CN #DisabilityPrideMonth #gewaltinderpsychiatrie #Gewalt

„Nach einer treffenden Lagebeschreibung des Regensburger Strafrechtslehrers Tonio Walter hat die Psychiatrie des 21. Jahrhunderts noch immer mit zwei Missständen zu kämpfen: erstens mit den „false positives“, d.h. dem – empirisch gesicherten – Befund, dass zu einem nicht unwesentlichen Teil Menschen in die Psychiatrie gelangen, die weit weniger gefährlich sind, als sie mit Blick auf die rechtlichen Unterbringungs-voraussetzungen eigentlich sein müssten. Und zweitens hat sich die Zahl der Untergebrachten seit Mitte der 1990er Jahre mehr als verdoppelt, ohne dass dafür ein anderer Grund erkennbar wäre als eine „höhere Unterbringungsfreude der Gerichte und Gutachter““…
„Es spricht daher einiges für die mutmaßlich fortbestehende Aktualität eines gesamtgesellschaftlichen „Psychiatriepaternalismus“, der – mit den Worten Thomas Schrammes – in beständiger Gefahr schwebt, im hehren Bestreben nach präventiver Verhinderung von Gefahrenlagen und therapeutischer Leidminderung des Krankheitszustandes das rechte Maß zu verfehlen und unversehens die rote Linie hin zu Anmaßung, Zwang oder gar Manipulation zu überschreiten. … Deshalb bildet es einen zutreffenden Ausgangpunkt, auch im Kontext der Psychiatrie eben dieselbe hohe Begründungsbedürftigkeit von Zwangsmaßnahmen oder gar einer Zwangsbehandlung wie in den anderen klinischen Anwendungsfeldern anzumahnen.“ Weiterlesen