Kornblumenblau

Ich grüsse Dich mit dem melancholischen Blau
einer Kornblumenblüte.
Nach einem heissen, staubdürren Mai
hat es jetzt endlich mit Junibeginn
etwas Regen gegeben.

Dieses Blau fragt mich nachdrücklich: Wohin
sind nur unser Glück, unsere Hoffnungen und
unsere gemeinsamen Träume getrieben?

Wir dachten doch, sie würden leicht wie die
mit gefiederten Schirmchen bewährten Samen der Pusteblumen
für immer – vom nachmittäglichen Gegenlicht angeleuchtet –
im milden Sommerwind dahinschweben.
Tatsächlich liess die heraufziehende Dunkelheit
Dich abrupt von mir fortbewegen.
So hast Du wohl gehofft, Deine Ängste und Trauer weit von Dir zuschieben.

Weißt Du nicht, das Düstere ist nur die abgewandte Seite im Licht?
Da wird mir klar, Du magst doch den Schatten nicht.
Ja, richtig, so ist es immer gewesen – er beängstigt Dich.
Denn in ihm erkennen Deine getrübten Augen
was vor Dir liegt schlecht.
Deshalb leuchtest Du in der Nacht stets auf Deinen Weg
– selbst bei Vollmond – mit Taschenlampenlicht.

Darum wünsche ich Dir,
es möge von nun an ständig das Strahlen
eines inwendigen Scheins
als Dein leuchtender Begleiter,
auch in finsteren Zeiten,
in Dir – zumindest als Erinnerung – aufzufinden sein.

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