Ein Winternachmittag

Wir trafen uns am späten Nachmittag “Unter den Linden” und nahmen den Ausgang Friedrichstrasse. Als wir die Treppe hinaufkamen, tropfte schwerer, nasser Schnee vom Himmel, der am Boden sofort wegtaute, und durchfeuchtete unsere Wintermäntel. Wir sahen uns in einem Modegeschäft um und gingen dann den Weg durch die Häuser zum Humboldt Forum. In der zweiten Etage wandten wir uns nach links und gingen durch die Abteilung mit Benin Bronzen zu der Sammlung amerikanischer Objekte. Wieder im Schmuddelwetter eilten wir durch die Dunkelheit zur U-Bahn Station, um zum Winterfeldplatz zu gelangen. Wir aßen persisch und spazierten zu mir nach Hause, um noch ein Wenig am Feuer zu plaudern. Gegen Mitternacht wurde ich zu müde und wir stellten fest, dass wir Gotttes Tasche im Restaurant vergessen hatten. Wir erkundigten uns, ob sie noch da wäre und als das bestätigt war, machte Gottt sich auf den Weg, seinen Beutel zu holen.

Unnützes Wissen:

Unnützes Wissen: Eine Kiste mit Wassermelonen wiegt zwischen 16 und 19 kg. Ich schaffe es – noch untrainiert – ca. 4 Kisten in 3h Stunden mundgerecht zu zerlegen und in grossen Bechern zu verteilen. Diese werden gedeckelt, versiegelt, etikettiert und in der Kühltruhe ausgestellt.

Und ich habe dann 36 Euro brutto verdient. Meine Kollegin, eine gelernte Fleischereifachverkäuferin, ist deutlich schneller. Schliesslich muß ich die Ware entweder auslegen oder in den Kühlraum fahren und die Küche und das Besteck reinigen. Nach 5,5 Stunden mache ich eine halbe h Pause.

Dann versorgen wir die Salatbar – Ware aus dem Kühlraum holen, nachfüllen, die Salatbar richten und kontinuierlich reinigen. Besteck und Salatschalen, sowie Deckel und Salz, Pfeffer, Öl und Essig nachlegen und die Waren verwalten. Gegen 14.00 alles saubermachen und 14.30 Uhr

Schichtende. Abgerechnet werden an dem Tag für mich 90,- Euro brutto. Davon zahle ich Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung, Pflegegeld und Rentenbeiträge und Lohnsteuer. Ich lande trotz der schweren Arbeit in der Altersarmut und werde im Alter entweder Flaschensammeln oder

arbeiten müssen. Ich muß GEZ zahlen, Miete, Energiekosten, die Monatskarte für 89,- Euro, mich kleiden, Kommunikation tragen, meine Schriftstellerei und meinen Blog in Eigenproduktion finanzieren und steigende Lebensmittelpreise aufbringen. Ich habe kein Auto, rauche nicht, habe aber ein Kind großgezogen.

Zwar freue ich mich, mit so stolzen Menschen zusammenzuarbeiten, bin froh Arbeit zu haben und ich sehe den Marktleiter auch selbst anpacken, aber ich frage mich schon, welche Zukunft uns Lowperformern zugedacht ist. Uns Frauen der Babyboomergeneration – “Nomadland” läßt grüssen.