Schnee

„Ich lebe nun schon eine ganze Weile allein, aber ich habe gute Freunde. Wir gehen zusammen am Fluß spazieren oder besuchen Konzerte, reden über Literatur und das Leben, aber dennoch werden mir die Winterabende lang. Ein seltsames Schweigen liegt dann auf der Wohnung und ich vermisse die Innigkeit, die mir im Laufe der Zeit so in Fleisch und Blut übergegangen war. Zwar weiss ich auch, dass ich, wenn es darauf ankäme, niemanden in meiner Nähe dulden würde. Aber nach all den Jahren der Intimität fühle ich mich amputiert und eine Sehnsucht ist wie ein Phantomschmerz zurückgeblieben. Ein ganzes Bündel ambivalenter Gefühle besetzt meine Stimmungen. Scheint mir die Vergangenheit im Rückblick stimmiger als sie je war? Ich erinnere mich, dass ich auf der Reise nach Rom weinte, obwohl doch äußerlich alles so wohlgefügt war. Jetzt bin ich hingegen ganz in der Verantwortung für mich, was mir gut tut. Trotzdem vermisse ich die Geborgenheit, die ich empfunden habe. Sie war mit Abhängigkeit erkauft. Ich weiss schon. Aber sie fühlte sich vertraut, wie ein warmer Mantel an.
Im Grunde ist nichts, alles ist gut. Es ist nur November und ich warte auf den ersten Schnee in diesem Winter.“

Sonntag, 12.12.2021 – Treffen der Berliner Poetenoffensive III-21

Hervorgehoben

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Thema: unterwegs.

Treffen der Berliner Poetenoffensive III-21
Wann: Sonntag, 12.12.2021, 15.30 Uhr

Ort: KaLLe KLein

Restaurant // Café

Harzer Str. 119
12435 Berlin
bei Google Maps: https://goo.gl/maps/7jKSHQEBZaE3aBxf6