Fragmente – Berichte vom Rand der Welt am 23.02.2022 bei BoD erschienen

Hervorgehoben

Zwischen den Opernbesuchen mit Gottt und ihrer Suche nach Hendryk in den Straßen, Ecken, Winkeln und Nischen der Stadt oder der geschlossenen Station der Psychiatrie, blickt die namenlose Protagonistin in die grosse Leere und Ratlosigkeit, die das Ende der “Familienphase” in ihr zurückgelassen hat.

Prosa Bändchen, 48 Seiten, Paperback, 6 Euro, » hier bei BoD bestellen

Herzlichen Glückwunsch Emine Sevgi Özdamar zum Büchner Preis

Es ist ein Freude, dass diese herausragende Autorin geehrt wird, die unser Leben und die Literatur so bereichert hat. Neben Mascha Kaléko gehört sie zu den grossen Vorbildern sprachlicher Ausdrucksfähigkeit. Mit ihnen an Eurer Seite wird Euer Alltag literarisch lebendig. Vielen Dank für das Wirken – Emine Sevgi Özdamar.

78 | Wandlungen

Du hast Dich gewandelt.
Täglich sehe ich im Netz
in Dein Fotografiergesicht.
Es verstört mich.

Du bist ausgesprochen schön,
doch die Vertrautheit ist dahin –
sind die Bilder auch intim.
Sie wirken fremd auf mich.

Wie ein Schild
trägst Du das Bild
vor Dir her
und ich komme Dir nicht mehr nah,
obwohl die nahe Perspektive in den Bildern
ja da
ist.

Dir aber gefällt diese Metamorphose
und so ist es nur für mich ein Verlust,
wie die Wiederbegegnung
mit einer – einst vertrauten –
nun bebauten Landschaft.

#Stay Hungry – Projectspace im Teilestraße-Park und #Tempelhofer_Feld

http://stayhungry-projectspace.de/

Kunst und Kochkunst – eine Kritik von Magister Artium Peer Scherenberg

Das ehemalige Gewerbegelände des Teilestraßeparks ist durch ästhetisch ansprechende Autobahnbrücken im Brutalismusstil überwölbt. Hier fand die Veranstaltung Stay Hungry einer Gruppe unbekannter Künstler statt. Unbekannt werden sie auch bleiben, weil die Kunstwerke weder durch überwältigende ästhetische Gestaltung, noch innere Bedeutung hervorstachen. Da gab es die architektonischen Modelle mit ein paar aufgeklebten Wortstreifen, die man als Äußerungen einer Hausfrau zum Leben auffassen kann. Da gab es zwei als Hund und Ratte beschnittene Buchsbäume. Da gab es eine liegende Figur aus rosa Kunsthaar und Latex. Da gab es eine fingierte Ausgrabungsstätte mit Skelett und Krügen aus Fimo von Jérôme Chazeix. Das war noch das Beste. Wenn man ihm noch einen Sinn beigegeben hätte, wäre es noch besser gewesen. Ich schlug ihm vor, es möge das an dieser Stelle gefundene Megalithgrab eines slawischen Großkönigs sein, der dieses Gebiet beherrscht habe; sein Nachkomme in direkter Linie sei der Künstler selbst, der somit der einzige legitime Herrscher sei; die Landnahme fränkisch-germanischer Kreuzritter, wie sie in dem umgebenden Viertel durch Straßennahmen wie Ordensmeisterstraße, Germaniastraße, Komturstraße gefeiert werden, sei mit diesem Fund ungültig; er selbst nunmehr der regierende Großkönig dieses Gebietes, das aber nicht Deutschland heiße sondern Großslawien; die gegenwärtige illegitime Usurpatorenregierung abgesetzt und das Christentum als verbrecherische Angriffswaffe gegen sein Volk geächtet worden.

 

So könnte man inhaltlich auf einen Ort eingehen, sich wirklich mit ihm auseinandersetzen, statt sich auf ein paar dekorative Elemente zu beschränken, die allenfalls ein mildes Besucherinteresse hervorriefen.

 

Im Gegensatz zu der hervorragenden Küche, die aus Keksen bestand, die von Ananas begleitet wurden, welche in eine besondere Spezialsauce eingelegt war, die man auch als Cocktail hätte trinken können; einem Makrelen-Döner, der vom Koch jedoch ausdrücklich als  Fischbrötchen bezeichnet wurde (ich dachte, man wollte mit den Gerüchen des Orts spielen?). Die Makrelen wurden sorgfältig in Salat eingewickelt in einem Fischklammerrost grilliert; ebenso wurde der Schokoladenkuchen auf einem Holzkohlenbecken frisch gebacken worauf er sich in Erdbeeren und Puderzucker wälzte und ein vorzüglicher sizilianischer Likör den guten Ausgang sicherte. Hervorragend ausgedacht und gekocht von Meisterkoch Mario Margani.

 

Die Kochkunst trug zu einer angeregten Unterhaltung der Künstler bei, die wieder mal unter sich blieben.

 

Deshalb sollten sie sich selbstkritisch fragen: Warum ist die Kochkunst besser, als meine bildende Kunst? Was kann ich tun, damit meine Kunst Bedeutung erlangt und nicht nur als dekorative Kuriosität im Gartenzwergformat wahrgenommen wird? Kunst ist immer ein Ringen um Qualität und Bedeutung. Das hat noch nicht jeder verstanden.

Künstler, tut mehr Butter bei eure Fische!

Sonntag, 18.09.2022, 15.30 Uhr, Treffen IV-22 der Berliner PoetInnenoffensive

Sonntag, 18.09.2022, 15.30 Uhr, Treffen der Berliner PoetInnenoffensive IV-22
Begegnungen von DichterInnen und Interessierten.
Thema: “Krieg & Frieden” und Planung einer Gedicht-Anthologie “Zwergenland”

Ort: Dachterrasse Golgatha

Katzbachstraße, 10965 Berlin
bei Google Maps: https://goo.gl/maps/BwNvn9VA66qeK2QD6

Ich bin sauer.

Es ist inzwischen üblich, die Leistungen anderer zu schmälern, wenn es an’s Bezahlen geht. “Du hast ja gar nicht so viel gemacht.” Honorare werden auf dem untersten Niveau vereinbart und dann ewig nicht oder gar nicht gezahlt. Man stellt sich auf Stellen vor und hat Wochen später noch keine Zu- oder Absage erhalten. Sogar bei öffentlichen Trägern. Man sitzt über eine Stunde im Bewerbungsgespräch, um am nächsten Tag zu hören (was ja noch als fair erscheinen muß), dass die Stelle nun intern besetzt ist. Ich mag nicht mehr.

Unerträglich

Unerträglich mit welcher bornierten Saturiertheit der Wohlstandsbürger sich zum Zentrum der Welt erhebt. Was plagen ihn die Nöte des gemeinen Menschen? “Seht her – ich habe es geschafft und mir steht alles zu.” Das ererbte Vermögen quillt als Unerbittlichkeit aus dem satten, selbstzufriedenen Lächeln. Schwäche gilt nicht. Treue gibt es nur solange es nützt. Wer Schwierigkeiten macht, wird gnadenlos aussortiert. Nur was die blütenweisse Weste ziert, wird geduldet. Nichts kann das stumpfe Gemüt eintrüben. Der Horizont ist beschränkt, aber die Selbstgefälligkeit hält sich alles als eigenen Verdienst zugute.