13 | sacht

Liebster, ich streife Dir ganz sacht,
die Fesseln ab.
Wir lassen hinter uns,
was uns gebunden.

Liebster, ich begegene Dir nicht nur
im Traume nachts,
ich habe auch am Tag,
in Deine lieben Arme gefunden.

Liebster, ich knüpfe Dir ein Seil
aus meinem Haar.
Mit ihm steigst Du hinauf ins Himmelreich
und federweiche Zärtlichkeit
heilt Deine Wunden.

Liebster, vergiß, dass man Dich presst.
Morgen schon bist Du frei
und kleinherziger Leute Urteil,
ist dann einerlei.

Liebster, sieh‘ nach der Neumondsichel
heute abend.
Ich tu es auch.
Wir denken an die gleiche Silbersichel
vor zwei Jahren
und träumen uns in seine Barke
in den Sternen hinauf.