Begegnung

Kühl pfeift der Wind durch die Strassen
und die Bäume tragen kaum noch Laub.
Eine junge Frau eilt, einen Strauss Blumen in der Hand, über die zugige Brücke. Eine andere, ihr zugwandt, merkt an, dass sie deshalb keine Obdachlose sein könne, sie würde beim ersten Kälteeinbruch von der Brücke springen. Wir gehen im gleichen Tempo nebeneinanderher. Eigentlich möchte ich überholen, doch gleichzeitig mit mir, beschleunigen sie ihren Schritt.
Ich denke an den Herrn, dem ich gestern eine Motz abgekauft habe. Er bedauerte, dass die Mona Lisa, die auf dem Deckblatt der Zeitung zu sehen war, nicht seine Freundin sei. Ich lache über den Scherz und sage: „Ja, da sei er leider etwas zu spät dran.“
Um den scherzenden Ton zwischen den Brückendamen aufzunehmen – warum eigentlich? – sage ich zu der frierenden Frau: „Nein, das würden sie nicht.“ Und meine es ernst.
Ich bin noch nicht dazu gekommen, in die Zeitung hineinzusehen.
Christiane Rösinger auf „Gold“ – ich habe Probleme, die andere gerne hätten.
Ich schlafe zur Zeit schlecht. Aber ich hoffe, ich kann nächstens Goethes „Iphigenie auf Tauris sehen“. Frau Prof. Eusterschulte hat ihr Auditorium am selben Abend mit dem Schlußduett der Zauberflöte beschenkt: „Möglicherweise hat das Ihre Geduld schon überfordert.“ Ach, da fällt mir Milos Formans Film über Mozart ein. Sagt nicht der österreichische König dort zu Mozart: „Etwas zuviele Noten.“?
Platon spricht von der Kraft der Paideia in der Musik.
Wie oft kann man ganz von vorne anfangen?

Perle des Tages | Von heiligen Frauen…

Mit einer Gesine Palmer spräche ich wohl nie auf Augenhöhe, so sehr ich mich auch streckte. Wenn ich an sie heranreichen wollte, müßte sie sich schon sehr herabbeugen, damit ich ihr das Wasser reichen könnte. Hier belichtet sie recht anschaulich, was einem Menschen durch den Kopf schiesst, der nicht wie die Jungfrau zum Kinde kam und mit der verdrängenden Ansprüchlichkeit geheiligter Weiblichkeit mitten in den Herausforderungen des alltäglichen Wusts hadert. Eins ist nach der Lektüre klar, kollektive „wirs“ führen nicht zum Besseren, sondern markieren dürftig Exklusivität und die moralisierende Rechtfertigung der Privilegien der eingeschlossenen Zirkel: https://gesine-palmer.de/ave-maria-mundi-spes

Fragmente. Danke, liebe Ute. Worte sind auch Lebensmittel.

28.08.2016
Ich muß nichts tun. Nur warten. Du kommst zurück. Niemals kannst Du mit jemand anderem diese Intensität erleben. Ich liebe Dich. Gott, bitte schenke mir meinen Mann zurück. Bitte lass’ ihn zu mir zurück finden. Draußen gurrt ein Turteltäubchen – Du hasst ihr Gurren.

19.01.2018
Wie gut, dass ich mich so geirrt habe. Nie bist Du überhaupt jeh mein Mann geworden. Wir waren zwei Traumatisierte, die sich aneinander geklammert haben. Was ist die Beziehung von bürgerlich Behämmerten sonst? Ich sehnte bei vorangegangenem Eintrag Möglichkeiten zurück, die nie in Deiner Absicht lagen.

Solange habe ich mitgewirkt daran, dass die schwerste Arbeit, die ich geleistet habe, pathologisiert wurde – ja, ich pathologisiert, dämonisiert. Zuletzt hast Du Dich gründlich gerächt an mir. Du hast zugebissen, wie ich als Kind meinen Stoffteddy biss, was mich selbst verstörte. Du liebst die Frauen nicht und auch nicht die Männer. Du hasst sie. Darin gleichen wir uns – wir fürchten das Leben und hassen vorsorglich, was wir so lieben.
Jetzt hast Du wieder einen Hund an Deiner Leine. Du wirst noch an der Leine zerren und den Hund treten. Zuletzt ist diese Wut ja nichts anderes als Wut auf Dich.

Und mein Traum von Bonnie and Clyde? Wie konnte ich Dir die Waffe in die Hand legen und hoffen, dass Du nicht damit auf mich zielen würdest? Es war nur kein Spiel mehr. Es war bitterer Ernst. Dass Du gegangen bist, zeigt immerhin, dass Du die Grenze kennst und achtest. Danke.

Es gibt Menschen, die meinen, ich sei unpraktisch und unkonkret. Sie selbst sind die größten Träumer, drum kümmert mich ihr Urteil nicht. Ich habe beschlossen, mich damit zu begnügen, nur noch auf Sicht zu leben. Nichts zu forcieren, aber auch nichts unversucht zu lassen. Zu mehr reichen meine Mittel auch nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es nicht genau so wollte. Mit etwas mehr Strategie hätte ich vielleicht in meinem Leben mehr erreicht und abgesichert. Aber meine kindliche oder kindische, selbstzerstörerische, unaufrichtige Aufrichtigkeitsfanatik, die vor allen Dingen Bequemlichkeit und Sturheit war, haben mich genau hierhin geführt.
Vor mir liegen die größtmöglichen Hindernisse. Mit jugendlichem Heldenmut und Elan habe ich sie aus dem Weg zu räumen und wenn ich Möglichkeiten in kleinen Stücken herauspickeln muß. Vielleicht – wenn ich freier ins Gelände schaue, kann ich sie auch einfach umgehen – das hängt von meiner Geschicklichkeit und meinem Witz ab.

In meinem Leben ist jeder Moment Material, wie es das in jedem anderen auch ist. Die Erzählung von heute lautet „graue Tage in Berlin“. Für Freundschaft fehlt es in unserem Leben häufig genug und deutlich an Humor. Aber ja, tatsächlich, es geht mir gut und meine Freunde wissen, dass ich sie liebe.

Danke, liebe Ute. Worte sind auch Lebensmittel.
Das ist das Schönste – Wirksamkeit. Nach und nach schält sich etwas heraus. Panzer ablegen macht wirksam. Fünf Jahrzehnte habe ich vorsprachlich gelebt, obwohl ich reich an Worten war, wenn es nötig war. Ich war die schärfste Zensorin meiner Gedanken und Worte, denn mit der Undeutlichkeit konnte ich die Illusionen am besten malen und nähren. Ich bog uns die Regenbogen als Eiapopeia-Manna. Das genügte als Beschwörungsvorrat gegen den Einbruch der Ängste. Das war meine Macht. Diese Vorräte an Zauberpraktiken als Narkotikum gegen den Einbruch unvorhergesehener Risiken stabilisieren den Blindflug der Tagträume deren Gestaltung uns Weibern als Grille erlaubt ist und in die wir als Ausflüchte aus ihrem grauen Alltag zur erlaubten Regression die männlichen Lebensabschnittsbegleiter mitnehmen dürfen, die uns deswegen aber gleichzeitig nicht für weniger geisteskranke Primitive halten. Das macht einen erheblichen Teil des Geschlechterfaszinosums aus, aber auch der Wut. Sobald die Routine und die Harmlosigkeit dieses Spiels und der Teilnehmer nicht mehr garantiert ist, gerät das ganze Spiel in Gefahr. Und es ist tatsächlich risikoloser, die Spielbeteiligten auszutauschen, bevor jemand ernsthaft verletzt wird. Allerdings ist seine Verklärung als Naturhaftigkeit, wie es vielleicht in seiner fatalen Zwangsläufigkeit erlebt werden mag, eine Verkennung der wahren Hintergründe und der Tragik, die darin liegt, dass wir aus Unfreiheit und nicht aus den Möglichkeiten genau so handeln, wie wir handeln.

ps. Anwaltsauskunft – mit dem deutschen Ärztehaftungsrecht und Strafrecht sind die systematischen Verbrechen im deutschen Krankenhaussystem nicht zu verhindern.

Die grundgesetzwidrige Finanzierung der Krankenhäuser über Fallpauschalen, die das Gebot der Daseinsvorsorge nach Sozialstaatlichen Prinzipien verhindert, müssen wir alle als den politischen Skandal erkennen, der er ist.

Das Sozialstaatsprinzip und -gebot war eine Konsequenz aus den Verbrechen des dritten Reichs auch im medizinischen Bereich.

Es ist auch egal, ob wir privat oder gesetzlich versichert sind, da gibt es keinen Unterschied in der Behandlung. Im Krankenhaus laufen wir Gefahr, das Schwein zu sein, das geschlachtet wird.

Das wir inzwischen an einem Punkt angekommen sind, wo wir das hinnehmen und unter „Lebensrisiken“ abtun, empört mich. Ich finanziere diese Menschverachtung seit 30 Jahren und zwar nicht zu knapp, zusammen mit 80 Millionen anderen und zum Teil unter persönlichen Entbehrungen.

Daseinsvorsorge darf nicht gewinnorientiert organisiert sein.

Dass es Regionen in Deutschland gibt, wo jede zweite Frau mit einem Kaiserschnitt entbunden wird. Oder dass bewußt mit meinem Leben gespielt wurde, ohne, dass man der Verbrecher habhaft werden kann, die das zu verantworten haben, ist ein Skandal.

Wir lassen es zu, dass unser Staat mafiös unterhöhlt wird.

Dass dies keine Position aus dem Bauch heraus ist, ist hier dokumentiert, zugrunde liegen 160 Millionen Krankendaten:
https://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Operieren-und-kassieren-Ein-Klinik-Dat/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=43636430

Inzwischen hat mich ein Hinweis auf dieses Bündnis erreicht, das eine politische Änderung der Krankenhausfinanzierung anstrebt unter Mitwirkung einiger Verdi Verbände – Fakten und Argumente: https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/100

Aus dem Inhalt:
Das Problem im Fallpauschalensystem: der Vorrang ökonomischer Ziele

Marktgerechtes Verhalten als Krankenhaus: Einnahmen rauf, Ausgaben runter

Wie verhält sich ein Krankenhaus marktgerecht? Indem es seinen „Kunden“ mehr Produkte verkauft und seinen Erlös steigert, mehr lukrative Krankenhausbehandlungen durchführt und mehr lukrative Operationen und andere invasive Prozeduren indiziert, die die Fallpauschalen steigern. Ökonomisch ist eine solche Strategie stets richtig, egal ob die Maßnahmen medizinisch sinnvoll und erforderlich sind oder unsinnig und eigentlich eine Körperverletzung darstellen. Bemerkenswert ist, dass sich ein großer Anteil der Fallzahlsteigerungen der letzten Jahre in Kliniken privater, gewinnorientierter Krankenhausträger abgespielt hat.“ Das gilt selbstverständlich auch für Krankenhäuser, die gewinnorientiert in kommunaler Trägerschaft arbeiten (meine Anmerkung).

Wie mich das gewinnorientierte #Gesundheitssystem fast mein Leben kostete und ich dadurch zur Besetzerin wurde

18.10.2018 | Update: Seit ich den nachfolgenden Bericht verfasst habe, ist bereits einige Zeit vergangen. Inzwischen spreche ich häufiger mit Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten und meinen Eindruck unumwunden bestätigen. So sagte neulich jemand: „Bei uns legen wir jetzt massenhaft Herzkatheder.“ Diese skandalösen Zustände verschärfen sich noch durch die schwache Rechtsposition von Patienten. Da Entschädigungen so niedrig angesetzt sind, findet Anwälte nur, wer Beziehungen hat. Die übliche Praxis ist also vollkommen risikolos.

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„Wenn die Feuerwehr nur bezahlt wird, wenn sie Brände löscht. Was macht sie dann?“ Weiterlesen