Kein Tag, wie jeder andere.

Heute habe ich mehr als eine gute Tat vollbracht. Es ging schon am Morgen damit los, dass ich aufgestanden bin. Dann habe ich glücklicherweise etwas zum Anziehen gefunden und das genutzt. Das Wetter hat auch mitgespielt. Nicht allzu früh habe ich beschlossen, dass es ein guter Tag dafür ist, wie noch jeder andere, um einen Anlass zu finden ausgiebig zu feiern, dass ich am Leben bin.
Damit das nicht zu langweilig würde, habe ich eine junge Frau angerufen und sie zu einem Spaziergang überredet. Ich habe ungefragt Tipps an Wildfremde verteilt und mir den Bauch mit köstlichen Speisen vollgeschlagen. Nur dem Besten und Feinsten. Und der Tag ist noch nicht vorbei. Das einzig Dumme ist, dass ich jetzt als Praktikantin der Redaktionen Mist produzieren muß, weil es partout nichts Interessantes zu berichten gibt. Und das in meinem Alter. Ich bin vom Leben doch eigentlich zu enttäuscht und erschöpft, um so einer Ungerechtigkeit und Unverfrorenheit mit der angemessenen Distanz zu begegnen. Kampflos soll ich mich der Erblödung ergeben und mir aus dem Sinn schlagen, wonach mir der Sinn steht. Wie soll ich ein Manifest der Sinnlichkeit verfassen, wenn sich der Sinn vor Scham ins Fäustchen lacht?
Ist ein Newspaper als Polster in einem Kompostmülleimer sinnlich genug? Oder könnte man daraus nicht einfach bessere Schulbücher, mindestens aber Klopapier für Kuba herstellen? Ist Rotz Hardware genug für Scham und Schande statt Sinn und Sinnlichkeit.
Warum sind die guten Romane alle schon geschrieben? Und warum hat Heiner Müller damals unter meinem Fenster gesessen?
Nachtrag, 13.01.2019
Und endlich ist ein altes Kapitel abgeschlossen.

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