191 | Musik

Meine Gedanken ziehen Kreise
während ich schweige.
Kristallene Tropfen
rinnen über mein Gesicht.

Ich setze mich
und bastele ein Gedicht.
Drehe gegen die Stille
die Musik laut auf.

Ein paar Schritte
tanze ich.
Dann bin ich
besser drauf.

Ich fühl mich
nicht mehr allein.
Kann gegen den Kummer
mit den Songs anschreien.

190 | Schwebe

Lebe in der Schwebe.
Das Vage füllt die Tage.
Das Unbestimmte schimmert.
Das Nebulöse glimmt.

Die Liebe ist eine Frage,
die keine Antwort kennt.
Balanciere mit Gedanken,
so dass die Enden offen sind.

Fürchte schroffe Kanten
und klare Punkte
an denen sich ein
Schlußstrich zieht.

Bleibe auf der Reise,
die sich endlos
um die Kurven biegt.

189 | frei

Es hält Dich nichts.
Du gehst davon und
blickst nicht zurück.
Da ist keine Gewohnheit,
die Dich an mich knüpft.

Du bist frei.

Doch ich habe Angst,
dass Du in den Abgrund stürzt.
Dir Ellenbogen, Stirn
und Knie verletzt.

Ein Ikarus, der vom Himmel fällt.
Vor einem Felsenmeer zerschellt.
Ach, wärest Du nicht gar so frei.
Ach, wäre Dein Schicksal mir ganz einerlei.

Ach, würde ich Dich nicht kennen.
– Dich nicht bei Deinem Namen nennen.
Ich wäre frei.
Ich wüßte ja nicht,
was ich vermiß.

188 | zartbitter

Zartbitter sind die Erinnerungen
– Dein strahlendes Haupt schon fast
in des Vergessens Dunkelheit versunken.

Hätt‘ ich nicht die drei Bilder von Dir,
– wer glaubte mir?

Ich selber nicht.
So hol‘ ich Dich
mit einem Blick
auf sie zurück.

Schäle Dich aus Schemen.
Stäube Puder aus Zucker
über ein Herz in Wunden
und träum‘, Dein Atem
in mein Ohr, liess
seine Kränkung
wieder ganz gesunden.

187 | Dezemberlied

Der kalte Dezemberwind
flüstert, wispert und raunt
verheissungsvoll davon, was geschieht,
wenn die dunklen Winterstunden
vorüber sind.

Wenn ein Jahr düster zuende geht,
klingt in seinem Lied
die Freude auf den nächsten Sommer mit.

Und wenn ich dann
am kahlen Kanal spaziere,
blick‘ ich in Gedanken
an Dein liebes Gesicht
auf jene Stunden Glück
im vergangenen Jahr zurück.

186 | Auf dem Weg

Ich war auf dem Weg
und begleitete Dich ein Stück.
Wir hakten beieinander
die kleinen Finger ein.

Der Wind hat geweht
– da auf unserem Weg
gepflastert mit Stein.

Deine Hand war so dürr
und eisig kalt
auf unserem Weg
an jenem Septembertag.

Trotzdem hat mein Herz gehüpft,
als Du neben mir schrittst
auf dem steinernen Weg,
der im Nachmittagsschatten vor uns lag.

185 | Winter

Der Winter hat den strahlenden Glanz
der Sommertage verschlungen.
Mit ihm sind auch
die bunten Blumenrabatten verschwunden.

Zu Grau gefroren ist der Himmel
über dem See.
Wir warten daraus auf das Fallen
kristallenen Schnees.

Das Gelb des Oktoberlaubs
ist zu Boden gesunken.
Schwarz ragt hinauf das Astwerk
der Strassenlinden.

Im Dezember wird man wieder
duftende Nadelzweige
zu Kränzen binden.
Bratäpfel werden mürbe
Erinnerungen bringen.

Matt und gemessen
schlägt tief unter Wurzeln
sein kaltes Herz.
In die dunklen Tage
webt er Sehnsucht und Schmerz.