68 | Sprache

Sprache und die in ihr ausgedrückten Gedanken

fügt Leben zu Sinn zusammen.

Sie faßt unverbundene Betrachtungen

zu einer Melodie und ahmt

mit ihren Klängen malend

Bilder zu verdichteten Epen.



Manchmal liegen ihre Farben

in schroffen Kontrasten,

ein anderes Mal in wärmender Harmonie.

Sie hilft mit beissendem Spott 

und gutmütiger Ironie.



Wir durchstreifen mit ihr die Leere

und erschaffen Gebilde

von schillerndem Glanz.

Sie ist in einer bewegten Welt 

ein Zuhause, das unsere Geschichte enthält.

Mit ihrem Feinsinn vertilgt sie elegant

wüste Öde und dumpfe Ignoranz.

67 | Warten



Der Herbst ist da,

also auf den Frühling warten.

So wie die Bäume 

durch den Winter schlafen.

Du weilst in der Ferne,

ich betäube meine Lust,

denn nur nach Dir sehne

ich mich gerne

und will nur Deine Hand

an meinem Fuß.



Ich laß den Regen

auf der Kopfhaut kitzeln

und denk mir,
dass es Deine Fingerspitzen sind.


Der Wind darf mich streicheln,

als ob Du mit sensiblen Küssen

bedeckst mein hungerndes Gesicht.

66 | Wanderschaft

Im Winter durchstreifte ich einige Tage
einsam
 die frostigen, schattigen Strassen

der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.

Mir begegneten viele ausgehungerte,

magere Gestalten.



Vergeblich suchte ich ein warmes Lachen.

Erleichterung fand ich nur in der Weite des Hafens,
wo es windstille, geschützte Plätze zum Sonnen gab.


Die Härte und Rohheit der Menschen

erschreckte mich.


Bis dahin dachte ich
,
die Gastfreundschaft Skandinaviens 

kenne keine Grenzen.

Nun hatte ich zum ersten Mal

eine ganz andere Sicht.

Es gibt in Dänemark

hart kämpfende Menschen.

Die Besitzenden interessiert das nicht.

Sie bedenken solche mit Hohn und Aggressionen

und glauben, für einen Schlafplatz prostituieren sie sich.



Mir scheint es allerdings wahrscheinlich,

dass es hierzulande nicht viel anders ist.

Konkurrenzkampf macht die Herzen eng.

Güte gilt für die, die Verkörperung 

und Versprechen von Wohlstand und Glanz sind.

65 | Herbstmontag



Heute nimmt ein trübes Licht
vorm Fenster jede weitere Sicht.
Auf Fensterbleche klopft es sacht.
Es pocht und tropft.

Fahl strahlt der Monitor.
Suchend huschen die Finger
über die Tastatur.
Wolkenfetzen ziehen am Himmel vorbei.

Der erste Herbststurm ist da,
der Blätter von den Wipfeln reisst.
Du bist in L..
Ich hoffe sehr, 
Du schickst Dich
als 
wärmende Glut zu mir.

Was suchst Du draussen?
Komm herein.
Ich bedecke Deine Nacktheit
mit der Wolle meiner Locken.

So sitze ich und träume vom Glück
mit dem Du mich im Frühjahr
so hinreissend verzückt.
Du bist mein Löwe.
Ich Deine Braut.

Jetzt singe ich leise
und denke zurück.
Ich habe dem Herbstwind
meine Melodie anvertraut.

Statt Deiner Hand
streichelt er sanft
mein Haar und bläst
betörend die Erinnerung
an Deinen Duft heran.

Er weiss bereits,
dass selbst im Winter,
die Sehnsucht Liebe 
wahrmachen kann.

So ist der Hauch des Windes
bis ich Dich wiedersehe
mein strahlend schöner Mann.

64 | Was zählt



Frage nicht,
wieviel Freunde habe ich.
Rechne nicht
mit ewig selbem Geschick.

Kalkuliere nicht,
welchen Eindruck mache ich.
Verdecke die Gegenwart nicht
durch Vergangenheit, die Du türmst.

Beharre nicht auf erloschenem Glück.
Öffne Dich für das, was ist.
Improvisiere über eine bekannte Melodie.
Hole Dir Pfeffer aus der Fantasie.

Staune statt aus der Gewissheit zu leben.
Spüre die Freude des Noch-Nicht-Gekannten.
Geniesse es dem Beben zu begegnen.
Horche wie die Töne der Erdkruste vibrieren.

Laß den Wechsel von Schatten und Licht
durch Dich fliessen.
Laß Dich durch Sorgen nicht belasten.
Geh voran, Du wirst was kommt
als unbekanntes Land begrüssen.

Lege nieder Deine Angst.
Gehe auf das Neue zu und tanz.
Umarme Dich selbst
und vergiss nicht,
es kommt drauf an – auf Dich.

63 | Du blicktest



Du blicktest mich an.
Ich sah zurück.
Du griffst meine Hand.
Hab Deine sanft gedrückt.

Mit Dir war die Liebe
ein schönes Spiel.
Sie schmolz unsere Herzen
und hatte kein bestimmtes Ziel.

Wir haben erforscht,
was den anderen bewegt.
Wir haben uns voll Vertrauen
zueinander gelegt.

Du warst eine Flaumfeder,
ich Dein zausender Wind.
Wir zeigten einander,
wie schön zärtliche Überraschungen sind.

Wir schlichen umeinander.
Tanzten Feuer herbei.
Fluteten des anderen Nabel
mit brummendem Beben.

Lachten entzückt Ängste entzwei.
Wir hielten im Schweben
die Kühnheit und Lust.
Empfanden die Schönheit
eines erfüllten Kusses.

Wir schürten die Flammen
und gaben uns hin,
denn allein darin liegt
des Lebens tieferer Sinn.

62 | Nichts anderes



Es gibt nichts Schöneres im Hiersein,
als unsere Liebe zu beschwören.
Du magst am anderen Ende der Welt sein,
doch ich hoffe, auch dort wirst Du mich hören.

Der Herbst ist da und
singt sein Lied voller Sehnsucht.
Ein neuer dunkler Winter wird kommen,
doch ich nehme bei dem Bild von Dir
vor der Düsternis Zuflucht.

In dieser ach so umtriebigen Welt
ist mir nichts so wichtig,
wie die Stunde mit Dir,
die mit ihrer Wärme und ihrem Glanz
mein Herz unter Deinen Schutzmantel stellt.

Wie froh wir waren
und wie freundlich.
Wie glücklich wir scherzten.
Wie wir zitternd bebten,
wenn wir nebeneinander schwebten.

Dir bin ich zugetan 
– für ewig,
all der graue Alltag
ist mir unerheblich.

Ich webe einen Teppich
aus Worten und Versen.
Er leuchtet rot und silbern,
wie unser Haar.

Ich kleide mich in die Seide
Deiner milchigen, sommersprossenen Samthaut
und sehe vor mir,
wie Du mich eindringlich anschaust.
Falle in die Tiefe Deines Blicks.
Stoße mich dort vom Grund ab,
wie vom Boden eines klaren Sees.

Das Frühjahr und der Sommer umtanzen uns
und unser Glück.
Sie prägen sich in die Lächelfalten unseres Gesichts.
So gelingt mir, wenn ich an Dich denke,
zu preisen das günstige Geschick,
das Dich mir über den Weg führte
und das mich befreite
aus 
der Umklammerung der Finsternis.