Wahn

Aus der Kränkung des Individuums – überwiegend einsam und ohnmächtig einer sinnlosen und überwältigenden Realität gegenüber zu stehen, geschieht eine Umdeutung der Ohnmacht in Macht oder zumindest einer Wirklichkeitsdeutung in der der Einzelne im Zentrum des Interesses steht. Der Wahn macht es erträglicher, der stumpfen Faktizität gegenüber zu treten. Die Zusammenhangslosigkeit wird deutbar und die Fragen erhalten Antworten. Zufälle werden aus dem Weltbild eliminiert, Unerklärliches erklärt. Diesen Ausweg aus der Erfahrung der Rohheit der nackten Existenz, möchte man sich natürlich nicht nehmen lassen und reagiert äußerst aggressiv auf Interventionen, die das wahnhafte Weltbild bedrohen.

Genie und Wahnsinn, Schizophrenie und Genialität

Der Spiegel berichtet über Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass die gleichen Genabschnitte, die Struktur des Denkens, Empfindens und Wahrnehmens so beeinflussen, dass sie sowohl aussergewöhnlich kreative Eingebungen und Einfälle ermöglichen, wie sie dem Grenzbereich zum Wahnsinn gestalten. Der Artikel ist interessant, allerdings bin ich davon überzeugt, dass Gene, die Fähigkeit zum Denken nicht implizieren, sondern lediglich ein strukturelles Angebot machen. Die Fähigkeit zum Denken wird erlernt oder zerstört, entscheidend ist die Verarbeitung der Erfahrungen durch das Individuum. Weiterlesen