Gedichte: Sommerluft, Verfahren, Fado, Fado II



42 | Fado II

Rascheln, Wispern,
Flattern, Zwitschern,
das Schaben von durchleuchteten Blättern,
zwischen strohgelben Grashalmen leises Knistern.

Weiss getürmte Schafswolken
am milchblauen Himmel.
Von schmetterndem Vogelgesang Ohrenklingeln.
Im lichten Schatten eines Strauchs
zurück zu mir finden.

Der zarte Duft
von sommergrünen Silberlinden,
deren Kronen sich sanft im lauen Lufthauch wiegen.
Mich traumverloren
an die leuchtenden Erinnerung schmiegen.


41 | Fado

Ich schmiege mich an Dich
und hauche zärtlich
in Dein Ohr.
Denn Du zauberst an mir
die schönsten Seiten hervor.

Ich bin Dir schmelzend ergeben
und tauche in Dein Licht,
trotz Dunkelheit und Zorn
in Deinem jungen Männergesicht.

Du schreitest voran
und ich kann nicht mit.
So dringt in meine Herz
blaue Trauer und melancholische Bitternis.

Ich suche daher nach
einer klugen List,
damit unsere gerade geborene Liebe
nicht schon wieder Vergangenheit ist.

40 | Verfahren

Ich befasse mich seit Tagen
mit einem handhabbaren Verfahren
aus Deinen rotgelockten Haaren
ein festes Band
zu winden,
das es vermag Dich beständig
an mich zu binden.

Ich fürchte, ich habe mich dabei
in eine Verwirrung verfahren und kann
Dich nur noch durch Dein
fotografiertes Bildnis imaginieren,
weil es unmöglich sein wird,
Dich wieder aufzuspüren.

Ich setze mich unter die sommerlichen Linden
und laß mir von lauen Winden
gelbe Blütenstände vor die Füsse wehen.
Mir bleibt nur verloren von Dir zu träumen,
im Sitzen, im Liegen, im Stehen und Gehen.

39 | Sommerluft

Ich trage ein weisses T-Shirt
und eine schwarze fischgrat-
gewebte Hose aus Leinen
mit weiten Beinen.
Mein Name ist Schüchternheit.

So sitz‘ ich allein
in der feuchtwarmen Hitze
im lichten Schatten auf einer Bank
und hoffe, Du sprichst mich an
damit ich mich mit Dir im Gespräch verbinden kann.

Von den Linden fallen gelbe Blüten
auf mich herab.
Sie schmücken
meine Kleider mit ihrem Kontrast.

Sie führen noch tiefer in die Wünsche hinein.
In ihnen kann ich Dich anleuchten
und unbeschwert sein.
Darin saugen wir aus der sanften Luft
die Mildheit und den schwersüßen Blütenduft.

Wir streichen liebevoll  und aufmerksam
entlang des anderen Gesichtskontur
und horchen erschrocken auf unsere
laut pochende Herzensaufruhr.

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