Zur Erinnerung an Peter Härtling, † 10. Juli 2017: „Altes Spiel“

immerhin und immerher
lockt das nein zur wiederkehr
setzt den spöttern nasen auf
nimmt den fliegenleim in kauf –
 
heißt die wände dünner sein
schmilzt das lachen härter ein
hängt sich bunte fetzen um
immerhin und immerdumm
 
immerleis und immerlaut
hat die welt ins loch gebaut
hat den argwohn umgetauft
und das feilschen rasch verkauft.
 
immerher und immerhin
blinzeln aus dem widersinn
der auf dünnen beinen geht
und um keine hilfe fleht.

43 | Nur zärtlich

Nur zärtlich löst Du das schimmernde Seidenband,
das Dich mit ehemals zum heute Deines pochenden Herzens verband.
Nur leise trittst Du Deine Reise an,
die Dich zum Zielpunkt bringt an jenen fernen Strand.

Verrauscht braust in Deinem Ohr,
der Sturmwind, dieser Küstenchor.
Zögernd schreitest Du durch das Blütentor
an dem sich die liebliche Rose duftend rankt empor.

Sanft greifst Du die Hand
der Frau, die Dich als Engel fand.
Du wiegst Dich süß in einem Tanz.
Im Traum beglückt Dich ein Kuß aus Samt.

Du möchtest nie mehr einsam gehen,
die Sterne nurmehr zweisam sehen.
Ein Glockenspiel klingt Dir so hold.
Dein Wanderschuh ist frisch besohlt.

So zieht Ihr hinaus in das unbekannte Land,
zwei Abenteurer auf grosser Fahrt.
Ihr trefft das Glück,
weil Ihr es jagt.

Magister Scherenbergs geistiger Werkzeugkasten

mit Gebrauchsanweisung für Anfänger im Denken
Magister Scherenbergs geistiger Werkzeugkasten

„Kenntnisse kann jeder haben, aber die Kunst zu Denken ist das seltenste Geschenk der Natur.“
Friedrich II. von Preußen zugeschrieben.

Dieses Geschenk möchte ich Ihnen hiermit machen.
Hierin finden Sie die wichtigsten Werkzeuge die zur richtigen Ausführung geistiger Arbeiten erforderlich sind. Ich habe sie persönlich in jahrelanger Arbeit akribisch aus der Vernunft extrahiert und bin daher nun in der Lage, nicht nur die Werkzeuge, sondern auch deren erfolgreichen Gebrauch zur Verfügung stellen zu können. Dabei ist es besonders angenehm, daß das gewonnene Werkzeug überaus einfach und leicht zu gebrauchen ist, obwohl es durch so lange Zeit, so mühsam und durch komplizierte Abwägungen erworben ward.

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Heinrich Heine | Auf Flügeln des Gesanges,

Herzliebchen, trag ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen,
Und schaun nach den Sternen empor;
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazell’n;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well’n.

Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken,
Und träumen seligen Traum.