Über’m Großstadtasphalt

Es ist Ende Mai.
Brütend steht die Hitze unter der sengenden Sonne
über’m schwarzgrau flirrenden Großstadtasphalt.
Eine Möglichkeit zum Rückzug in künstliche Kühle
bietet als Pauseninsel ausgerechnet der moderne Biosupermarkt
– er wird zur angenehmen Frische herunterklimatisiert.

Und Du, mein Freund?
Du streckst Deine Zehen im feinen Ostsee-Strandsand aus
nicht weit von unserem hölzernen, schonischen Gartenhaus.
Du gehst und fährst alle Wege, die wir miteinander gegangen und gefahren sind,
und sanft spielt am Meersaum eine Brise mit Deinen Locken im Wind.

Und ich, ich spreche am Abend vielleicht mit unserem Kind,
die hoffentlich nicht vor Hitze beim Tulpenzwiebelnausgraben
in der Sonne vergangen ist und genug trinkt.

Gestern sprach ich mit Leuten,
die ungerührt prophezeiten,
dass alles, besonders das Mieten,
in wenigen Jahren viel teurer wird.
Ich versuche, die düsteren Wolken,
die damit innerlich heraufdräuten,
als sei das unabwendbares Schicksal,
zurückzudrängen. Seit der scharfe Schnitt zwischen uns trat,
glaub ich sowieso nicht mehr an einen Lebensplan.

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