Neue Gedichte: Soll die Liebe, Herr B., je t’aime bien, Sommer, Geliebte

22 | Soll die Liebe

Soll die Liebe Schmerz sein?
Ich wünsche mir – nein.
Sie soll pure Lust und reines Vergnügen sein,
wenn wir täglich wieder sagen:
„Du bist mein.“
Ich sehe Dich an und falle in Dich hinein.
Dein Begehren zieht mich in den Bann
und ich greife bebend nach Deiner Hand.
Ich pfeife leichten Herzens auf meinen Verstand
und mache Dich mit aller Gewissheit zu meinem Eroberungsland.


21 | Herr B.

Du hattest Dich mir in den Weg gestellt
und mich umkreist.
Hast mit Deinen Erektionen meine Welt erhellt.
Jetzt bist Du aus unserem Verlangen fortgegangen
und hältst so mein Herz und meine Gedanken gefangen.
Wir haben uns zärtlichst und tanzend erfahren.
Aber es ist uns unangenehm, dass andere uns schamlos und unverholen anstarren.
Ich fuhr mit den Fingerspitzen entlang Deines Antlitz
und in die roten Locken Deiner gefetteten Haare.
Entlaß mich bitte wieder aus der süchtigen Leidenschaft und dem Liebesbanne
oder nimm Dich zusammen
und sprich:
„Ich liebe Dich.“


20 | je t’aime bien

Ich sehe nur noch ein Gesicht
und herabschwebende Baumsamen im Maigegenlicht.
Nur mit Dir möchte ich mich befassen
Und die Beschwernisse meines Alltags weit hinter mir lassen.
Du fragst: „Sind Sie mit Ihrer Präsenz oder mit mir beschäftigt.“
Die Wut auf meine Fehlbarkeit hast Du damit nachdrücklich bekräftigt.
Mir machen Deine Ansprüche Angst – und zwar heftig.
Ich befürchte, meine Liebe könnte nicht genügen, um Dich glücklich zu machen,
obwohl ich genau das so gern habe – Dein spöttisch-kicherndes Lachen.
Ich falle auch mit Freuden in Dich hinein
Und bemerke, erst dann kann ich vollständig sein.
Jetzt liebe ich Dich schon zehn Wochen
und gehe ich an Dir vorüber, beginnt mein Herz hämmernd zu pochen.
Mein Körper und meine Seele schreien nach Dir.
Das ist zugleich schön und grausam für die Gegenwart hier.

19 | Sommer


Es ist Sommer
und ich möchte mit Dir im Wind der Sonne entgegen schweben.
Ich stecke Blüten in mein Haar
und hoffe, in einem Jahr
sind wir wirklich ein Paar.
Spiel bitte nicht mehr mit meinem Herzen.
Mich kränken die Schmerzen.
Küß‘ mich wieder und wieder
So verständig und wissend wie jener Kuß.
Sag‘ nicht bevor es anfängt
– jetzt ist schon Schluß.
Bereite uns beiden sinnliche Freude und Herzensgenuß.
Verlache mich nicht, weil ich leben muß.
Vergiß‘ mich so schnell wie möglich,
denn Lieblosigkeit empfinde ich als tödlich
und antworte darauf mit gelangweiltem Frust.


18 | Geliebte

 

Wir haben Abschied um Abschied genommen.
Nun zwickt mich die Angst, dass Eure Bilder 
wie Wasser verinnen.
Ich möchte an ihnen zärtlichst und feurig weiterspinnen
und noch etliche Tage und Wochen mit Euch verbringen.
Ihr seid Gefährten und Freunde, geliebt und treu.
Nur ich bin es nicht und Euch ist es einerlei.
Ich bin Bigamistin und habe nur einen erwählt.
Ihm ist jetzt schlecht, denn er ist mit nun endlich mit Shakespeare vermählt.
Er würde mich gerne binden, drum setzt er mich frei.
Das macht mich nicht froh.
In mir klingt das Beben nach,
das meine Liebe bei ihm freigesetzt hat.
Das Bild wird zerrinnend verschwinden und ich bleibe leer.
Aus lauter Verzweiflung wird nicht mal mein Herz angemessen schwer.
In mir ist Wut, dass Ihr so unmutig seid.
Ihr hört meine Stimme und denkt,
wie schön, dass sie schreit.
Mir brechen die Töne.
Doch ihr geht davon.
Ich habe viel zuviel Abschied genommen.
Nun trabe ich unlustig davon
und gehe in der extrem warmen Sonne sonnen.

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