24 | Hinreichend


Ganz gleich, 
ob mein Schwanengesang
je erwidert wird,
dass ich singe,
ist schon Lohn.
Ungeachtet des Erfolgs meiner Verse,
dass ich die Bilder darin der Welt anvertraue,
ist schon Ruhm.

Es mag sein,
dass Du mir nie Dein Ohr wieder zuneigst,
dass ich es vor mir sehe,
ist schon Glück.
Auch wenn es nur vorwärts geht,
meine Erinnerungen an Dich
begleiten mich stets.

Es ist möglich,
dass Du meinen Duft 
bereits vergessen hast,
dass Du mir Deinen gabst,
reicht hin.
Vielleicht teilen wir nicht
dieselben Träume im Schlaf,
es genügt,
dass ich Dich 
in meinen wiedersehen darf.

20 | Erwägungen, 21 | Ruf, 22 | Gefühle, 23 | Verdruss


Könnte ich wirklich die Milch Deiner Bilder verschütten,
wenn ich dem gegenwärtigen Tag entgegengehe?
Kann wirklich die Möblierung in meinem Inneren verrücken,
wenn ich mich von den Gedanken an Dich wegdrehe?

Werden die leuchtenden Farben verfliegen,
wenn meine Netzhaut wieder aufnimmt, was zu meinen Füssen liegt?
Werden die vergangenen Aromen verblassen,
wenn neue Nahrung auf meine taube Zunge trifft?

Werde ich aus meinen taumelnden, dämmerigen Träumen hochschrecken,
wenn der klare Strahl der Mittagssonne auf meine Haut brennt?
Werde ich das Salz Deines Witzes vergessen,
wenn die warmen Winde des Sommers ihn verwehen?

Werde ich noch Deinem Kuß nachschmecken,
wenn sich meine Lippen über die eines anderen stülpen?
Werden sich neue Freuden einschleichen,
wenn ich das Tau der Verbindung an die Erinnerungen löse?

21 | Ruf

Fahl weisses Mondlicht – die Erinnerung.
Das Andenken an Dich – gedämpfter Glockenton.
Farbverwaschen der Kontrast in Blassblau.
Stumm hallt Dein Lachen über den Flur.

Stumpf – der Abdruck Deines Kusses
auf meinen geschlossenen, überraschten Mund.
Überstrahlt der grelle Sommerhimmel
über dem viel zu kurzen Federballspiel.

Getrocknet – die gelben Blätter der Ranunkel.
Spröde das geschorene Gras.
Süß der Duft des Lavendels,
den ich Dir zur Heilung gab.

Schneidend trennend dein Handeln,
das mich fragend in mich selbst verwies.
Unwirklich die Bilder, die die Silbersichel
in meinem begierigen Gedächtnis liess.

22 | Gefühle

Unsere Herzen verbanden
sich leuchtend und zart,
wie der Schimmerstaub
der Falterflügel.

Die Spitzen unserer Finger
berührten sich leicht und warm,
wie Tröpfchen auf der Haut
von Sommerregen oder Morgentau.

Ich legte heilend meine Hand
auf Deine verkrampfte Brust
bis der Strom des Atems
wieder floß.

Du nahmst mich schützend in den Arm,
als ein Richterspruch mir die Freiheit nahm.
Wir traten gebannt aneinander heran,
um zu geniessen des anderen Duft.

Dein Lachen zu hören,
war der betörendste Klang.
Schroff liesst Du mich wieder los.
Zögernd warte ich noch.

23 | Verdruss

Ein heisser, böiger Abendwind
weht in der frühen Dämmerung
und rupft an den Kronen der Linden.
Vorm Fenster knattern Mopeds vorbei.

Ich höre hier drinnen
die Zeit leise tickend verrinnen.
Betäubt stiere ich starr
auf den fahl leuchtenden Monitor.
Ich kann die Leere nicht füllen.

Nervös schiebe ich Strähnen
hinter das rechte Ohr.
Aus den Poren des Gesichts
treiben Schweisstropfen hervor.
Ich sauge gereizt das Salz
von den Lippen.

Mir fehlt die Zuversicht, dass ich bald,
den Verdruss und schalen Geschmack
der Unlust überwinden kann.

Wie schnell waren die Rosen verblüht.
Verflogen in wenigen Tagen ist der Duft des Flieders.
Die Nachtigall singt schon nicht mehr.
Der kurze Augenblick des Aufbruchs ist schon vorüber.

Gedicht 18 aus „Nachwendezeit“ | Fernsicht, 19 | Nachtrag


Sich Dir mit geöffneten Augen zu nähern,
kommt dem Schälen ein scharfen Zwiebel gleich.
Deinem Glanz
zu verfallen,
gleicht dem riskanten Tanz
einer Motte um ein helles Licht.

Nur in der Ferne
kommt man Dir friedlich nahe,
weil man dann
Deinem Trotz und
den abwehrenden Armen
ausweichen kann.

Als Scheme am Horizont
sieht man Dich deutlich.
Deine Konturen zeichnen sich klar ab.
Wenn man auch auf die Lust,
Dich zu berühren, so nicht hoffen darf.

Erst in der Distanz
bist Du gut zu erkennen,
weil keine der Tränen,
die der Nähe entspringen,
den Blick verschleiert.

Man kann Dich dann leise
bei Deinem Namen nennen
und innerlich das melodische Echo
Deiner unverstellten Antwort hören.

19 | Nachtrag

Tösend fällt hinter Dir
die Tür ins Schloß.
Ich verfluche von Herzen den Tag,
an dem ich Dir diese Tür geöffnet hab.

Still umbrandet mich das Schweigen,
der gleichmäßig tickenden Uhr.
Leise segeln in der glühenden Hitze
gelbe Lindensamen von dorrenden,
herabgeneigten Zweigen.

Flüchtig steigen
schillernde Blasen
zum gleissenden
Himmel auf.

Sie zerspringen wie Glas.
Denn sie können die Spannung nicht halten.
Durstig gurgelnd rinnt der Bach.
Kein Tropfen stillt sein Verlangen.

Zornig fühle ich zärtlich nach,
wie es war, als ich in Deinen Armen lag.
Bitter lecke ich die Süße ab,
die wir einander gaben.

Sinnend denke ich über die Fragen nach,
die die verlassenen Räume füllen.
Zögernd gehe ich Dir nach,
um meinen Hunger nach Antworten zu stillen.

17 | Brief


Pfeifen war Dir eine Lust.
Aber auch die Milane und Falken pfeifen.
Deine Pfiffe weckten nicht nur Freude,
sondern auch Wut.
Eine junge Frau wollte 
Dich
angreifend vertreiben.

Ich beobachtete das mit offenem Mund
und versuchte, was geschah zu begreifen.

Deine leichtfertigen Worte und Provokationen
flogen Dir da wie Geschosse um die Ohren.
Ich wünschte – so betrachtet, 
dass Dir etwas anderes
als handeln verblieben wäre,
dass Besinnung Dich schützen würde.

Es wäre so schön,
Du fändest eine Möglichkeit,
Deinen Witz und Dein Talent zu führen,

statt davon geführt zu werden.

Ich wünschte, Du könntest beides erden.
Dein schönes, helles Licht soll leuchten,
aber Dich nicht verbrennen.
Ich hoffe so sehr, Du findest Deinen Weg
auf dem Deine Lebensflamme Dich trägt
ohne Angst, dass Du von ihr verschlungen wirst.

Lebenswidmung | Gesang | Täuschung | Darum

16 | Lebenswidmung

In das warme Leuchten des Stroms
Deines goldenen Lichtes tauchen.
Dunstig heissen Atem
in die geliebten, kleinen Stutzohren hauchen.

Mit meinen Lippen über
die Samthügel Deiner
milchigen Satinhaut streichen.
Zart über die Narbe
an Deinem Ellenbogen gleiten.

Den scharfprickelnden Salztau
Deines Schweisses kosten.
Dich in meine offenen Arme locken.
Heftig ziehend den ätzenden Qualm
aus Deinem aufglühenden
Zigarettenstummel saugen.

Mich vertrauensvoll an Dich schmiegen.
Dir lächelnd in die Augen blicken.
Hingegeben an Deiner Seite liegen.
Mit zärtlichem Griff die Hand
in 
Deinen warmen Nacken legen.

Rund den Bogen
Deines Nabels spüren.
Das Beben Deiner
gespannten Flanke fühlen.

Tief Deinen Moschusduft
und den Jungmännerstressgeruch wahrnehmen.
Jeden Augenblick in meinem
unverschlossenen Herz bergen.

Diese Erinnerungen herbeizuholen
widme ich, Dir ergeben,
jede Sekunde, Minute, Nacht und Tag
und jeden Atemzug meiner Gegenwart.

15 | Gesang

Ein tiefer, suppender Schnitt
ist 
in die Fingerspitze
durch den scharfen Glassplitter
zerbrochener Sehnsucht geschlitzt.

Aufgeborstene Narbenränder sind mit Krusten
aus dem getrockneten Salz
und Blut 
meiner Tränen besetzt.
Glitzernd funkelt Scharlachtau
am Kelchrand unerwiderter Liebe.

Perlend versickert der Schaum
kurz aufleuchtenden, 
gleissenden Lichts
unverwirklichter Träume.
Grell steht am Himmel
der Gewitterblitz
zu dem die letzte Erinnerung
an die Hitze
des Sommers 
geronnen ist.

Erschlagen fällt
der Falter herab,
weil er dem Hagel
der Enttäuschung
nicht gewachsen ist.

14 | Täuschung



Das hinreissende Lächeln
aus der eisgefrorenen
Kälte des Schmerzes geboren.
Traumverschleierte Blicke,
die krustigen Schorf
über den Narben
des Schicksals bilden.

Ein charmant maskierender Augenaufschlag,
der das rohe Fleisch abdeckt.
Zärtliche Berührung,
die die spitzen Dornen verdeckt.

Fliessende Bewegung,
die das gebrochene Gerüst versteckt.
Liebreizende Haltung,
die scharfe Kanten bedeckt.

Kaum gezügelter Zorn,
im Tanz verborgen.
Suchst für Dich eine Hoffnung
und ein Morgen.

13 | Darum

Mit der dunklen Asche unserer Träume 
bestäubt
zieht alltäglich 
die einförmige Landschaft
an uns vorüber.
Vor uns klafft ein tiefer Spalt
mit zähflüssiger, blasenwerfender Glut.

Wir benetzen durstig 
die gesprungenen Lippen
und hoffen auf den stillenden Fall
sprühfeinen Regens.
Wir tragen betäubt 
die Last
der Schuld 
ungesagter Worte.

Die stumpfe Mehlschicht
des zerquetschten grauen Granits
legt sich schwer
auf 
unser müdes Augenlid.

Verzagt wagen wir es nicht
einander erwartungsfroh
in die Augen zu sehen,
wir haben Angst,
wir seien zu ungeschickt,
um der Schönheit angemessen zu begegnen.

Wir halten unsere Ohren zu,
um die vielstimmigen Chöre
nicht zu hören.
Wir wollen das schillernde Morgenlicht
nicht durch unsere Anwesenheit stören.

Fado III | Versteck


Lebte auf im perlend frischen Schaum
des Frühlingstraums – spritzend wie Gischt.
Blühte auf, als sich Strahlblau
von Blick zu Blick gemischt.

Vergaß den Abgrund der tiefen Kluft an Jahren
an dem sich unser Weg gefährlich knirsch entlangwand.
Vertraute dem schlagenden Puls unserer bebenden Hand.
Segelte leicht von Minute zu Minute,
die wie Inseln von Verlangen umspült waren.

Schwer der Körper beim Auftauchen im Erwachen.
Stumpf das Pochen bohrend
vergossenen scharlachroten Klopfens.
Grell die sommerlichen Gewitterblitze.
Tödlich niederringendes Trauerfieber.
Verblasen das Glück des hoffnungsvollen Anfangs.

Versteck

Wir spielten zupfend Harfe
auf den Haaren an unseren Schläfen.
Unsere Blicke hielten einander nicht stand,
wenn wir zögernd in die Räume schwebten.

Wir krächzten dumme Dinge,
wenn wir uns zu reden bemühten.
Wir taumelten trudelnd umeinander,
wenn wir uns begegnend im Glanz eines Tanzes wiegten.

Wir flüchteten hochgeschreckt,
wenn wir durch des anderen Nähe
aufgescheucht wurden.
Wir hielten uns angestrengt bedeckt,
wenn der lodernde Sog
uns unausweichlich zueinander zog.

Honigstrom


Ein zäh und glühend fliessender Goldstrom
zwischen Nabel und Nabel.
Perlmuttern schimmert ein Lächeln.
Moosgrün kriechen schlängelnd feuchte Flechten
zwischen milchgetauchten Säulen.

Rosig züngeln samtfeine Blätter.
Strahlend glänzt hautschmiegsamer Pfirsichsatin.
Süß duftend perlen silbrige Tautropfen
des sprühfeuchten, hauchzarten Morgennebels.

Klingend hält sich ein heller Ton
hervorbrechend aus seidenschwarzer Tiefe.
Scharlachrot umwindet kühler Schlick
den lodernden Strahl einer herzentfachenden Flamme.

Zu Asche verbrannt
verinnt der Gesang
festlicher Chöre.
In uns summt stumm das Brummen
eines schwärmenden Bienenstocks.

Vielen Dank an KunstWELTEN für die Gestaltung des gelungenen Abends

am 12.07.19 und die Gelegenheit als featured Artist einige Gedichte zu präsentieren.

mehr und © https://www.facebook.com/Kunst-WELTEN-4ever-697494144089563/
Am 2. Freitag im Monat in der Galerie Kunst Raum, die offene Mitmachbühne der Kunstzeitung InnenWELTEN 19.00 Uhr hier: https://goo.gl/maps/a1vdECadJpUyBgCL8