19.05.2018 | Eine Bauernrose

Ich weiss, obwohl wir einander mehr lieben – oder besser tiefer – als am ersten Tag, lassen wir einander los. Denn weil wir uns ein lebenlang kennen, können wir das Altern aneinander ablesen und es wird uns beängstigend bewußt. Indem wir miteinander brechen, können wir uns ausmalen, wir seien frei und ungebunden. Und es ist ja auch besser nicht zu ermüden und der Unruhe nicht zuviel Raum zu geben.
Ich kann nicht zu Dir aufschauen. Das war von Anfang an schwierig, dass ich den Kopf in den Nacken legen mußte, um zu Dir heranzureichen. Ach, und die Eifersucht. Die Eifersucht aufeinander – kindisch.

17.05.2018 | Da kiekste

Wir sind zweimal um den Globus gesegelt.
Haben uns in den Schatten geduckt und in der Sonne gerekelt.
Haben Knast geschoben und an Gewicht verhoben.
Wenn wir müde waren, haben wir uns Streichhölzer zwischen die Lider geklemmt
und uns bei Sturm gegen Wind und Regen gestemmt.
Wieder und wieder haben wir verbissen vor uns hingeflennt.
Das hat – ehrlich gesagt – unsere Wut auch nicht weggeschwemmt.
Die Tränenkruste haben wir mit der Hand fortgerieben.
Das sonntäglich schickliche Benehmen ist uns nur in der Liebe gegeben.

12.05.2018 | Es gibt so Tage…

Manchmal ist es zum aus der Haut fahren. Dann gelingt einem nichts. Der Käsekuchen fällt zusammen. Das Feuerzeug versagt. Man schwankt zwischen Wut und Unlust. Von einem zum anderen Moment erweist sich, dass man sich in einem Menschen getäuscht hat und wer enttäuscht einen nicht hin und wieder – nicht zuletzt man selbst. Man kämpft verbissen, aber worum? Wer zu sehr kämpft – gewinnt nichts. Ab einem gewissen Alter zweifelt man ja schon daran, ob man je Freunde hatte. Jemand nannte sie mal Gefährten.
Zumindest Bekanntschaften, aber wer kann sich da schon sicher sein. Ich vermisse Kurt.