Und das ist zwar selten der Anfang von etwas Neuem, aber immerhin kein Weltuntergang. Bosheit ist leider das Instrument, das üblicherweise gut trainiert ist, drum ist es schon gewagt, überhaupt mit etwas anderem zu rechnen. Wofür schon auf Argument und Zivilisation pochen? Aber immerhin genau das habe ich unter gewalttätigen, unzivilisierten Umständen getan – nicht nur für mich. Als ich vor einigen Jahren passiven Widerstand auf der Geschlossenen leistete, begann der junge Pfleger sich für Philosophie zu interessieren und sie sogar zu lesen. Ein anderer bedankte sich explizit für mein Vorbild. Es tat ihm in der Seele weh, dass mir Medikamente zwangsverabreicht wurden und er mittun mußte. Medikamente, die Psychosen auslösen, wenn man sie abrupt absetzt und von denen ich froh war, runter davon zu sein. Wie man dort abgestempelt und stigmatisiert wurde, ist unbeschreiblich, wenn man sich Bewegung verschaffte – 24/7 eingesperrt, galt das als bizarr. Zusammengepfercht mit einer Überzahl kampfsporterprobter Männlichkeit auf engstem desolaten Raum.
Das Pathologisieren haben dann im Nachgang immer wieder „wohlmeinende“ Männer, jeder sexuellen Orientierung, mir gegenüber getan, wenn sie argumentativ unterlegen waren und sie wußten, dass ich psychiatrieerfahren bin. Dieser eigene Wahn, dass nur die eigene Existenzform und Lebensanschauung gesund und andere verrückt sind, welch‘ eine Selbstüberschätzung — übrigens eine, die noch dazu niemanden weiterbringt, am wenigsten, die herrischen, übergriffigen Typen.
Die Pathologisierung eigenständiger weiblicher Persönlichkeiten ist ein misogynes Muster, das sich durch alle männlichen Subkulturen zieht und das sich leider auch viele Frauen zu eigen machen. Die liebe, unsichtbare, alles verzeihende, fröhliche und duldsame Frau – eine Vorstellung in die man mit mehr oder weniger direkter Gewalt hineingezwungen werden soll. Nicht zuletzt durch Sedierung. Die Frau, die sich nicht anpaßt, lebt unter der Androhung ihrer Exekution, wenn nicht physisch so doch intellektuell, emotional sowieso und ich spreche nicht von Männern irgendeiner andersartigen Kultur oder Schicht. Die Frau, die mehr möchte, als im Staub zu kreuze zu kriechen, ist von solch einer ungeheuerlichen Provokation für einen unsicheren Mann, das sie gut beraten ist, das Weite zu suchen, wenn es seiner Gnädigkeit nicht paßt, dass sie muckt. Ich sage: NEIN. Keine Iasons, keine Prometheus mehr. Ich stehe nicht zu Eurer Verfügung.
Nicht als Freundin und erst recht nicht als Ersatzmutti, die Eure ungeheilten Aggressionen und Frustrationen auffangen soll oder als Prellbock dafür herhalten soll. Wenn wir Frauen Schöpferinnenkraft aus unseren Aggressionen ziehen können, dann wird es höchste Zeit, dass Ihr es auch lernt. Macht Eure Hausaufgaben oder laßt es, aber behelligt mich nicht mit Eurem Bockmist. Ich habe keine Lust hinter Eurer frauenfeindlichen Moppelkotze herzuwischen.