107 | Frühlingstage

Ich hasse diese schönen Tage, 

an denen windstill herab die Sonne gleisst.

Mein Herz will, dass ich Trauer trage.
Nimm doch bitte all die Frühlingsboten und den hellen Schein

und lass mich allein und verbittert sein.


Einzig will ich von Verlust, Sehnsucht und Kummer

in meiner dämmrigen Kammer 

dunkelblaue Verse schreiben. Darin

ist mir mehr Befriedigung,

als wenn die Vögel wieder singen.

47 | Was wird aus mir?

Andere, die brechen gut gerüstet und stetig
in die Zukunft der Apokalypse auf.
Sitz nur ich da und frag mich,
dürfen die das ohne mich denn überhaupt?

Was soll ich tun?
Wer kann ich werden?
Bin ich mit schrumpfenden Einssiebenundsechzig
nicht mehr mit von der Partie?

Sagt mir bitte, was soll ich werden,
damit ich hinaus kann, so wie sie?
Gerade erst neulich bemühte ich mich wirklich,
doch andere träumen anders.

Ich sehe so viele Menschen hungern.
Am Ende gewinnt die Bestattungsindustrie.
Das werde ich vorerst quicklebendig verhindern,
denn ich bin schlauer als sie.

46 | Traum und Wirklichkeit

Die Gastfreundschaft der Nomaden
erfreute mich schon oft.
Ich lud sie in mein Zelt ein
und war bei ihnen zu Gast.

In sternenklaren, frostkalten Nächten,
ob es Tee oder Hunger war,
was wir teilten,
– wir tauschten höflich Geschichten,
die manchmal gut dagegen waren.

Am Morgen in der Wüste,
denke ich an die Oasen
auf meinem staubigen Weg.

Ich pflücke eine Feder
vom Daunenkissen
und stecke sie in mein Haar,
greife nach der Uhr,
die neben dem Bett
auf dem Hocker liegt,
während meine Gedanken
bei einem entfernten Wanderer sind
und hoffe, dass er unsere Hochzeit
morgen nicht versäumt.