Sonntag, 09.12.2018

Sehr verehrter Herr Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, sehr geehrte Bundesbürger, sehr geehrte Menschheit, liebe Freunde, liebe Familie, liebe Leser, ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich mit einigen sehr unbedachten Beiträgen gegen den Anstand und die guten Sitten verstossen habe. Insbesondere die Veröffentlichung des Fotos des Schlosses Bellevue war gegen jede angemessene Würde des Bundespräsidialamtes. Ich verdanke diesem Land alles und bin selbst über soviel Dummheit bestürzt. Was mir eigentlich sehr am Herzen liegt, das Miteinander und die menschlichen und gesellschaftlichen Bindungskräft, sowie die Verständigung und der Frieden zwischen Völkern und Menschen ist ebenfalls durch einige Beiträge schwer beschädigt worden. Auch das geschah nicht absichtsvoll und ich bereue dies zutiefst.

Ich hoffe aufrichtig, dass diese Entschuldigung durch den Bundespräsidenten, die Weltgemeinschaft und den Religionsgemeinschaften sowie der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit angenommen wird.

„März“ ins Russische übertragen von Anya Ovsepian

14 | Март

Филигрань, желтые журавли выделяются на фоне большого города

В как будто бы разрисованном сером небе.

Метро проезжает с колоколами

Прямиком мимо меня.

 

 

Мои ноги равномерно нащупывают путь

Через темный влажный асфальт.

 

 

Для самой себя, я теперь прилагаю больше усилий.

Я стараюсь все чаще,

и прислушиваюсь немного более тщательно.

Собственно – теперь я слышу, хоть и очень тихо,

воркование лесного голубя.

Затем я вспоминаю, и улыбаюсь, потому что понимаю,

что оно тебе не нравится.

Я все еще вижу твой гнев и горечь,

ведь ты это так все время ненавидел,

как только это все стало бременем

– с твоим заискивающим, вопиющим голосом.

Перевод Ани Овсепян, Берлин, Ноябрь 2018 года

Übertragung des Gedichtes: https://www.die-dorettes.de/dorettes/maerz/

Vielen Dank, liebe Anya für die Übertragung ins Russische.
Schön, dass Du den Rhythmus erhalten hast und zu gern
würde ich Wort für Wort verstehen, wie Du es interpretiert hast,
denn Du hast sicher Deinen eigenen Ton gefunden.

Begegnung

Kühl pfeift der Wind durch die Strassen
und die Bäume tragen kaum noch Laub.
Eine junge Frau eilt, einen Strauss Blumen in der Hand, über die zugige Brücke. Eine andere, ihr zugwandt, merkt an, dass sie deshalb keine Obdachlose sein könne, sie würde beim ersten Kälteeinbruch von der Brücke springen. Wir gehen im gleichen Tempo nebeneinanderher. Eigentlich möchte ich überholen, doch gleichzeitig mit mir, beschleunigen sie ihren Schritt.
Ich denke an den Herrn, dem ich gestern eine Motz abgekauft habe. Er bedauerte, dass die Mona Lisa, die auf dem Deckblatt der Zeitung zu sehen war, nicht seine Freundin sei. Ich lache über den Scherz und sage: „Ja, da sei er leider etwas zu spät dran.“
Um den scherzenden Ton zwischen den Brückendamen aufzunehmen – warum eigentlich? – sage ich zu der frierenden Frau: „Nein, das würden sie nicht.“ Und meine es ernst.
Ich bin noch nicht dazu gekommen, in die Zeitung hineinzusehen.
Christiane Rösinger auf „Gold“ – ich habe Probleme, die andere gerne hätten.
Ich schlafe zur Zeit schlecht. Aber ich hoffe, ich kann nächstens Goethes „Iphigenie auf Tauris sehen“. Frau Prof. Eusterschulte hat ihr Auditorium am selben Abend mit dem Schlußduett der Zauberflöte beschenkt: „Möglicherweise hat das Ihre Geduld schon überfordert.“ Ach, da fällt mir Milos Formans Film über Mozart ein. Sagt nicht der österreichische König dort zu Mozart: „Etwas zuviele Noten.“?
Platon spricht von der Kraft der Paideia in der Musik.
Wie oft kann man ganz von vorne anfangen?