31 | Überwindung

Alle Tage quälst Du Dich
vor’m Morgengrauen aus den Laken,
um an der Arbeiter Einheitsfront zu starten.
Seit einiger Zeit singen die Amseln
zum Geleit auf dem nächtlichen Weg.

Den Sonnenaufgang verpaßt Du
in der fensterlosen Küche,
doch der Markt ist hell erleuchtet,
wenn Du auf Deinem Gang
durch die Regale die Anderen begrüßt.

Für den ersten Teil der Arbeit
hast Du es eilig,
denn wenn geöffnet wird,
muß alles fertig sein.
Dann gibt es eine erste Pause
und Du schenkst Dir starken Kaffee ein.

Bis mittag dann putzt und tranchierst
Du Obst und Gemüse,
rührst Quark, machst Salat,
dann anrichten und wiegen
und in die Truhen nach vorne geben.
Zum Schluß wird gesäubert
und gewischt, damit die Küche
morgen in der Früh‘
wieder blitzend sauber und hygienisch ist.

Schließlich kletterst Du die steile Treppe hinauf,
ziehst Deine Arbeitskleidung aus,
zuletzt gibst Du das Handheld ab,
schnappst Dein Fahrrad
oder gehst zu Fuß die Strasse
zwei Blocks am Hang bergauf
bis Du die Adresse Deiner Wohnung
erreicht hast.

Dort streifst Du die Schuhe ab,
hängst den Mantel auf und greifst
Dir Dein Bier – ganz ohne Promille,
dafür bitter – setzt Dich bequem
und legst die Beine hoch
und morgen dann
klingelt der Wecker
erneut zur halben Nacht.

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