Lyrik Anthologie Zwergenland

Zwischen Aphorismen und Lyrik, waren die Berliner Dichtenden Diandra Behrbalk, Andreas Nettesheim, Reinhild Paarmann, Sabine Rahe, Dan K. Sigurd und Wolfgang Weber eingeladen, das Thema „Zwergenland“ zu interpretieren und variieren. Entstanden ist eine Anthologie aus sechs verschiedenen Perspektiven über das Ringen – und Erinnerungen daran – von Zwergen in einer Gigantenwelt.
EDIT: Von heute an – 27.10.2022 – erhältlich!
ISBN-13: 9783756856077, 24 Seiten Paperback
https://www.bod.de/buchshop/zwergenland-diandra-behrbalk-9783756856077
Am 13.11.22 ist dann um 15.30 Uhr ein kleiner Buch Release Kaffeeklatsch im Tomasa Kreuzberg oben und Gelegenheit die Mitwirkenden kennenzulernen.
Schlagwort-Archiv: Dichtung
147 | Zärtlichste Erinnerung
Du zärtlichste aller Erinnerungen.
Dich habe ich dem grauen Einerlei des Alltags entwunden.
Du bist mir die Schönste aller schönen Stunden.
Durch Dich konnte mein Herz wieder ganz gesunden.
Mag auch der frische Wind des Herbstes,
Dich wie das fallende Laub von mir forttragen,
möchte ich sanfte Worte in Dein liebes Ohr Dir sagen.
Sie sollen Dich umweben
und an den trüben, dunklen Tagen
Deine Stimmung heben
bis wir uns wiedersehen.
Dieser Beitrag wurde für Dich im Geist des Dāna-Prinzips sichtbar gemacht.
77 | Watt
Perlender Schaum, der Schlick benetzt.
Venusmuscheln im Sand versteckt.
Mutter Erde, die nackte Beine mit Modder bedeckt.
Angst, dass eine im Boden verborgene Auster
blosse Fußsohlen aufschlitzt.
Gesichter vom frischen Wind gerötet
und von wolkendurchbrechender Sonne erhitzt.
Meerwasserlache, die unter den Schritten aufspritzt.
Ein kleiner Seestern, der in einer flachen Pfütze festsitzt.
Am Horizont eine Hallig.
Das Watt, in dem ein Priel in der tiefstehenden Sonne blinkt.
Eine Haarsträhne, die der Wind in die Stirn bläst.
Gewaltige Wolken, die er wie Banner voran trägt.
Dieser Beitrag wurde für Dich im Geist des Dāna-Prinzips sichtbar gemacht.
76 | Verborgen
Verborgen hinter zugezogenen Gardinen.
Klagend über Traumverluste.
Phantasiere Wärme in vorgestellten Mienen.
Tröstende Umarmungen meines Holden suchend.
Nehme Nektar aus Goldströmen.
Pflanze Flammen in den Tag.
Möchte Widerstreitendes versöhnen.
Forme Schwüre, wie ihr’s vertragt.
Berge Düsterkeit im Zwielicht drinnen.
Tage, die ziellos verrinnen.
Greife nach Halt in Erinnerungen.
Bin in Gegenwart hineingezwungen.
Wortwolken, die das Tonlose betrachtend
schamgesäumt verstummen.
Dieser Beitrag wurde für Dich im Geist des Dāna-Prinzips sichtbar gemacht.
75 | Schranken
Wenn die Schranken fielen
und wir arglos spielten,
könnten wir vielleicht glücklich sein
und uns sonnen in des anderen Schein.
Doch die Grenzen halten
und so bleibt alles beim Alten
und kein Glanz bricht
in unsere Tage hinein.
Unsere Gemüter bleiben unbewegt und starr,
wie Berge aus grauem Granitfelsstein.
So bedrückt und beschwert streift kein Licht
unsere Augen in der Dunkelheit.
Wir starren angestrengt hinein
und suchen nach etwas Sicht,
doch die finden wir
in der unbewegten Finsternis nicht.
Dieser Beitrag wurde für Dich im Geist des Dāna-Prinzips sichtbar gemacht.
64 | Was zählt
Frage nicht,
wieviel Freunde habe ich.
Rechne nicht
mit ewig selbem Geschick.
Kalkuliere nicht,
welchen Eindruck mache ich.
Verdecke die Gegenwart nicht
durch Vergangenheit, die Du türmst.
Beharre nicht auf erloschenem Glück.
Öffne Dich für das, was ist.
Improvisiere über eine bekannte Melodie.
Hole Dir Pfeffer aus der Fantasie.
Staune statt aus der Gewissheit zu leben.
Spüre die Freude des Noch-Nicht-Dagewesenen.
Geniesse es dem Beben zu begegnen.
Horche wie die Töne der Erdkruste vibrieren.
Laß den Wechsel von Licht und Schatten
durch Dich fliessen.
Laß Dich durch Sorgen nicht verdrießen.
Geh voran, Du wirst was kommt
als unbekanntes Land begrüssen.
Lege nieder Deine Angst.
Gehe auf das Neue zu und tanz.
Umarme Dich selbst
und vergiss nicht,
es kommt drauf an – auf Dich.
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aus -> „Nachwendezeit“ veröffentlicht als epub im Selbstverlag, Erlös geht zu 100% an die Autorin
Anmerkung 01.09.2024 – geschrieben nach einer tiefen Lebenskrise, wohl auch als Selbstermutigung