgestellt von https://www.facebook.com/Textredaktion/?__tn__=kC-R&eid=ARAD-qwueCCuV1JMte9X5-b-yuwjjeWZXjLtRjXELSYjspyoimpQtnjPzap8dMjl3vdF_dObxd4mQPmR&hc_ref=ARS0NPJ1zXOIaWeyr0RGXxCcIAOnGYFf0pY_ke616WZRjQH_SYF4xqa5ZST85CcDM7g&fref=nf

danach… Delk Danwe

danach …

der Fall der Frucht ins Wasser …
(die Gravitation des Kernes ist fiebrig)
und die Berührung der Wellen mit der Weide,
alles zergeht im Sonnenuntergang aus Minium,
leere Spreu steigt empor, lebenswarm pulsierend …

die Information, die Regel, der Ratschlag,
Weinen und Lachen, Schnee und Eis
und vierzig unterschiedliche Interpretationen dazu …
das Erwachen im Schlicht und Einfach,
wie der Fall der Frucht ins Wasser …

danach nur Stille …

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