58 | Mit Dir.



Wir haben geplant nach
Hongkong zu wandern.
Wann geht es los?
Macht man einen Umweg
über die Seidenstrasse?

Zuerst sollten wir hinauf ans baltische Meer
und dort entlang über Polen und Litauen
nach Russland.
Dann Kasachstan, Kirgistan, 
China.
Vielleicht bleiben wir im Maisfeld stecken,
wie Tschick.

Wir gehen Seite an Seite.
Stehen Rücken an Rücken.
Mit Dir möchte ich das erleben.
Wir würden auch Hunger 
und Durst überstehen.
Und Weihnachten in Hongkong 
einen
gelben und einen grünen 
Regenschirm nehmen.

Noch sitze ich in meiner Wohnung 
und hoffe,
Du bist wild genug.
Jetzt wird es wieder kühler,
dann ist man gut zu Fuß.
Komm Du.
Sei Dir nicht zu schade.
Wir tanzen zum Dach der Welt.

Das war der Frühschoppen VI der Berliner Poetenoffensive.


Wir saßen bei herrlichem, mildem Wetter im Garten und sprachen über die Bedeutung des Glücks und Wolfgang Weber präsentierte seinen Gedichtband „haus & strasse“ im kleine Welten Verlag, 5,- €. Nächster Frühschoppen VII am Sonntag, den 20.10.2019 im Tomasa/Villa Kreuzberg um 15.30 Uhr. Wir freuen uns über Poesieinteressierte und Poeten.

58 | Klares Wasser.

Für Dich.
Für Dich schöpfe ich.
Für Dich schöpfe ich klares Wasser.
Für Dich schöpfe ich klares Wasser
in der hohlen Hand.

Damit Du Deinen Durst 
gesegnet löschen kannst.
Dir streiche ich die verschwitzte 
Locke
aus der Stirn.
Denn das Ernste an Dir,
das habe ich gern.

Dir halte ich die hohle Hand
vor die aufgerissenen Augen,
damit Deine Entzündungen genesen.
Dir lege ich die beruhigende Hand auf’s
verkrampfte Herz, damit sich die Spannungen lösen.

Neben Dir wandere ich
am Tag und ruhe in der Nacht,
um unseren Raum auszumessen.
Ich tunke Dein Brot in das Öl
und reiche Dir ein Stück Käse vom Schaf.

57 | Der Mond

Geliebter, so schön hell scheint der Mond.
Der Mond scheint hell.
Er ist fast voll.
Wir waren klug, drum haben wir
das Glück zu fassen bekommen.

Geliebter, wer stört das Glück?
Glück wird gestört, denn es stört
die Finsternis.
Der Unglückliche gerät unter das Joch.

Geliebter, Dir gehört mein Herz.
Mein Herz, Geliebter, gehört Dir.
Man hat mich gedrängt unters Joch zu gehen.
Unterm Joch kann ich nicht gehen.
Ich bin frei.

Fragt man ein Rotkehlchen
den Wagen zu ziehen?
Es erfreut doch mit seinem Gesang.
Du und ich, wir gehören einander.
Nur Dir gehöre ich an.
Es gibt nicht anderes,
was so schön scheint mein Freund,
nur Liebe hat diesen Glanz.

56 | Lebensstrom.

Ich lebe.
Ich atme.
Ich atme aus.
Ich atme ein.

Der Brustkorb hebt und senkt sich.
Die Bauchdecke hebt und senkt sich.
Du bist da.
Du bist ein goldenes Licht.
Ich erinnere mich genau an Dich.

Ich möchte leben,
damit ich mich immer an Dich erinnern kann.
Du bist das Schönste,
was ich mir wünschen mag.

Du bist geflohen,
bevor wir einander das Herz brachen.
Du hast die Wonne der Lust
zurück in mein Leben getragen.

Ich wurde gefragt,
ob wir unseren Sohn 
den Menschen zum Geschenk machen.
Wir sagten nein.

Es sind Jahrtausende vergangen,
damit wir uns begegnen konnten.
So viel Glück in gleissenden Stunden
von uns zwei zähen Kämpfern errungen.

55 | Ein Leben zu leben soll vergeblich sein?

Was gestern klar war,
ist heute trübe.
Ich halte nur daran fest,
dass ich Dich liebe.

Du strahlst so hell,
wie der schönste Schein.
Wann lassen die Menschen,
das Hassen sein?

Ich sehe die Jungen,
die Ängste und ihren Mut.
Sie glauben nicht mehr an Gestaltungsmacht,
man hetzt sie aufeinander 
und raubt ihnen die Kraft.

54 | Wie man sich Feinde macht?

Das ist leicht. Es genügt geboren zu sein.
Ich sprach von Gott, das ist wahr.
Doch was ist Gott?
 Ihr gläubige Menschheit.
Das sind Eure Fragen, meine sind andere.

Terror ist Terror. Es gibt nichts, das Terror rechtfertigt.
Hier greifen Menschen über, um sich terroristisch zu vergnügen,
weil sie Solidarität lieber hintertreiben.
Sie haben einen klaren Plan und klare Ziele.
Sie richtet sich gegen die Sozialdemokratie.
Wieder. Habt Ihr aus der Geschichte nicht gelernt?
Ich verstehe nicht, dass Ihr Politik nicht gestalten wollt.
Das ist eine schwierige Aufgabe und
setzt ein hohes Maß an Verantwortung voraus.

Haben Sie den „Werther“ gelesen?

Heute gibt es einen lesenswerten und nachdenkenswerten Beitrag von Dr. Hans-Albert Wulf auf https://www.kuhlewampe.net mit dem Titel „Der Tote in Goethes Gartenhaus“. Ein Artikel, der mich daran erinnert, dass ich selbst so eine Wertherin bin. Nur möchte ich leben. Ich möchte nicht bedroht werden, weil andere besitzen wollen, was mein ist. Mein Zuhause.
Ich möchte nicht darüber schweigen, wie ich bestohlen werde. Wie ich Angst davor habe älter zu werden und nicht beschützt zu sein. In einen Konkurrenzkampf mit den Jungen geschickt werde. Wie meine Freunde sich in ihre Trutzburgen verzogen haben und glauben, es sei lächerlich, dass ich noch da bin und versuche mir die Sprache nicht nehmen zu lassen. Wieso geht die Saat des jeder gegen jeden auf? Ich will helfen zu gestalten – eine lebenswerte Gesellschaft auch für Menschen, die nicht mit dem Messer auf andere losgehen, demokratisch und zivilisiert.

Heute sage ich Andrea Nahles – Danke, dass sie erkämpft hat, was so vielen hilft, den Mindestlohn. Danke für all die Menschen, die sich solidarisch organisieren.