Süße Kirschen

Für meine heutigen Feierlichkeiten habe ich mich
länger in die schwüle Hitze nach draussen gewagt.
Denn genau dieses Datum markiert in meinem Leben
einen besonderen und wichtigen Tag.
Mit süßen Kirschen lockt der Sommer uns alle aus unseren Höhlen hervor,
ebensolche hängte ich – war’s nicht so – mir auch damals
über mein jugendliches, rechtes Ohr.
Das war, mein ich, im Garten ganz nah des herkunftsfamiliären Garagentors.

Oder ist es doch, es ist nach Jahrzehnten etwas verschwommen,
das blütenschaumige, duftend, weisse Kleid
des grossen Schattenmorellenbaumes gewesen,
der Kirschen in meine Erinnerung drängt?
Er stand von dort aus ebenfalls nicht weit.

Ich bin noch, wie damals, ein herzklopfend verliebtes Kind
und träume von Dir und dem milden Sommerwind,
der durch die heruntergekurbelten Scheiben
des quietschroten Autos hereinfuhr
– mein Vater hatte es mir geborgt.
Ich denk‘ auch an den Arm voll Flieder,
den ich – beschenkt von einem anderen –
Wochen zuvor in jenem besonderen Jahr nach hause trug.

Na gut, ich höre auf. Es ist wirklich genug.
Sonst werde ich selbst mir zu sentimental.
Ich wollte nur mit diesen schwelgenden Grüssen,
die Tür hinter uns wenigstens sanft
und freundschaftlich schliessen.

Dies ist, ich will’s nicht garantieren, vielleicht
oder möglicherweise, aber nicht sicher,
die ganze, relativ schlichte,
aber keineswegs einzig alleinige Wahrheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*