Summertime

Nein, heute würde ich es nicht mehr singen. Handelt es nicht von Erlösung aus dem irdischen Schicksal? Aber damals habe ich es gesungen – auf dem Schulfest. Wir waren schon ein Paar. Die Melodie habe ich ganz eigen interpretiert. In der Band spieltest Du. Clemens war auch dabei und Klaus oder Heinz. Wir haben unseren Sommer gehabt und wußten nichts von dem Winter, der folgen würde. Nichts von den Lügen – I can’t get no satisfaction – und Bosheiten. Und das ultimative “burning down the house” lagen noch vor uns, ebenso wie das Konzert von weather report in San Sebastian mit Joe Zawinul und Jaco Pastorius.

Unser letztes gemeinsames Konzert war dann Peter Gabriel in Berlin mit Back to Front
am 25.05.2014 in der Waldbühne. Der Abend als wir erfuhren, dass das Tempelhofer Feld für die Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet erhalten bleibt. Du hast erbärmlich gefroren. Ich konnte Dich nicht wärmen. Es war wohl ein Abgesang auf unseren Sommer.

Meine Begeisterung für Stings Winter Album hast Du schon nicht mehr geteilt.

121 | Schulden

Es haben mich gerade die enterbt
oder verlassen oder beides,
die hoch um Antwort
bei mir verschuldet sind.

Sie glaubten wohl
so könnten sie sich
für ihre ungesagten
Worte rächen

Und ihre Schulden tilgen.
All die ungetanen lieben Dinge,
die sie mir nicht taten,
dafür wollten sie mich strafen.

Ja, die Ruchlosigkeit schmerzte mich,
doch ich weiss auch, es höhlte sie
im Inneren aus.
In ihnen klafft eine Lücke

und es gibt nichts,
was sie schlösse.
Auf dunkle Taten
folgen Schatten.

120 | Brüder und Schwestern

Frohen Sinnes schreiten die Figuren
durch ein malerisches Panorama.
Hier sinken Schneeflocken,
dort buntes Herbstlaub
und das Publikum ist sich selbst genug.

Ein Wald versinkt im Nebel.
Da nimmt der Einsame Zuflucht.
Die Glocken bimmeln heiter
und wir gehen einfach weiter
bei Bratwurst und bei Bier.

Es klingen wieder volkstümliche Lieder
und Menschen haben Sehnsucht
nach unverdorbenem Genuß.
Wozu noch still gedenken,
wie andere einst erstickten
am deutschen Gruß.

 

119 | Endlichkeit

Auf kahlen Ästen Krähen krächzen
und fern ist mir die Welt. Was bleibt
sind ein paar Winter noch
und Wege, die verschneit.

Die Blumen sind im Herbst verblüht
und der Sommer Dürre
hat den Wald versehrt.
Mich locken keine Kospen mehr.

Nur die Hummeln unterm Dach aus Eternit,
die summten mir ein frohes Lied.
Jetzt liegen sie im Winterbett.
Ich hoff’, sie träumen nett.

118 | Heiterkeit

Ich sollte nicht so ernst nehmen,
was ich denke und fühle.
Kaum steht die Sonne
neuerlich hoch am Himmel,
habe ich andere Gedanken.

Bald gurrt schon wieder
die Ringeltaube gegenüber
in der Linde im Geäst
und dann kann man sich auch freuen,
dass der Frühling eisige Pfützen tauen läßt.

Das sind ja nur zwölf Wochen bloß
und es geht los.
Zwölf Montage, drei Neumonde,
und ich auf dem Fahrrad bring’ die Post.
Ach ja, das wäre was.