Die Launen der Verliebten | Heinrich Heine

(Eine wahre Geschichte, nach ältern Dokumenten wiedererzählt und aufs neue in schöne deutsche Reime gebracht)

Der Käfer saß auf dem Zaun, betrübt;
Er hat sich in eine Fliege verliebt.

Du bist, o Fliege meiner Seele,
Die Gattin, die ich auserwähle.

Heirate mich und sei mir hold!
Ich hab einen Bauch von eitel Gold.

Mein Rücken ist eine wahre Pracht;
Da flammt der Rubin, da glänzt der Smaragd. Weiterlesen

Mein Herz, mein Herz ist traurig | Heinrich Heine

aus „Buch der Lieder“
III.
 
Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.
 
Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh’;
Ein Knabe fährt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.
 
Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.
 
Die Mädchen bleichen Wäsche,
Und springen im Gras’ herum;
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm’.
 
Am alten grauen Thurme
Ein Schilderhäuschen steht;
Ein rothgeröckter Bursche
Dort auf und nieder geht.
 
Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenroth,
Er präsentirt und schultert –
Ich wollt’, er schösse mich todt

Wohl dem, der einen Freund fand / und der zu Ohren sprechen darf, die hören.

Dem Herausgeber Roland Berbig und dem Schweizer Nimbus Verlag für Kunst und Bücher, sowie der Beteiligung einer studentischen Arbeitsgruppe an der Humboldt-Universität Berlin unter Mitwirkung von Manuela Barney Seidel, Catherine Gyldenkaerne Døssing, Alexander Fiergolla-Stockmeier, Jonas König, Felix Latendorf (Leitung), Carl Manzey, Rebekka Issa Pohl und Tina Winkler, ist es zu verdanken, dass der Briefwechsel zwischen Rainer Brambach und Günter Eich als Dokument einer fruchtbaren Dichterfreundschaft in der Nachkriegszeit als schön verlegter Band vorliegt. Sein Titel ist „Nichts und niemand kann dich ersetzen.“ Die beiden Lyriker tauschten sich über die Belange des Lebens, vor allen Dingen aber über ihre enstehenden Gedichte aus und nahmen aneinander regen Anteil. Der humorvolle Ton läßt vergessen, dass manches wohl eher traurig als lustig war. Beide begegneten sich nach einer Anfangsphase durchaus auf Augenhöhe, obwohl Rainer Brambach zehn Jahre jünger und noch ein unbekannter Autor war, als er dem bereits anerkannten Günter Eich einen Leserbrief schrieb und so ihre Freundschaft ingang setzte. Doch ihre Unterstützung in den Wechselfällen des Lebens und in der Ausarbeitung ihrer Lyrik ist gegenseitig und beide profitieren gleichermaßen.
Das Studium ihres Briefwechsels liest sich unterhaltsam und die Ausgabe ist mit schönen Faksimiles einzelner Gedichte, Postkarten und anderer Dokumente, sowie Fotos ausgestattet, die die Lektüre auflockern und einen Einblick in die Kreise der beiden geben.
Ilse Aichinger, Günter Eichs Frau, schrieb Fußnoten an das befreundete Paar in Basel und als Paar erhielten sie von den Brambachs Antwort.
Wieder eine liebe- und kunstvoll gemachte und interessante Ausgabe aus dem Haus des Nimbus Verlags, der einen Blick auf deutschsprachige Lyrik in seinem Programm wirft.

„Nichts und niemand kann Dich ersetzen.“
Rainer Brambach
Günter Eich
Der Briefwechsel

Nimbus Verlag für Kunst und Bücher
05 | 2021, Halbleinen
ISBN 978-3-03850-069-8
https://www.nimbusbooks.ch/buch/%C2%ABnichts-und-niemand-kann-dich-ersetzen%C2%BB

Auch nur Waldes Weg | Wolfgang Weiland

Schwarzwild hat mich aufgewühlt,
bin auch nur Waldes Weg.
Möcht nur so liegen, vom Laub bedeckt,
der Wind hats schön gelegt.

Wie seh‘ ich aus, jetzt, in der Früh,
was wohl die Leute denken.
Ich mag die Kinder, die mir froh,
ihr Schlurfenrascheln schenken.

Vielleicht, so denk ich, schieben sie
mir Blätter in die Wunden.
Bin wieder dann schön anzusehn,
nicht gar so sehr zerschunden.

© Copyright Text Wolfgang Weiland
https://manchmallyrik.de/auch-nur-waldes-weg

Winter | Heinrich Heine

Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.

Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.

Weit besser ist es im Summer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.