Gedichte: Sommerbriesen, Versäumnis, Ich feiere Dich


57 | Ich feiere Dich

Mein Lieber, ich feiere Dich
und Deine schmelzzarte Jugend.
Mir genügt, als Deine hervorragende Tugend,
Dein helles Strahlen.

Deine Grübchen in den Wangen
und der Charme Deines Lächelns
konnten mir Dich an mich
wie ein stürmischer Wind herantragen
und mir leichthin meinen Verstand rauben.

Nun muß ich mich täglich unbeantwortet fragen,
wie konnte ich so unbedarft
auf Deine Listigkeit hereinfallen.

Ich möchte es mit Plakaten
an alle Wände anschlagen
– ich möchte als einzige Tat,
Dich noch einmal umarmen.


56 | Versäumnis

Ich ging im Flur an Deiner geöffneten Tür
vorüber. Du lagst im Dunkeln,
wie ein lauerndes Tier.
Ich schritt nur zögernd weiter,
denn ich habe mit Macht Deine Anziehung gespürt.
Sie hat mich benommen gemacht
und in jeder Faser berührt.

Ich war zu ängstlich,
um auf Dich zuzugehen.
Heute würde ich gerne die Zeit
zu diesem Augenblick zurückdrehen,
denn ich wünsche mir sehnlich nichts anderes,
als Dich noch einmal zu sehen.

55 | Sommerbriesen

Ich höre so gerne, wenn die Bäume
sich in einer Briese wiegen.
Ich mag das Rascheln, Wispern und
Knistern der Blätter im Wind.

Dann kann ich Stunden in der Kühle
ihrer Schatten auf einer hölzernen Bank liegen
und den Schwalbenflug über mir
am leuchtend blauen Himmel geniessen.

Dann halte ich aus, daß die Schweissperlen
mir über das Gesicht strömen
und beobachte die Vögel,
die auf den Ästen in der Höhe sitzen.

Dann sehe ich über mir
fedrige Schleierwolken vorüberziehen.
So kann gemächlich die Zeit vergehen,
deren sommerliche Düfte, Klänge und Farben
ihr Berechtigung und Sinn geben.

Das nenne ich schlicht,
wirklich leben.

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