Wir waren vom Schicksal begünstigt.

Unsere Eltern hatten uns das Beste gegeben, was sie vermochten und wir brachen in eine Zukunft auf, in der wir unseren einzigartigen Platz einnehmen würden. Zwar zogen schon düstere Wolken von Umwelt- und atomarer Zerstörung auf, doch wir würden als Gestalterinnen und Meisterinnen des Lebens bestehen, denn wir waren besonders – fähig und begabt und würden dem Leben unseren Stempel aufdrücken. All die Verwerfungen des Kapitalismus würden wir überwinden und blieben von ihnen im Inneren unberührt. Wir ahnten nicht, dass niemand ungeschont aus diesem System der Unterwerfung hervorgehen würde. Wir freuten uns, als die Mauer fiel und wußten nicht, dass die bleierne Zeit der Kohlismus vor uns lag. Wir wußten auch nicht, dass das Geschäft der Unterwerfung mit der Gründung einer Familie begann. Ehegattensplitting, Steuern zahlen, Auto unterhalten, Urlaube, Lebenshaltung – wir hatten uns selbst unversehens dazu verdonnert mitzutun. Auf tönernen Füssen lebten wir ein fragiles und prekäres Leben und stehen nun im heraufziehenden Alter mit wenig in den Händen da. Wir hatten nicht geahnt, dass auch auf uns Krankheiten und Scheitern warten würden. In unserem Wunsch, eine unwirtliche Welt heimelig auszugestalten, hatten wir vollkommen übersehen, dass wir nur ein wenig an der Oberfläche kratzen mußten, um die Verwundungen sichtbar zu machen. Wir fraßen die Frustrationen und Aggressionen in uns hinein, bis sie uns selbst schädigten. Niemand kann in dieser absurden Welt Gerechtigkeit erfahren, denn sie ist zutiefst ungerecht und am unzuverlässigsten ist menschliche Beziehung und Gunst in diesem Leben voller Willkür und Rohheit.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

CAPTCHA


*