Sonntag, 29.08.21 – Treffen der Berliner Poetinnenoffensive II-21

Hervorgehoben

Am 29.08.21, 15.30 Uhr bei regenfreiem Wetter dann im Sommergarten Golgatha im Viktoriapark auf der Dachterrasse
das Treffen der Berliner Poetenoffensive II | 21.
Thema: Schatten
https://goo.gl/maps/pZ9x3oV7jmnrzvKKA
Komm vorbei! Ich freue mich auf Dich.

69 | Garten

Das KAU hat einen Rosengarten.
In ihm kann man ihr Aroma atmen.
Dort füllt sich die Luft
mit Blütenduft.
Es läutern sich die Sinne
und neue Hoffnung findet,
wer sich inmitten
der Rabatten
auf eine Bank platziert.
Hier kann ein Herz gesunden,
das vom Einsamsein verwundet
und in Verwirrung sich verirrt.
Dort verstreichen gemächlich
ruhige Sommerstunden
bis neue Frische und Klarheit
den Geist genährt
und man das Leben wieder ehrt.

68 | Sphären

Oh Welt – so weit, so hoch.
In deinen Sphären
schweben Löwenzahnsamen.

Oh Abgrund, so tief und dunkel.
Über deinen Rändern
funkelt das Sonnenlicht in den Tropfen
des rauschenden Falls.

Oh Himmel, so hell und strahlend.
In deiner Kuppel fahren
die gleissenden Wolkentürme.

Oh Meere, so blau und endlos.
In euren Weiten tummeln
sich Millionen Fische.

Oh Menschheit, so vielstimmig und vielzählig.
Kennst Freude, Weisheit und Trauer
und hoffst auf Zukunft, die sich vernünftig gründet.
Mit Dummheit und Bosheit wäre dann Schluß.

67 | Über dem Fluß

Über dem Fluß
liegen hingetuscht
ein paar zarte Schleier.
In der Morgendämmerung
bricht sich das Licht,
malt Himmel und Wasser
rosenrot – zum Rand hin etwas blasser.
Da oben wohnt der neue Mond
– die Sichel silbern, schmal und fein.
Er schlitzt einen Ritz
ins zarte Blau hinein
und klingelt Mückensirren.
Hier an dem Seitenarm
ist der Wasserspiegel glatter.
Es gurgelt matter.

66 | Stadtsommer

Der Sommer über’m Asphalt leuchtet hell und grell.
Sträucher und Büsche üppig grün bekränzt.
Benzinaroma driftet durch die staubige Luft.
E-Scooter – als Hindernisse auf dem Weg verteilt.

Eisdielen verkaufen für viel Geld
Eiscreme satt.
Die Schwüle setzt die Stadtbewohner matt.
Wohl dem, der eine Klimaanlage hat.

Die Nachrichten berichten von Aufständen in der armen Welt.
Der Horizont ist von steinernen Häusern verstellt.
Ein Junkie an der Bushaltestelle raucht Crack.
Am Kanal leben unter Linden und Holunder
Menschen im Zelt vor Blicken versteckt.

Familien sind ans Meer gereist.
Der See Erfrischung und ein Sonnenbad verheisst.
Am Abend schwärmt die Jugend aus.
Am Besten hält man es am Brunnen aus.

65 | Gift

Wie ein Schlangenbiss
steigt ein schwarzes Gift
hinauf zu meinem Herzen.
Es färbt den hellen Tag
in finstere Nacht.
Umfängt’s Gemüt mit Schmerzen.
Es heißt Verrat.
Schmeckt bitterer als Galle.
Bosheit und Gemeinheit
schleichen sich an.
Weit mehr als man ertragen kann.
Wer dazu schweigt,
den frisst
Resignation und Bitterniss.

64 | Seifenblasen

In meinen Träumen pflückten wir einander
die Gewichte aus den Haaren
und stützten uns gegenseitig beieinander auf.
So stabilisierten uns meine Träume in den Jahren.

Wir webten durch sie ineinander an einem Zuhaus.
Eines Tages wurde ich unsanft geweckt.
In meinen Illusionen hatte sich die Wirklichkeit versteckt.
Die Trugbilder lösten sich auf.

Wie Seifenblasen im Wind
zerplatzte aller Schein.
Der Sturm wehte die Firniss fort
und ich blieb allein.

63 | Trug

Der Alltag trog.
Mit viel gutem Willen mühsam
auf Fassaden gemalt
– die Illusion.

Ein Arm voll Sommerblumen
– so war der Chor gesungen.
Nichts war wahr.
Hatte Brot und Kuchen
und war gefangen in dem schönen Bild.

Zahlte einen bitteren Preis
für den sporadischen Schein vom Glück,
dem ich lange nicht entwachsen bin
– nur einen Hauch vom Abgrund entfernt.

Lebte einen faulen Kompromiß
– doch vorm Absturz war ich nicht geschützt.
Jetzt liegen die Scherben bar und bloß
im hellen Sonnenschein
– war und bin in Wahrheit doch allein.