Weitergedacht – Isolation


Die Erfahrung – plötzlicher – Isolation löst häufig eine existenzielle Krise aus, andererseits kann sie auch eine besonders intensiv erlebte Zeit der Selbstbesinnung und Selbstbestimmung sein. In ihr können wir klären, was wir denken, wünschen und anstreben. Wir können gestärkt aus ihr hervorgehen und unabhängiger von der Meinung anderer werden. Einsamkeit ist eines der großen Wagnisse und Abenteuer in unserem Leben, in dem wir unbegleitet und ungeleitet mehr erfahren – über uns selbst und neue Anschauungen gewinnen können. Nach einer Phase der Verunsicherung und des intuitiv-instinktiven psychischen Panikprogramms kann sie die Grundlage für schöpferische Prozesse werden. Gerade für das unabhängige Denken und die poetische Verdichtung oder künstlerische Prozesse bietet sie Möglichkeiten zu lernen, die Sprachlosigkeit überwinden zu wollen. Für seine „Meditationes“ zog sich Descartes zurück. Seine Überlegungen führten ihn zunächst in erschreckende und verwirrende Bereiche der Vorstellungen, doch er klärte schliesslich sein Denken und fand den Kern einer Selbstvergewisserung, der erfrischend, unerschütterlich und stärkend war.

Fürchten wir uns also nicht vor der Stille und „der äußeren Unbewegtheit“ – wir sind lebendig und in den Mitteln der Anschauung und Betrachtung kreativ durch alle Prozesse des Lebens. Wir werden in unserer Lebendigkeit nicht nur einmal im Leben kathartischen Wandlungen unterworfen – aus ihnen gehen wir gestärkt hervor, wenn wir die Risiken darin überwinden.

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