45 | Stern

Ich hörte auf die Worte Deiner glimmenden Blicke.
Heute erscheinen sie mir dunkel und rätselhaft.
Ich wiegte mich mit Dir im Takt einiger Tanzschritte.
Du hast mein Leben mit schillernden Träumen versüßt.

Auf uns schneiten die weissen Schneesterne
und regnete der Blütenschaum.
Heute weilst Du in der unbekannten Ferne.
Deine Spuren verwischt der Meeressaum.

Kommen auch neue Sommertage,
malt auch der Himmel Regenbogen in den Wolkendunst
– Du bleibst die liebste Melodie
in meinem Erinnerungsschatzkasten,
– der hellste Stern, der in meinem Universum prangt.

44 | Gegenwart

Wenn Du zwischen gestern und morgen stehst,
wähle die Gegenwart,
nur sie ist, was Du wirklich hast.
Nur der Moment im Jetzt und Heute

ist wirklich, drum gib ihm jetzt Bedeutung.
Was war, was wird, – ist nur in Deinem Kopf,
drum reich die Hand schon jetzt dem armen Tropf.
Warte nicht auf jenseitige Vergnügen.

Nimm ganz die Gegenwart und wenn’s so ist,
dann laß Dich nicht von Deinen Gefühlen wegaddieren.
Sei achtsam mit dem, was Du gerade tust,
denn für das Leben hast Du nur den einen Versuch.

Jeder geht im Leben einsam,
das haben alle miteinander gemeinsam,
drum tue heute, was Du kannst
und warte nicht darauf,
wovon Du nicht wissen kannst.

42 | Albtraum

Heute nacht quältest Du mich im Traum
mit Deinen herzlosen Scherzen.
Ich möchte Dich und die Schmerzen
in meinem Herzen vergessen.

Ich denke an das Morgenlicht,
das ein Jüngling mir gebracht hat.
Es soll mich heilen von dunklen Schatten.
Der Jüngling und Du – Ihr seid beide mir fern.
Ich bleibe allein in finsteren Nächten.

41 | Zeile um Zeile

Durch Dich wird mir die Welt zum Lied.
Ich erfinde Dir Zeile um Zeile,
besinge Dein rotlockiges Haupt
und male Gedichte voll sehnsuchtsvoller Reime.

Ich rufe Lautbilder in den Äther hinaus
und hoffe, dass sie uns überdauern,
schmiede uns ein Zuhaus
aus seidenweichen Versen.

Ich klöppele Wortspitzen aus Blütenschaum
und hoffe, dass ich Dich damit betöre.
Der Gedanke an Dich ist mir das schönste Lied,
weshalb ich es wieder und wieder in Dauerschleife höre.

40 | Frühjahr

Die Tage blühen auf
und sinken ins Vergehen.
Es ist keine Haltezeit und kein Ziel
an meinem Horizont zu sehen.

Heute schäumt in Blüten auf
doch Vergangenheit ist nicht zu entwirren.
Rotgolden schimmerte Dein Haupt.
Wir sollten uns im Morgenleuchten drehen.

Du bist nur ein schöner Traum.
Auch dieses Frühjahr wird vergehen.
Nutzlos ist der Verdruß
doch ein Ausblick nicht zu erspähen.

39 | Da ich Dich liebte…

Perlmuttern schimmerten die Tage
da ich Dich liebte.
Verheissungsvoll klangen die Schritte
da Du mich liebtest.

Tanzend durchmaß ich die Jahre
da ich Dich liebte.
Sanft perlte der Niesel
da Du mich liebtest.

Zu Stunden zerrannen die Sekunden
da ich Dich liebte.
In die Tiefe Deiner blauen Iris fiel ich
da Du mich liebtest.

Voller wärmender Schauer waren die Minuten
da ich Dich liebte.
Duftig waren die Lüfte
da Du mich liebtest.

Krustig sind die Wimpernspitzen
da Du fort bist.

38 | Peerseus

Gottt hat einen Peerseus aus Ton gemacht,
der seinen blanken, spiegelnden Schild der Kunst
gegen die Medusenwirklichkeit hebt.
Er entflieht der Medusa am helllichten Tag
in den Schlaf.

Auch ich bin für die Gegenwärtigkeit nicht gemacht
und frage nach der Träume Zauberkraft,
die mich vor des Schreckens Versteinerung bewahrt,
so wie meine Freundschaft zu Gottt es schafft.

37 | Tränen

Ein eisiger Wind aus Nordwest von der See
treibt mir die Tränen in die Augen.
Sie rollen über die Wangen
und lecken vom Kinn.

Mit dem Ärmel meines T-Shirts wische ich
den Rotz von der Nasenspitze
und drehe den Rücken zur Böe,
vergrabe meine Hände in den Manteltaschen
und bücke mich nach dem Flint.

Rau weht das Küstenwetter
über den Strand
und bläst mir Nieselperlen ins Gesicht.
Der Sturm pustet die Erinnerungen fort,
nur Gegenwart fegt durch die Gischt.

36 | Schwelgerei

Ich möchte in Umarmungen schwelgen,
von holden, süßen Lippen trinken,
den Wein und mein gebuttert Brot will ich mit Dir teilen,
Dir Träubchen und Walnüsse schenken.

Ich möchte ohne Sorge mit Dir glücklich sein
und nicht an den finsteren Winter denken.
Es soll nur Hollerblütensterne schneien.
Ich will mich in Dein Lachen senken.

Wir tanzen durch ein Rosenblütentor
und kramen die alten Schallplatten hervor.
Wir waschen die Holzböden mit duftender Seife aus
und gehen erst zur Nacht nach haus.

Wir freuen uns – fliegen die Tauben auf.
Wir sehen den Sichelmond über unserem Haus
und benetzen die Hände mit der Morgensonne Tauperlen.
Wir rasten im Schatten des Häusermeeres,
vergessen, was in unserem Schicksal von Unglück beschwert ist.

35 | Rätsel

Seitdem Du gingst, starre ich in einen Abgrund.
Die Welt ist mir seither ein dunkles Rätsel.
Du hast Trost in einer anderen Armen gesucht.
Ich hielt Dich für boshaft, weil Du mir nichts von Bedeutung
liesst.

Du sahst Dich nicht um, als Du eine andere Richtung
einschlugst.
Was fang ich mit den Wunden an,
die Du in mein Herz hinein grubst.

Wie flicke ich die Fetzen zusammen,
die mir von uns verblieben?
Wie ziehe ich den Dolch aus der Brust,
den Deine Lieblosigkeit hineingetrieben?

Ich treibe ohne Sinn im Strom der Zeit.
Es ist mir kein Ziel geblieben.
Mir ist von der Kälte des Universums kalt.
Ich bette mich zur Ruh, am Abend um halb sieben.