Gedichte: Im Garten, Juni


36 | Juni

Am azurnen Himmel
verdunsten fedrige, milchige Schleier.
Vom Lindenduft ausgelöste Sehnsucht
erzeugt in mir fantasierte Abenteuer.

Leise scherzen Grüppchen
mit kehligem Stimmenklang.
Wir sind miteinander
von luftfeuchter Hitze umfangen.
Ein Flugzeug lärmt rumorend
über uns hinweg.
Wir bleiben am liebsten
im kühlenden Dunkel der Schatten versteckt.
Dazu stimmt eine Amsel mit ihrem tackernden Gesang
die klirrenden Jubeltöne des Sommers an.

35 | Im Garten

Ich sitze im Schatten
unterm Strauch im Garten.
Von schwüler Hitze
kann ich kaum atmen.
Wenn ich könnte, wie ich wollte,
würde ich Dich jetzt gerne umarmen.

Seit meinem Konzertbesuch
am gestrigen Abend,
kenne ich Dein Revier.
Es befindet sich nur einige Kilometer von hier.
Doch in diesem Garten hörte ich
in der Abenddämmerung die Nachtigall mit Dir.
An diesem Ort umarmten wir einander
und verschmolzen zum „Wir“.
Drum wünsche ich weiter,
Du kommst wieder hierher zu mir.

Eine Spatzendame sitzt pickend
auf dem Boden vor mir.
Sie späht mich aus kleinen, dunklen
Augen an,
ein vorwitzig, wachsames Tier
und guckt, ob ich ihr
ein paar Krumen spendier.

Doch ich leg den Kopf in den Nacken
und blicke in die gelbblühende Linde
vorm Himmel über mir.
So wünsche ich weiter vergeblich
und hoffe dabei nur, Du vergißt nicht,
daß ich seit etlichen Tagen
in diesem zeitentrückten Paradiesgarten
warte auf Dich.

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