Hochverehrtes Publikum – seid Ihr alle da?

Rührt Ihr auch in Eurem Tee und seid unsicher, ob etwas in Eurem Dasein Sinn ergibt? Seid Ihr auf die Gewinner- oder Verliererseite gefallen? Glaubt Ihr an die unsägliche und zynische Prädestinationslehre? Habt Ihr Euch Familie als Publikum angeschafft? Haben Eure Taten, was Ihr denkt und tut, eine Bedeutung im Lärm der Welt? Fragt Ihr Euch, wie aus den Apologeten der Friedensbewegung, entschiedene Befürworter der Aufrüstung wurden? Seid Ihr fassungslos, weil wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen? Welche Wirksamkeit kann ein Mensch entfalten? Ist es überhaupt wünschenswert, dass ein einzelner Mensch übermäßig wirksam wird? Ist dem Heldentum zu trauen?
Wir versuchen die Welt zu gestalten, indem wir uns ins Gefüge einpassen, aber die Möglichkeiten, die uns dabei gelassen werden, sind nur Konzepte, die das Tradierte in Gewändern a la mode wiederholen. Wir gehen shoppen im Leben unserer Nachbarn, Eltern und Großeltern und den Geschichten, die uns Hollywood liefert und das war es. Sogar der drohende Atomkrieg scheint seine Schrecken verloren zu haben. Die Jungen, die den Autoverkehr blockieren, werden zu Terroristen erklärt. Wer ins Unglück fällt, wird mit Häme überzogen. Wer die Anpassung nicht leisten kann oder  – frech nicht will – zum Feind erklärt. Zermürbende Leere in unserem Inneren wird mit bunter Dekoration überzogen. In den Kirchen werden zwar in Wirklichkeit, die Kinder geschändet, die wir selbst nicht erziehen wollen, aber wer verzichtet schon auf eine kirchliche Traumhochzeit? Wenn ihr dann eines Tages aus den süßen Träumen erwacht und Ihr auf Grund lauft, fühlt ihr Euch wegen Eures Versagens schuldig. Dabei ist nur das Scheitern möglich. Falsche Lieder wurden Euch zum Einlullen gesungen – aus den Träumen werden Albträume. In Eure Gärten brechen die Wildschweine ein und verwüsten, was Ihr mühsam errichtet habt.
Was ist eine Gesellschaft wert, die nicht alle mitnimmt. In der das Elend eingepreist ist?
In der die Elenden noch im günstigen Fall mit tödlicher Ignoranz gestraft werden? In der der Zweifel ein Verstoß gegen die guten Sitten ist? Es gälte eine Wirklichkeit zu erschaffen in der die Zumutung in die Welt geworfen zu sein, durch Takt und Feingefühl pariert wird.
Laßt Euch nicht in die Kerker trauriger Gewohnheiten sperren, die doch den Unglücklichen nur quälen. Erschafft eine Welt, die fein ist und laßt Euch nicht vom Stiefel der Anpassung niederdrücken.

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