Eine Hausarbeit zu Kants praktischem Imperativ (2017)

12.10.2017, Sabine-S. Rahe
„Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person jedes anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“
Der praktische Imperativ
Immanuel Kants

Philosophisches Meisterstück und gleichrangig analog der
barocken Symmetrie der Ästhetik des „Musikalischen Opfers“
Johann Sebastian Bachs

Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung – Läßt Kants Begriffsverwendung auf autoritäres, hierarchisches
Denken schliessen? S. 2
II. Hauptteil – Wie begründet Kant seine Erläuterungen? S. 2
II.I. Das Reich der Zwecke – die Menschheit S. 5
II.II. Die Erfassung des kategorischen Imperativs
– Aufklärung über objektiv Gesetztes S. 7
III. Fazit S. 9
IV. Literaturverzeichnis S.10

I. Einleitung – Läßt Kants Begriffsverwendung auf autoritäres hierarchisches Denken
schliessen?
Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu untersuchen, wie tauglich die von Immanuel Kant in
seiner Grundlegend zur Metaphysik der Sitten und Kritik der praktischen Vernunft
gebrauchten Begriffe Pflicht, Zweck und Nötigung sind, um als tragfähige,
gegenwartstaugliche und zukunftsfähige Untersuchung und Analyse über Moral und Ethik verstanden zu werden. Besonders beleuchtet wird dabei der Einwand, das Vokabular Kants sei schon Ausdruck einer militaristischen Denkweise und in ihm eine entsprechende Auffassung angelegt. Die Hausarbeit soll eine Grundlage bieten, dieses Urteil nicht von vornherein verhindern zu lassen, Immanuel Kants Darlegungen in ihrer Gültigkeit und Aktualität zu rezipieren und erkennen. Dazu untersuche ich in welcher gedanklichen Weise Immanuel Kant die Begriffe verwendet, begründet und sich ihre Verwendung aus Immanuel Kants eigenem Gebrauch rechtfertigt. Daher ziehe ich keine weitere Literatur hinzu.

II. Hauptteil – Wie begründet Kant seine Erläuterungen?
„Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person jedes
anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ (Kant 1785, S. 61)
Diese Reformulierung der Regula Aurea – Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst und wie sie im im christlichen Gebot „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.“ vorliegt – in dem praktischen Imperativ durch Immanuel Kant (1785), ist in der Symmetrie von ich und du ähnlich gedacht, wie die damals zeitgenössische Ästhetik Johann Sebastian Bachs im musikalischen Palindrom in der Partitur des „Musikalisches Opfer“ (1747), das zugleich eine Fuge und ein retrograder Kanon ist und in dem sich das musikalische Grundmotiv in die Gesamtkomposition analog zum Verhältnis eigener Person zu sich selbst und zu jeder anderen Person in der Relation zu dem von Immanuel Kant verwendeten Begriff „Menschheit“ einfügt. In der Neuformulierung gelingt Kant jedoch gegenüber dem allgemeiner formulierten Original der Regula Aurea eine Betonung der Achtung des Individuums und der Bestimmung, wovon genau alles Handeln geleitet sein soll, wenn es moralisch und damit implizit vernunftgegründet gilt und unabhängig davon, was als Ergebnis einer Handlung in Aussicht steht.
Immanuel Kant leitet, in seinen klar geführten und strukturierten Darlegungen zur
Moral, seine Formel, anders als bis zu seinen Anstrengungen üblich, nicht aus Glauben,
Annahmen und Vermutungen – spekulativer Vernunft – ab, sondern begründet aus Einsicht in a priori Gegebenes und prüft mit den Gesetzen der Logik – also Mitteln der Vernunft, ob seine Argumentation widerspruchsfrei und gültig ist. Auch seine Glaubensbegründung zum Ende der Kritik der praktischen Vernunft begründet er auf Einsicht, nicht Annahme. So kann er auch sagen, dass dies nicht belehrt, sondern aufklärt und zwar, wie die Gegenstände seiner Erläuterung sich tatsächlich und objektiv verhalten und zueinander in Beziehung stehen (Kant 1785, S. 22).
Die uns heute befremdenden Begriffe „Pflicht“ und „Zweck“ leiten sich daher auch
nicht so her, wie manche Rezeption unterstellt – aus militaristischem, autoritärem Drill,
preussischer Tugendtradition und Zwangsregiment, sondern aus, nach wissenschaftlichen Prinzipien, herleitbarer Einsicht in Gegebenheiten und Notwendigkeiten und sind in dieser Hinsicht vergleichbar mit Gesetzen naturgesetzlicher Art.
Der praktische Imperativ ist zwar Formel, aber trotz seiner inhaltlichen und formalen Eleganz, viel mehr als bloße Form, die ja nach Kants Ausführungen eben als nachrangig zu betrachten ist, da diese der Sinnenebene verhaftet ist. In seinen Schlussbemerkungen ist zu erkennen, dass die Grundlage seiner Ausführungen ist, sichtbar zu machen, dass Ethik auf dem universell gültigen und daher Verbindenden basiert – nicht ohne das Trennende zur Kenntnis zu nehmen, sondern vielmehr beides zueinander in das richtige Verhältnis zu ordnen. Hier gestattet er uns, daran Anteil zu nehmen und uns damit Einblick nehmen zu lassen, wie sehr seine wissenschaftliche Anstrengung, das erkannte Prinzip der praktischen Vernunft aus allen Richtungen zu diskutieren, um keinen Zweifel an seiner Gültigkeit zurückzulassen, auch ein Bedürfnis ist. So sagt er bewegt und bewegend: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender (Akad. Ausg.) Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im Überschwänglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und bloß vermuten; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz. Das erste fängt vom Platze an, den ich in der äußeren Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich-Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, über dem noch in grenzenlosen Zeiten ihrer periodische Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweite fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an, und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar ist, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich nicht, wie dort in bloß zufälliger, sondern allgemeiner und notwendiger Verknüpfung erkenne.“ (Kant 1785, S. 300)
Die Formel des praktischen Imperativs ist also analog zu einer Formel eines
Naturgesetzes zu verstehen, wie dem Newtonschen Gravitationsgesetz (1687), das unabhängig davon gilt, ob es beachtet oder zur Kenntnis genommen wird. Allerdings bezieht sich das Gesetz der Moral – der reinen praktischen Vernunft, wie Immanuel Kant ausführt, nicht auf die Konsequenzen des Handelns und deren Kausalitäten, anders als bei Gesetzen der Natur, sondern ist allein im Hinblick darauf gültig, ob die Handlungsweise selbst in ihr gründet. Dies ist das Objekt des Gesetzes, dem dieses Objekt zu unterwerfen ist. Die reine praktische Vernunft enthält das Gesetz, dem die Bestimmung, also bewußt ermittelte Bestimmung, des Willens und der Willkür aller vernünftigen Wesen unterworfen sein muß und dieses ist das Handeln aus Pflicht. Erst das – also bewusste – Handeln aus Pflicht ist moralisch. Das pflichtgemäße Handeln ist lediglich Legalität und bleibt zufällig.
In diesem Akt der Selbstbestimmung wird die a priori gesetzte Freiheit vernünftiger
Wesen sichtbar, die darin besteht, Handlungen in dieser Hinsicht unabhängig von
Naturgesetzen und -dynamiken zu planen, prüfen und bestimmen zu können.
Vernünftigen Wesen ist es durch Vernunft, und Einsicht darin, möglich, Handlungen zu
planen, auch wenn – noch – Nichts aus der Erfahrungswelt korrespondiert. Vernünftigen Wesen ist es also möglich, frei von Vergangenheits- und Gegenwartserfahrungen, damit jenseits von Erfahrung überhaupt, durch Denken und Planung und in Zukunft hinein einem Prinzip zu folgen, das nicht phänomenologisch, empirisch, sondern aus der Vernunft erkennbar ist. Dieses Gesetz wird als gegeben – gesetzt – erkannt und dann nach seinem Prinzip auf die Praxis angewandt. Hierbei wird Einsicht in die Bestimmtheit genommen, die in der Moral – gleich praktischer Vernunft – vorausgesetzt ist und zwar durch bewusste Prüfung, der Bildung des Willens, in autonomer Weise und Nötigung der eigenen Natur aus Achtung vor dem übergeordneten Gesetz der praktischen Vernunft.
Nicht die Zufälligkeit der Konsequenzen der Naturgesetzlichkeiten im Hinblick der
Folgen von Gegebenheiten, denen sie unterworfen sind, sind heteronome
Bestimmungsgründe für Handlungen vernünftiger Wesen, sondern die Bestimmung des prinzipiell Gebotenen im Hinblick auf das, was allein willentlich vollzogen werden kann – nämlich, ob die Handlung selbst der praktischen Vernunft unterliegt, was nichts anderes als Moral ist. Dazu ist der Mensch als Vernunftwesen und Teil der Menschheit bestimmt.
Der Kantische Imperativ gewinnt daher seine Autorität nicht aus einer autoritären
Haltung, die gewaltsam und unhinterfragt Gehorsam gebietet – also ein Handeln nach dem Legalitätsprinzip nahelegt, sondern aus frei und autonom gewonnener Einsicht in das praktische Gesetz der Vernunft und damit der willentlich und frei bestimmten
Handlungsprüfung und Nötigung der neigungsbasierten – begehrungsvermögenden – Anteile der Person. Dies leitet sich aus den Gegebenheiten a priori ab und unterstellt sich damit der gebotenen Achtung diesem Gesetzes gegenüber in jeder Person, sowie der sich ebenfalls daraus ergebenden Selbstachtung und der Grundlage der gemeinsamen Zugehörigkeit zur Menschheit.
Wenn es auch zufällig in der Folge zu Überschneidungen im Ergebnis im Hinblick auf
die Art und Weise der Handlung kommen mag, so ist das Individuum bei seinen Handlungsbestimmungen in moralischer Hinsicht, anders als er es in der unwillkürlichen und reaktiven Unterworfenheit unter die Naturgesetze ist, nicht durch Zufälle gefährdet, sondern durch Einsicht gefestigt und gesichert.

II.I. Das Reich der Zwecke – die Menschheit
Kant erläutert seine Feststellung, dass die Menschheit und damit jede Person als Teil der Menschheit als Zweck an sich zu erkennen ist. Er stellt fest, dass diese Zwecke nach Gesetzen aufeinander bezogen und geordnet sind und leitet daraus die Einsicht in das „Reich der Zwecke“ ab, als das die Menschheit verstanden werden muß. So sind Menschen also Zwecke – vernünftige Wesen – und nie nur als Instrument, also Mittel, zu betrachten, sondern bilden prinzipiell zugleich den Zweck von Handlungen. Er führt auch ironisierend aus, dass eine Stellung im Reich der Zwecke zurecht als herausgehobenes Oberhaupt nur für eine Person gelten kann, die allein aus reiner Vernunft handelt. Da er zuvor und danach ausführt, dass dies dem Anteil der Natur in jeder Person widerspricht, verbietet sich die Schlussfolgerung, dass es einen solchen rein vernunftgeleiteten Menschen geben und damit auch, dass es im Reich der Zwecke überhaupt eine Hierarchie geben kann.
Immanuel Kant erkennt die Vernunftwesen gebotene Bestimmung darin, alle Menschen
in der Achtung als Angehörige der Menschheit und des darin enthaltenen Vernunftgesetzes und zwar auch in der eigenen Person, und damit als Angehörige der übersinnlichen, intelligiblen Welt, zugleich zu Mittel und Zweck aller Handlungen zu machen, ohne zu ignorieren, wie unmöglich dies gleichzeitig in reiner Form, schon allein aus der Natur und physischen Zeitlichkeit und Begrenzung des Menschen, als unvermischt mit den aus den Sinnen angetriebenen menschlichen Anteilen, gegeben ist.
Daraus folgt, dass wir verpflichtet sind – weil wir uns aus Vernunftgründen zwar frei
aber notwendig verpflichten müssen, – bewußt mit der Gleichzeitigkeit unserer
unwillkürlichen, unterzuordnenden, nachrangigen, naturgeleiteten Anteilen umzugehen und sie der Nötigung aus Vernunft zu unterstellen haben.
Kant zeigt auf, dass wir in der Lage sind, auf das reine Gesetz zu schliessen, es aber in
seiner Reinheit möglicherweise weder teilweise noch überhaupt in der sinnlichen Welt, der Erfahrungswelt, auffinden können. Dies tastet seine Gültigkeit oder Realität nicht an oder läßt es begründbar anzweifelbar werden. Man kann dies analog dem Beispiel der abstrakten, idealen Vorstellung und Erfassung eines Kreises durch die entsprechenden geometrischen Formeln, bei gleichzeitiger Unmöglichkeit der Darstellung eines absolut idealen Kreises auf sinnlicher Ebene, auffassen. Hierbei nähert sich die Darstellung eines Kreises dem Ideal – der reinen Form – nur an, da alles in die sinnlichen Welt aus dem Ideal Übertragene nie in Reinform in der physischen Welt vorkommen kann.
Allein die Nötigung der Sinnen- und Neigungsnatur der Person ermöglicht es, Willen
mit dem Ziel und der möglichen und notwendigen Progression auf seine Idealform, also reine Form, hin zu kultivieren und zwar bei gleichzeitiger Einsicht der Unerreichbarkeit dieser reinen Form. Diese Einsicht gewährt uns dann auch eine Möglichkeit zur Wahrhaftigkeit entgegen Doppelmoral und Selbstbetrug, weil wir unserer verschiedenen Anteile von übergeordneter Vernunft und triebhafter, unterzuordnender, nachrangiger Natur gewahr sind und diese nicht verleugnen, sondern zweitere, ohne sie zu ignorieren, der Vernunft unterstellen. Auch dies ist ein autonomer Akt – die Person verpflichtet sich aus Einsicht in gebotene Pflichten. Die daraus folgende Meisterung ihrer nachrangigen Anteile – ihre Nötigung – sind Vollzüge durch die Persönlichkeit.
Zugleich wird an den von Kant im Text angeführten und erläuternden Beispielen zur
Anwendung des kategorischen Imperativs und den damit verbundenen vollkommenen
Pflichten zum Selbsterhalt, sowie Wahrhaftigkeit und den unvollkommenen Pflichten zur Selbstkultivierung und Sozialität, deutlich, welche tiefe Humanität Kants Gedanken
zugrunde liegen und dass er den übergeordneten, zeitlosen Rang der Geltung des
moralischen Prinzips erkennt und adäquat formuliert. Dies zeigt sich um so mehr darin, wie greifbar und schlicht fassbar er seine konkrete Utopie in den angeführten Beispielen macht.
Insbesondere aber auch darin, wie er ihr Gültigkeitsprimat unabhängig von Neigung und
Zufall herleitet.
Wie schwierig handhabbar, der von seiner Begründung her analog eines Naturgesetzes
mit universeller Gültigkeit formulierte, praktische Imperativ zunächst auch erscheinen mag – er ist in seiner Klarheit und inhaltlichen, gedanklichen Schönheit eine Errungenschaft, die ganz gegenwärtig ist und jederzeit situationsbezogen angewandt und aktualisiert angewendet werden kann.
Zwar erfordert seine Anwendung bewusste Anstrengung und Überlegung, ja, die
Anstrengung zu bewußtem Handeln überhaupt – Nötigung –, doch gerade darin – als
Methode zur Selbstaufklärung – gewinnt seine Aufstellung als Formel, unabhängig von einer Konkretion – ihre Bedeutung und seine Formulierung über die Zeit hinweg ihr Gewicht durch die Geschichte und verschiedene gesellschaftliche Kontexte hindurch. Siehe hierzu – „die Ethik,…, der rationale (Teil) aber eigentlich Moral heißen könnte.“ (Kant 1785, S. 12).
Kants Ausführungen respektieren tradierte moralische Grundannahmen indem sie
substanziell überprüft werden und aufgrund eines erweiterten Verständnisses neu formuliert und wissenschaftlich untersucht werden. Er entwickelt sie wesentlich fort, indem er eine anwendbare, universell gültige, nachprüfbare Methode zur Gewinnung moralischer, situativ anwendbarer Urteile darlegt. Der Standpunkt von dem aus diese Urteile gewonnen werden können, ist dabei der, der Person selbst und dem Gebrauch, den sie selbst darin macht. Hierin wendet sie ihren Anteil an der übersinnlichen – gebraucht im Sinne von Über-den-Sinnen-stehend –, objektiven und damit allgemeinen Welt der Vernunft an und sucht so autonom nach einem moralisch gesicherten, also vernunftbestimmten, Urteil für ihre Handlungen, so wie sie zu tun sind, weil es geboten ist. Kant beschreibt also kein Instrument oder eine Methode zur Kritik von Handlungen außerhalb der Wirksamkeit von Personen, sondern er gibt der aufgeklärten und sich selbst aufklärenden Person ein Instrument zur selbstbestimmten Eigenverantwortung in die Hand. Ein Instrument zum Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Kant 1784) gegenüber den gesetzgebenden Prinzipien seiner Handlungen.

II.II. Die Erfassung des kategorische Imperativs – Aufklärung über objektiv Gesetztes
Die Gesetze sind gegeben – gesetzt, aus ihnen leiten sich Kants Formeln für die
Anwendung der reinen Vernunft in praktischer Hinsicht ab. Damit wird eine Person sich
ihrer Freiheit bewußt und setzt sich instand und Selbstverpflichtung, autonom zu ermitteln, was objektiv situativ geboten ist, sowie das Handeln darin vor sich selbst und der praktischen Vernunft zu begründen, ohne durch den nachrangigen subjektiven, relativistischen, zufälligen Standpunkt gefährdet zu sein. Der Mensch als Person erkennt diese – schon a priori gegebenen – Prinzipien durch Einsicht in ihr Gesetz. Damit wird er frei von Bevormundung, selbst mündig und nimmt Einsicht in seine Selbstverantwortlichkeit. Eine Unkenntnis der Pflichten mindert die Gebote der praktischen Vernunft nicht. Sie werden dadurch nicht angetastet. Ihre ewige, objektive Realität hängt nicht von Kenntnis oder Unkenntnis ab. Die Person hat in einem solchen Fall lediglich keine Einsicht und ihre Handlungsgrundlage nicht frei ermittelt. Sie erkennt ihre Verantwortung, ihren Zweck, ihre Mittel und ihre Autonomie nicht. Sie agiert dann ohne den Willen zu bilden – ist in Unkenntnis über die Freiheit dazu und ist ohne die in ihr auffindbaren Gesetze zu kennen und zu achten, gleichsam orientierungslos und ohne Selbstachtung. Eine bewußte Missachtung des Gesetzes der praktischen Vernunft aber führt zu einer Selbstmissachtung einer Person, zu einem Selbstwiderspruch, an dem sie selbst und gleichzeitig die Menschheit in ihrer Person in dieser Weise Schaden nimmt. Die Erläuterung dieses Zusammenhangs weist daraufhin, dass die mangelnde Selbstachtung eine Person ernsthaft schädigt und als ein Verstoß gegen die vollkommenen Pflichten ernsthafte Konsequenzen für ihre Integrität hat. Auch, wenn der Blick auf Konsequenzen kein ausreichendes Begründungsverhältnis im Hinblick auf eine Bestimmung einer Beurteilung einer Handlung hat, ist es doch naheliegend zu vermuten, dass sich aus der Verletzung des Gebotes der Vernunft auch weitere Probleme in der Urteilsfähigkeit ergeben, da der Ankerpunkt klarer Einsicht dem Denken fehlt.

III. Fazit
Die grosse Leistung Kants ist insgesamt, dass er argumentativ schlüssig macht, dass der
Mensch sowohl der nachrangigen Welt der Erfahrung, der sinnlichen, physischen Welt als auch zugleich der übergeordneten Welt des Übersinnlichen – der Vernunft – angehört, in der das Kausalitätsprinzip nicht gilt, das das reaktive Folgen aus allen Naturgesetzmäßigkeiten erfaßt. In der Welt universeller und verbindenden Vernunftprinzipien kommt das weitere Ursachenprinzip an den Noumena zum stehen, sie sind Voraussetzungen a priori, die nicht mit der Erfahrungswelt korrespondieren, sondern mit dem Verstand als Instrument zum Zugang zu unserem Vernunftanteil erfasst werden können und müssen. Dies auch ohne, dass ihre Prinzipien erfahrbar oder erfahren sein müssen oder können und ohne weiter verursacht zu sein – also erzeugt. Auf der Vernunftebene befinden wir uns also in einer objektiven Welt des Allgemeinen, anders gesagt – des Universellen, mit unserem naturzugehörigen und zeitlichen Anteil hingegen in der subjektiven Welt der Phänomene und Empirie. Mit der Anwendung der objektiven und universellen Prinzipien als Bestimmungsgründe für unser Handeln, machen wir von der Welt der Vernunft selbstverpflichtet und verpflichtend Gebrauch. In diesem Teil der Realität ist Freiheit a priori vorauszusetzen. Die Welt der Vernunft ist der subjektiven, reaktiven Welt vorrangig einzuordnen und verknüpft – und daher durch die Person aktiv willentlich seiner Praxis überzuordnen. Dies gebietet ihr Gesetz und die (Be-) Achtung desselben – das ist das Handeln aus Pflicht.
Kant erläutert, dass der verstandesbasierte Vollzug der Einsicht in die gegebene
Vernunftordnung nicht das Gleiche ist, wie Gelehrsamkeit im Hinblick auf die Welt der
Empirie, also beispielsweise eines Historikers, und grenzt hier die Forschungstätigkeit der Philosophie klar ab. Der Philosophieverpflichtete nähert sich gedanklich den objektiven Gesetzen, die er- und begründbar sind, und macht weniger die genaue Kenntnis der vielfältigen und durch Zufälle entstandenen Erscheinungsformen auf der phänomenologischen Ebene zum Ziel seiner Untersuchungen. Er begründet nicht am
Einzelnen, Subjektiven und sammelt hierin Wissen. Er schliesst aber auch bloße Annahmen, also Spekulation, aus, indem er nur gelten läßt, was argumentativ schlüssig und inhaltlich gesichert und unbezweifelbar ist. Hierin bleibt er sich seiner Begrenztheit bewußt und vermeidet jede Übertreibung, Selbstverausgabung, Allwissenheitsanspruch oder -streben.
Aus dem gleichen Grund verwirft Kant auch das Regulative im Sinne von Regeln als
Basis zur Gründung moralischen Handelns und begründet demgegenüber kategorisch – also in strikter Weise: In jedem Fall von Handeln ist prinzipiell das Gesetz der praktischen
Vernunft gültig und daher – aktiv und autonom – anzuwenden. Regeln hingegen leiten sich aus einer empirischen Begründung ab und folgen einer Wenn-Dann-Beziehung, zielen also zwangsläufig auf ein Ergebnis und machen daher nicht das Handeln zum Gegenstand der Überlegungen. Sie sind Praxis der Kunstfertigkeit – aristotelisch „Techne“ und Ratschlägeder Klugheit (Kant 1785, S. 46), keine übergeordneten Kategorien, welche zwar inhaltlich nicht konkret sind, aber dem Urteil über die Konkretisierung allein auf das hin, was kategorisch fassbar ist – die Art der Handlung jenseits ihrer hypothetisch basierten Ziele, grundsätzlich dienen. Seine Überlegungen fokussieren sich daher also nicht auf lediglich Bekanntes, sondern schliessen auch Zukünftiges und Unbekanntes ein und zwar ausschliesslich auf den Anteil für den prinzipiell formuliert werden kann, – nämlich allein dem, was der Willen erreichen kann ohne Einflüssen anderer Art zu unterliegen – dem
Handeln und nicht dem angestrebten Ergebnis des Handelns aufgrund der Annahme von Hypothesen und anderen Spekulationen. Seine Erläuterungen zielen gerade nicht auf eine reaktive Unterordnung unter ein äußeres Regime, sondern legen offen, worin der Mensch frei ist. Sie klären genau über den höherrangigen Rahmen der Autonomie auf – zu der der Mensch verpflichtet und worin er verantwortlich ist.

IV. Literaturverzeichnis
Kant, Immanuel, Kritik der praktischen Vernunft | Grundlegung zur Metaphysik der Sitten,
Herausg. Weischedel, Wilhelm, 8. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2014

Ein Gedanke zu „Eine Hausarbeit zu Kants praktischem Imperativ (2017)

  1. Nach hoppeligem Anfang wird es ganz gut. Es ist üblich, die Quellen zu nennen und zu zitieren, die die Vorwürfe enthalten. So bleibt die Auseinandersetzung damit wenig konkret, aber das war wohl auch nicht das Hauptziel.

    Wie ich sehe, kommen die Yahoos bei Kant auch vor.

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