01. März 2018 | Erfolg als Ausweis der Moralität und – Antje Rößeler Trio mit Leon Griese – Drums

Schöner, teilenswerter Kommentar – „Ich möchte mit Ihnen zusammenarbeiten – nicht trotz, sondern – wegen Ihres Engagements.“
Außerdem… In einem Cafe entspinnt sich ein Gespräch mit einem anderen Gast. Schnell wird klar, dass wir einige Parallelen im Werdegang und den Erfahrungen haben. Er ist etwas älter als ich. Von einer Erkältung angeschlagen hat er den Sonnenplatz hinter Glas aufgesucht und berichtet, dass er sich glücklich schätzt, zwei Jahre vor der Rente noch eine gut dotierte Festanstellung ergattert zu haben und mit welchen Vorurteilen, er sich als „älterer“ Arbeitnehmer auseinandersetzen muß. Da wir mit etwa gleichem Ausbildungs- und Berufshintergrund in ähnlichem Feld unterwegs sind, fasse ich meine Erfahrungen hierin zusammen. Er lacht und sagt, ich kann das alles bestätigen, was sie feststellen.

Hierzu passen die letzten Sätze, der Arbeit, die ich gestern fertiggestellt habe: „Auch gegenwärtig gilt gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Erfolg als Bestätigung für die Erfüllung der moralischen Pflichten des Inividuums. Wer hier den Nachweis von Effizienz nicht erbringt, dem wird Amoralität auch heute unterstellt. Mitgefühl und Verbindlichkeit gegenüber einzelnen Individuen gelten als irrational und entwicklungshemmend und werden als störende Hindernisse auf dem individuellen und gesellschaftlichen Erfolgsweg in den Hintergrund gedrängt. Eine Anforderung, die dem Zwang zur Progression und ihrem durch Erfolg begleiteten Nachweis der eigenen Effizienz ohne Rücksichten unterliegt.“
zur „protestantischen Ethik und dem „Geist“ des Kapitalismus“ von Max Weber.

Heute Abend spielt das
Antje Rößeler Trio

Wann
Do 1. Mär. 20:00 – Fr 2. Mär. 2018 00:00 Berlin
Wo
Terzo Mondo Grolmanstraße 28, 10623 Berlin, Deutschland (Karte)

Hier aus Leon Grieses Studio eine Session in einem anderen Zusammenhang

Session #4 Antje Rößeler & Sidney Werne, Leon Griese

03.05.2016 | Arbeitsplatzbeschreibung Stadtplanung – aktuelle Zerstörung von Berlins Mitte

Was lese ich heute im Tagesspiegel unter dem herzzereissenden Titel:

„Die Stadtplaner sind nicht mehr Herr der Stadt“?

„Unübersehbar aber wird die Produktion von urbanen Räumen heute durch flexible, dynamische Strategien beeinflusst, die weniger um die Planungen der Kommune kreisen, sondern sich in unübersichtlichen informellen Prozessen aus der Eigeninitiative von zivilgesellschaftlichen Akteuren heraus entwickeln. Diesen Prozessen ist inhärent, dass sie zunächst in einer Gegenposition zur offiziellen Stadtplanung stehen, in Leerräumen und Nischen operieren.“
„Stadt braucht eine baulich-räumlichen Verständlichkeit, die korreliert mit Erfahrungen, Nutzungen und Beziehungen im täglichen Leben. Das Wort Kultur stammt schließlich vom Lateinischen cultura: Sorge um etwas. Gestaltung ist nicht ästhetischer Selbstzweck, sondern Ausdruck des Umstandes, dass man sich kümmert.“
https://causa.tagesspiegel.de/die-stadtplaner-sind-nicht-mehr-herr-der-stadt.html

Realität Beispiel 1, das Stadtplaner in Berlin mittragen, von gestalten will ich nicht reden:
Nachfolgend sehen Sie, was Stadtplanung zuläßt – hier wird aktuell der Sargnagel in einen bau- und stadthistorisch wichtigen Platz und eines der schönsten Schinkelschen Nachlasse eingeschlagen. Karl Friedrich Schinkel Großmeister der Architektur und Gestalter von Stadträumen – auf den sich nicht zuletzt die Architekten des Bauhauses als Lehrmeister berufen haben, wir wohnen der Zerstörung diese Erbes bei. Demnächst wird der Platz zwischen den Denkmälern im Vordergrund und der Friedrichswerderschen Kirche zugebaut, das Gebäude ist durch eine unangemessen nahe Bebauung auf der anderen Seite bereits stark beschädigt, nun wird mit gleichen Folgen auf der anderen Seite genagt. https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrichswerdersche_Kirche
sargnagel

Realität Beispiel 2 – Gleich gegenüber entsteht „Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Fake-Architektur“, deren Sinn es zu sein scheint – nicht mehr zu zeigen, was vorher allerschönstens in Dahlem zu sehen war. Da der größere Teil der Sammlung des Ethnografischen Museums in den Magazinen verschwinden wird. Dies nennt sich Humboldt-Kuturforum.

Berlins Mitte wird dann auf jeden Fall extrem verdichtet. Es wird dort kaum noch ungedeutete Freiräume geben. Verschenkt wurde die Möglichkeit – die plurale Demokratie zu würdigen…
fake_architektur