68 | Sprache

Sprache und die in ihr ausgedrückten Gedanken

fügt Leben zu Sinn zusammen.

Sie faßt unverbundene Betrachtungen

zu einer Melodie und ahmt

mit ihren Klängen malend

Bilder zu verdichteten Epen.



Manchmal liegen ihre Farben

in schroffen Kontrasten,

ein anderes Mal in wärmender Harmonie.

Sie hilft mit beissendem Spott 

und gutmütiger Ironie.



Wir durchstreifen mit ihr die Leere

und erschaffen Gebilde

von schillerndem Glanz.

Sie ist in einer bewegten Welt 

ein Zuhause, das unsere Geschichte enthält.

Mit ihrem Feinsinn vertilgt sie elegant

wüste Öde und dumpfe Ignoranz.

48 | Ansichtssache



Du trägst seit einer langen Weile
Deinen finsteren Scheinwerfer
an einem anderen Ort.

Ich sollte mich sputen,
doch noch erhoffe
ich mir mehr von 
meinen Träumen.

Ich besitze im Gedanken an Dich
eine Wunderlampe,
denn mit ihm schenke ich mir Glanz
in das trübe Tageslicht.
So weiche ich seinem Bellen aus.
Es ist etwas an dem ich mich
im Taumel der Unlust festhalten kann.

Wider alle Einsicht, 
fülle ich den Tag
noch einmal mit Deinem Zauber und
seinen Beschwörungen aus.

Ich sitze an einem Tisch
vor der Kneipe
während ich mir Nico und 
Enricos
Kunstwerk anschau
und wünschte, ich köpfte
ganz einfach
das namenlose Ungeheuer
das auf mich zukriecht
mit den Waffen einer Frau.

46 | Traum und Wirklichkeit



Die Gastfreundschaft der Nomaden

erfreute mich schon oft.

Ich lud sie in mein Zelt ein

und war bei ihnen zu Gast.



In sternenklaren, frostkalten Nächten,
ob es Tee oder Hunger war,
was wir teilten
– wir tauschten höflich Geschichten,

die manchmal gut dagegen waren.



Am Morgen in der Wüste,

denke ich an die Oasen

auf meinem staubigen Weg.


Ich pflücke eine Feder

vom Daunenkissen

und stecke sie in mein Haar,

greife nach der Uhr,

die neben dem Bett 

auf dem Hocker liegt,

während meine Gedanken

bei einem entfernten Wanderer sind
und hoffe, dass er unsere Hochzeit
morgen nicht versäumt.

Gedichte aus „Nachwendezeit“: 01 | „Alltag“, 02 | „Spielbein“, 03 | „Schutzhütte“

01 | Alltag

Aufwachen.
Schlaf aus den Augenwinkeln kratzen.
Kaffee kochen.
Laptop aufklappen.
Nachrichten von Freunden betrachten.

Mit unserem Glück
und dem abrupten Ende befassen.
Diese Gedanken wieder loslassen.
Schwarzes Gebräu in einer goldgrünen Tasse.

Seufzer in den Himmel stossen.
Einen Riesennachtfalter an die Wand geklebt
in der Ecke unter der Zimmerdecke entdecken.
Der Bitternis des Getränks nachschmecken.

Im Schwingstuhl nervös vor und zurück wiegen.
Die Aufgaben laß ich noch ein bißchen liegen.
Werde die Zeit noch etwas umbiegen
und die Stunden, bis ich etwas Produktives schaffe,
unendlich in die Länge ziehen.

02 | Spielbein

Ich suche beharrlich jede List,
damit Du bald für ewig
mein Geliebter und Gefangener bist.
Ich überbrücke spielend alle raumzeitliche Kluft,
weil ich ihn so dringend wieder atmen muß
– Deinen kostbaren, Dir so eigenen Duft.

Mich hält kein Zweifel mehr zurück,
der mich entfernen könnte
von unserem Glück.
Ich fasse Mut mit jedem Tag
und geh voran – ganz unverzagt,
bis Du mir wieder zärtlich dumme Dinge sagst.

Das kann ich nur,
weil ich mich nicht mehr frag,
ob es richtig war,
dass ich Dich
trotz Deines bewußten, grübchen-gestützen Charmes,
so lieb gewonnen hab.

03 | Schutzhütte



In meinem windschiefen 
Haus aus
Phantasie
schöpfe ich mich aus.
Es gibt darin 
eine endlos verfügbare Zimmerflucht
aus Lust, Leidenschaft und Spiel.

Davor trägt dieser fantastische Zauberpalast
einen großzügigen, himmelragenden Balkon
für Poesie, Klang, Musik und Ton
unter dem elfenbeinschimmernden Perlmuttmond,
der hoch am sommerlichen Firmament
darüber wohnt.

Da sagt man mir nie,
Du willst zuviel.

Da ist das Viele
ganz und gar
das höchste aller Ziele.
Dort bin ich beschützt
und kenne keine Gefahr,
– denn dazu ist meine Phantasie ja da.

Gedicht 62 | Mit Deinem Bild



Mit Deinem Bild in mir

geh ich voran,

weil ich nun glaube,

dass ich es nicht nur muß,

sondern auch kann.


 
Dein Spieltrieb, Dein Lächeln und Dein Mut

helfen mir dabei.

Trotz Deiner Ferne tust Du mir gut.


 
Dein vergangenes Schicksal, 

das auch aus den alten Fotos, 

die ich mir suchte, zu mir spricht
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