Wir schlagen unsere Trommeln und wir fürchten uns nicht…

Lieber P.,

ich war heute mit einer Freundin bei der Präsentation eines Films und habe Deine Nachricht jetzt erst gelesen – „La paranza dei bambini“ (Piranhas) im italienischen Kulturinstitut. https://de.wikipedia.org/wiki/La_paranza_dei_bambini
Ein Film von Claudio Giovannesi. Er hat den Film nicht nur regiessiert, er hat ihn auch produziert und wenn ich es richtig verstanden habe, ich habe nur ein paar Brocken aufgeschnappt, auch finanziert.
Er läuft noch am Sonntag auf der Berlinale und dann leider erst im August, spätestens dann wird meine ganze Familie ins Kino müssen, einschliesslich dem Neffen und der Nichte.
Ein wunderbares Projekt: Das Team hat 4000 Jungen in Neapel gecasted, um den richtigen zu finden: Francesco di Napoli. Ich habe von nichts Vergleichbarem in letzter Zeit gehört. Er bekam bei den vorbereitenden Übungen zu dem Film, die Aufgabe vor einem Auditorium zu sagen: „Ich bin Zeus.“ So wurde aus einem neapolitanischen Bäcker ein italienischer Schauspieler, der sich im übrigen sehr für das komische Fach interessiert.
Es geht aber nicht um Neapel und die „Camorra“, obwohl der Film durch ein Buch von Saviano angestossen wurde. Pier Paolo Passolini, Eliah Kazan, Sir Simon Rattle, Leonhard Bernstein und auch Ai Weiwei hätten ihre Freude. Der Leiter des Kulturinstituts sagte: „Ein grosser Film.“

Zuvor waren wir noch im Haus Huth. Zuletzt war ich darin vor dreißig Jahren nur ganz kurz  – im Weinhaus. Damals lebte eine Freundin darin, die jetzt in Graubünden überwintert. Dort gibt es eine sehr sehenswerte Ausstellung – „Evoking Reality“. Nimm Dir Zeit und geh‘ in den Videoraum. Sieh‘ „Les Indes galantes“ von Clement Cogitore mehrfach.

Aber auch Alia Farids Beitrag hat mir besonders gefallen.
So wurde ich von meiner Freundin zu unserem Geburtstag beschenkt.

Von dem Beitrag Jenny de la Torres gestern Abend erzähle ich ein andermal. Aber es gibt ganz vielverprechende Pläne, das Wahlrecht zu reformieren, die überfällig sind und am Freitag streikt die BVG, aber das weißt Du ja. Deniz, der nun dreißig wird, sagte übrigens, dass es ja schon ein Unding sei, dass es Leute gäbe, die vermeinen, Kinder müsse man sich eben leisten können. Ob das die fünf Prozent sind, deren Bewußtsein auf Stufe 8 steht, die solche Frechheiten verkünden, weiß ich nicht. Das erscheint mir aber schlüssig.
Am Potsdamer Platz war übrigens abends um zehn zur Berlinale Totentanz, das war ein trauriger Anblick. Das Publikum in Berlin kann es sich nicht mehr leisten zu seinem Filmfest zu gehen und anschliessend im Weinhaus Huth etwas zu trinken. Aber Luther und Wegner ist ja auch weitergezogen, an den Schlachtensee. Den muß man auch mal andersrum umrunden, um ab und an eine neue Perspektive zu entwickeln.

Gute Nacht liebes Veilchen.

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