Gedicht aus „Nachwendezeit“ – 04 | „In aller Munde

“

In aller Munde ist 
die Rede,
wir seien frei.
Ich verstehe solche Rede nicht.
Und nicht, dass man dann davon spricht,
als ob das Tugend sei.

Ich weiss nicht, ob Ihr folgen mögt,
ich denke so:
Des Menschen größte Freiheit ist,
dass er sein Handeln daran bemißt,
dass er sich mit seinem ganzen Bewusstsein erschliesst,
dass er unlöslich an andere
und die Natur gebunden ist.

Woraus er sich dann ebenso bewußt
zur Prüfung der Güte seiner Handlungen entschliesst,
die er aus Einsicht in das Notwendige bestimmt
und worin er die Zwecke anerkennt,
die ihm und den anderen gegeben sind.

Dass er also in Freiheit tut,
was er als das erkennt,
was ihm unter Berücksichtigung
der Pflicht
gegeben ist.

Heute in „Philosophie“ auf g+ – Das ausgedachte Leben im Imperium des Schönen

Ich lege diese Besprechung einer Inszenierung in Stuttgart von Christof Zimmermann auf g+ in „Philosophie“ ans Herz:

Das ausgedachte Leben im Imperium des Schönen

Wenn der Denker forscht, dann sollte er sicherlich bei der Deutung seiner Erfahrungen auch an der jeweiligen Materie bleiben und nicht zu distanziert interpretieren oder auch einfach die eigenen Perspektiven und Bilder keines Falls aus romantischen Gründen produktiv, beziehungsweise aus kulturimperialistischem Ansinnen einfach schön reden.

Die persönliche Berührung und das Gefühl sind es, die wir aufgehört haben in den Begriff des Denkens einzuschließen. Weiterlesen

05.03.2018 | „Loslassen“?

„“Loslassen“ als beständige Antwort auf Konzentrationsbewegungen in Richtung Weniger hat durchaus zynische Aspekte. Für einen kurzen Moment erlebt sich das prekäre Individuum als (wirk-)mächtig. Es ist vermögend und läßt etwas los und wenn es seine zweite Niere ist. So läßt es sich auch noch die letzten Reste seiner legitimen Daseinswünsche entwinden – seine Gesundheit, sein Leben, sein Obdach oder seine Bindungswünsche und seine Vergangenheit. Laß einfach los.
Diogenes bleibt ja in der Stadt, er hat ein Obdach, er bleibt gebunden – sozial, denn er will mit seinem Beispiel einwirken auf das, woran er sich gebunden fühlt. Das prekäre moderne Individuum verurteilt sich nun auch für diesen letzten Rest Beharrungsvermögen. Es gibt alles freiwillig und leicht her. Wo der Stoiker mit seiner Überzeugung etwas anstrebt, nämlich die stabile Grundlage für Sozialität, wirft der erfolgreich Vereinzelte nun selbst diesen Besitz, oder zumindest Wunsch, gern und leicht über Bord. Hier wird um nichts mehr gerungen. Jeder Außenanspruch ist eine illegitime Anklammerung an etwas, worauf nicht im mindesten Anspruch besteht. So – gänzlich allen Strebens entkleidet, muß es sich mit Schmerz nicht mehr auseinandersetzen. Es läßt ihn einfach los. Denn Leben und Sterben ist gleich und einerlei. Das ist die demütige Bewegung des Gedemütigten, der dem Leben nicht einmal mehr Eigensinn abtrotzt.“

Perlen des Tages | Sagen, was sich sagen läßt – Gesine Palmer, Hegel

Oskar Negt über Hegel im Gespräch mit Alexander Kluge

Theodor W. Adorno über Hegel

Gesine Palmer – ob sein muß, was wird?
https://gesine-palmer.de/du-musst-dein-leben-aendern-oder-die-vollstaendige-vermuellung-einer-alten-weisheit