In diesem Leben…

“In diesem Leben stehe ich vor einem schwankenden Horizont. Meine Überzeugungen sind nicht fest und sicher. Oft kann ich nicht entscheiden, was gut und richtig ist. Oder die Konsequenzen der Entscheidung zu tragen, erscheint mir zu unbequem. Allerdings ist diese Unentschiedenheit gar nicht sonderlich bequem, man kriegt das Simple einfach nicht zu fassen. Legte man sich fest, wäre alles gut sortiert. Man trüge die richtige Überzeugung, wie ein gut sitzendes Kleid und bräuchte sich um seine Rechtschaffenheit keine Gedanken zu machen. Zufrieden mit sich und mit der Welt im Reinen, könnte man sich beglückwünschen, welch’ großartige Weitsicht und welche Segnung von Talent sich in einem vereinigte. Aber regelmäßig bekomme ich ihn nicht zu fassen, diesen erhabenen Standpunkt und reibe mich an einer Welt, die Unerbittlichkeit in sich trägt. Nun ja, unser aller fatales Ende  – darin ist die Welt mit Sicherheit unerbittlich.”

11 Gedanken zu „In diesem Leben…

    • Eine gewitzte Frage, lieber Gottt. Da Wahrnehmungen äußerst täuschungsanfällig sind, sind auch Konklusionen ein schwieriges Feld. Letztlich lassen sich nur sehr wenige Dinge “beweisen”. Der menschliche Sinnesapparat hingegen ist fehleranfällig. Für mich sind Ambivalenzen, wie eine zweite Haut. Auf der einen Seite schlußfolgere ich, auf der anderen Seite möchte ich diese und jenes und gleichzeitig konträr anderes. Objektiv bin ich subjektiv.

      • Nein. Ein Schluß ist immer richtig, sofern die Annahmen, von denen er ausgeht, richtig sind und richtig geschloßen wurde, also nach den Regeln.

        Der Schluß ist immer noch richtig gezogen, wenn sie falsch sind. Die Prüfung der Annahmen und der Schluß sind zwei verschiedene Sachen, die nicht zu vermischen sind, was du aber tust. Da mußt du noch Reinigungsarbeit durchführen. Die Vermischung ist ein Fehler!

        Konklusionen sind also KEIN schwieriges Feld, sondern ziemlich einfach.

        Die Prüfung der Annahmen ist schon schwieriger, aber auch hier kann man einiges erreichen.

        Zudem haben wir, da Schlüße ja einfach und eindeutig sind, die Möglichkeit für eine Mehrzahl an Annahmen zu schließen. Nehmen wir an, es gibt eine maximale Zahl von 10 möglichen Annahmen, aber das Ergebnis des Schlußes ist in jedem Fall gleich, dann haben wir schon ein Ergebnis. Wenn wir aber gar nicht anfangen, zu schließen, weil wir nicht wissen, welche richtig ist, kommen wir nicht weiter.

        Ja, und im zweiten Teil sprichst Du den Abgrund an, in den Viele springen. Nämlich, das Richtige zu erkennen, aber trotzdem das andere zu tun. Das sollte man aber nicht, das führt zu nichts. Der Wille selbst ist zu problematisieren und zu rationalisieren.

        Man muß richtig schließen können, das auch tun und damit soweit kommen, wie es eben möglich ist. Auf keinen Fall kann man seine persönlichen Vorlieben hier interferieren lassen. Und wenn man das Alles geschafft hat, hat man ein hervorragendes Werkzeug und ist ein Gott, den du aber nicht ständig dekonspirieren solltest.

        • Ganz richtig, man kann richtig aus falschen Annahmen schliessen, was zwar ein richtiger Schluß ist, aber voraussetzen würde, um zur Wahrheit zu gelangen, dass auch die Annahmen wahr sind. Womit wir bei dem schwierigen Feld wären… So ist die Logik eine feine Sache, der Wahrheitsgehalt der Konklusionen aber steht auf einem anderen Blatt, wenn die Prämissen falsch sind, trotz richtiger Schlußfolgerung. Ich bewundere jeden, der da dem Göttlichen nahekommt und schliesse, dass mir das nicht gegeben ist, da ich objektiv recht subjektiv bin. Mir also über die Prämissen nicht hundertprozent sicher bin.

  1. Ja, daran solltest du dann aber arbeiten. Ein Schluß ist erstmal eine theoretische, in sich selbst abgegrenzte Sache.

    Zum Beispiel: x + x = 2x

    Für die Richtigkeit dieses Schlußes spielt es erstmal keine Rolle, ob x existiert und was es ist. Er bleibt an sich richtig. Und das Schöne ist, man kann für x Verschiedenes einsetzen und muß nicht jedes mal neu rechnen.

    Also verbuchen wir das. Und die Feststellung, ob x existiert und was es ist, ist dann eine andere, separate Sache.

    Wir können unbeschadet dessen schon behaupten: Wenn x existiert, dann trifft dieser Schluß zu.

    Erkenntnisschwierieigkeiten dürfen nicht dazu führen, daß man zu denken aufhört. Du gibst zu schnell auf. “Das ist ein weites Feld” ist keine Ausrede.

    Wenn man sich mit einer Sache beschäftigt, kommt man oft weiter, als man erstmal annimmt. Zum Beispiel habe ich neulich unserem Schreibmaschinengedichtefreund nachgewiesen, daß es freien Willen geben muß. Auf den Schluß dazu bin ich erst beim Verfassen gekommen.

  2. Gegen Lebenskunst ist nichts einzuwenden.

    Denken ist Rechnen. Was sonst? Fühlen ist es offensichtlich nicht, sonst hieße es Fühlen.

    Mit Rechnen kommt man zu einem Ergebnis.
    Mit Fühlen kommt man zu keinem Ergebnis.

    Rechnen ist voraussehend.
    Fühlen ist nachläufig, es konstatiert nur, was war und ist und reagiert darauf verspätet.

    Alle Menschen fühlen.
    Fast keiner denkt.

    Die Denker haben also beide Fähigkeiten, die Nichtdenker können nur fühlen. Entsprechend amputiert, konfus, planlos und hochgefährlich sind sie.

    Daher ist die menschliche Weltgeschichte so verlaufen. Zuviele Fühler, zu wenige Denker. Erst wer richtig denken kann, hat den Sprung zum Übermenschen geschafft.

    • Nun, Descartes, der ein Verfechter des richtigen Denkens war, hielt ein Gefühl, das zu Bewußtsein kommt, für denken. Er hat aber betont, dass der Geist, um zu richtigen Schlüssen zu kommen, richtig geleitet werden müsse.
      Der logische Empirismus des Wiener Kreises hingegen stand jedoch durchaus in der Kritik.

  3. Klar, ein Gefühl, das zum Bewußtsein kommt, ist der Anfang des Denkens. Das Gefühl wird ab diesem Zeitpunkt nämlich als Denkgegenstand behandelt, der auch jemand anderem zuzurechnen sein kann. Damit sind wir beim Rechnen. Oder wir haben zumindestens schon eine Kugel auf dem Rechenschieber.

    Ja, man unterscheidet unter Philosophen Wittgenstein I und Wittgenstein II. Das heißt nicht, daß Wittgenstein II besser ist.

    Ich fühl mich gerade wie Lord Vader. “Wenn du nur wüßtest, welche Übelegenheit die Macht verleiht!” Also in diesem Fall das denkerische Rechnen.

    So, ich muß jetzt gehen, um der Galaxis Frieden und Ordnung zurückzugeben.

  4. Mein Meisterplan zur Befriedung der Galaxis sieht vor, die Yahoos nach Antarctica zu vertreiben und alle Religionen aufzuheben, wofür ich schon eine Ministerin ernannt habe, die viel schärfer als ich ist und das im römischen Stil durchführen wird. Kann also nicht ganz schlecht sein! Auch die bisherigen Staaten werden natürlich aufgehoben zugunsten der Herrschaft der Vernunft. Diverse gegenwärtige Kriege haben sich damit schon mal erledigt.

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