Ich denke an Deutschland bei Tag und bei Nacht

Tag- und Nachtgedanken

Ich denke an Deutschland bei Tag und bei Nacht
und bin so um den Schlaf gebracht.
Der Michel schläft so süß, wie immer,
kein Albdruck, der ihn im Schlaf bekümmert.

Ich aber werde grau vor Sorge und Gram,
doch mein Michel, der kennt gar keine Scham.
Weil die im Lichte so gut für ihn sorgen,
schenkt er Ihnen gerne die Blüte von Morgen.

Man darf ihm vergiftetes Wasser auftischen,
auch gerne mit Smog die Lungen erfrischen.
Er salbt sich in Bädern aus poliertem Stein,
der Frohn dahinter, holt in nicht ein.

Ihn stör’n nicht die anderen, die darben,
die soll’n sich anstrengen, dann könn’ sie auch alles haben.
Der Jugend schenkt er kein aufmunterndes Lächeln,
sie soll sich auch mal ernähren von “anständigen” Verbrechen.

Er stiehlt auch den Kindern die helle Freude und das glückliche Spiel,
verkauft ihnen dafür Gameboys und Silikon als kulturelles Ziel.
Von keiner Neugier und keinem Verständnis getrübt,
ist er im Aufschütteln der Betten auf’s Beste geübt.

Ach, Michel ich fürchte, der Trug schmeckt Dir ja so gut,
daß Dich nicht mal scheuet, daß hierfür geopfert
unendlich viel und täglich und sehr grausam
rein menschliches Blut.
Du schläfst wohl so traulich und äußerst kommod.
Dich kümmert nicht ferner Krieg und eiskalter Tod.

Ach, Michel ich fürchte, Du fährst in die Hölle
und bringst uns alle ins Grab.
Das macht mich um Dich nicht mehr bange,
aber um die andern ist’s elendig traurig und herzschmerzend schad.

Replik auf Heinrich Heine, Denk ich an Deutschland

Pan Dora, SR, Oktober 2009

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