Gedichte aus „Nachwendezeit“: 05 | „Nachricht“, 06 | „Juli“

05 | Nachricht

Ich betrachte Dich gerne
und weiss nicht wann
oder gar ob ich Dich
eines Tages wiedersehen kann.

Ich hoffe sehr, es geht Dir gut.

Ich habe Dich gerne
und weiss nicht wie,
sich Kümmernis und Trübnis
wieder verziehen,
die bei mir eingezogen sind,
seitdem Du abschiedslos
verschwunden bist.

Ich hoffe sehr, dass Du in Sicherheit bist.

Ich denke an Dich
und blicke träumend darauf zurück,
wie wir uns wortlos verbanden
und einander verständig erspürten,
ohne dass etwas anderes
als ein ozeanischer Blick
dazu notwendig gewesen ist.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du geborgen bist.

Ich sitze hier
und stelle mir vor,
Du kämest zu mir,
klopftest entschlossen an meine Tür
und wenn ich öffnete,
zögest Du mich wieder vergnügt
und glücklich an Dich.

Ich wünsche Dir sehr, dass Segen und Liebe Deine Begleiter sind.

06 | Juli

Zwei Regentropfen, deren Weg sich
auf einem stumpfgrauen, verzinkten Fensterblech
kreuzt, fliessen kriechend zusammen.
Sie fallen von dort, schwer leckend,
von der abgeschrägten Kante zur Erde.

Die feuchte Luft, in die Dunstschleier milchig malen,
schlägt sich auf Brillengläsern nieder.
Wangenmuskulatur und Nacken schmerzen,
weil das Schauen auf die Tastatur
in dem trüben Licht
nicht ganz leicht ist.

Autoreifen kurven laut schmatzend
durch silbrig glänzende Sommerpfützen.
Klirrend tschilpend sitzen aufgescheuchte Spatzen
im Sand auf dem Boden
unter den Kronen
regenfeuchter Linden.

Die Zeit kriecht voran und nimmt
alles mit, was aus Plänen, Träumen und Gedanken
aus gestern in diesen Tag gepflanzt ist,
bis jeder Halt darin
mit der Regennässe fortgespült ist
und nur der Augenblick
noch trägt.

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