Gedichte: Die Flügel der Liebe, Lobgesang, Zuhaus, Losgelassen, Hitze, Küstentag

49 | Küstentag

Meeresduft weht mit der salzigen Luft
von der Gischt am Strandsaum herüber.
Dunstige Schlieren schweben am getüpfelten Blau
des hohen Himmels vorüber.

Seeschwalben tauchen im Sturzflug
in die gleichmäßig anlandenden Wellen.
Strandkörbe werden von ihren Mietern
mit der Rückseite zum Wind aufgestellt.

Die Wasseroberfläche glitzert und blinkt,
weil das gleissende Sonnenlicht
auf die Kräuselung fällt.

Der feine, helle Sand rieselt
durch die Lücken zwischen den Fingern an meiner Hand
und wird von der Briese verweht.
Ein gebräuntes Kind, das mit den Füssen
im flachen Wasser steht
und sein Profil in das Licht der Sommersonne dreht.

Lauwarmer Kartoffelsalat aus einer grossen Schale.
Ich sprinte in das kühlende Naß
und tauche hinein mit meiner verbrannten, heissen Nase.

Ich lege mich bäuchlings zum Trocknen
auf das Handtuch auf dem Sand
und blinzel Dich über den Arm
aus meinen schwarzbewimperten Augen an.
Dahin treibt mich ein
von der Hitze gemildertes Verlangen.

Am Abend sehen wir die Sterne am Firmament
hoch über uns prangen
und werden frisch und süß
vom Heckenrosenduft umfangen.


48 | Hitze

Ich schlappe schlaff durch die heissen Tage
und warte, ob die schwülen Hitzewellen
neue Gedichte an mich herantragen.
Ich sitze im Schatten im duftenden Garten
und hoffe, daß die Flügelschwingen
der Poesie mich streifen.
Ich möchte meine inneres Brodeln
in geordneten Gedanken begreifen.

Wie gern, würde ich in die Fülle des leuchtenden Sommers
mit wohlgesetzten Versen hineingreifen.
So könnte ich die bräsig zähe Luft
mit dem Schwert meiner Worte durchschneiden
und mir selbst zu gerundeten Momenten verhelfen.


47 | Losgelassen

Wir nahmen uns bei der Hand
– so sacht und einfühlsam.
Jetzt frage ich, wen klag ich an,
daß wir einander viel zu bald
wieder losgelassen haben?

Ich weiss schon, ich war eine Närrin,
die glaubte, daß Dein charmantes Lächeln
mir mehr versprach,
als eine Liebesstunde
an einem Mondsicheltag.

Du gingst davon.
Ich wünsche Dir Glück
und hole Dich mit meiner Erinnerung
in meine Gegenwart zurück.

Es wäre mir zwar lieber,
wenn ich minütlich wieder
mit meinen Fingern
durch Deine Kupferlocken strich.
So hoffe ich nur,
Du vergißt mich nicht.


46 | Zuhaus

Trotz mancher bitteren Stunde
hat der Kosmos mich zu dieser Minute geführt.
Dafür hat er Milliarden heller Momente aufgetürmt.
Das Universum ist aus Strahlen gemacht.
Auch in der Dunkelheit einer mondlosen Nacht.

Dies Strahlen hat einen noch feineren Klang,
als der Elfen himmlischer Gesang.
Es dringt durch Membranen und Gestein.
Es muß sogar noch in feinstem
Staub enthalten sein.

Über diesem Zuhaus bildet bei Nacht und bei Tag
die Milchstrasse das gesprenkelte, hypnotische Dach,
selbst wenn die Sonne sie durch Nähe überstrahlt.

Ich lade Dich ein,
mit mir in unserem Zuhaus
der Wunder unserer gemeinsamen Vergangenheit
eingedenk zu sein.

 

45 | Lobgesang

Wie herrlich ist der feine Samt
Deiner sommersprossenen Milchhaut.
Wie schön funkeln die Sterne
der blauen Iris‘ Deiner Augen.
Wie krönend sind die Kupferlocken
auf Deinem lächelnden Haupt.
Wie düster Du mich vor Ungeduld anschaust.
Wie ängstlich Du bemerkst,
daß ich des öfteren durch
die geblähten Nasenflügel schnaub‘.
Wie gänzlich ich Dir seit der sachten
Berührung unserer Hände trau.
Wie ich vermisse den scharfen Geruch
Deiner Achseln Schweißtau.
Wie vollkommen war die Begegnung
zwischen uns als Mann und Frau.

Doch mir ist nur geblieben,
daß ich himmelhohe Liebesluftschlösser mir für
unsere Zukunft ausmal
und die so erträumten neuen Glücksfantasien ausbau.


44 | Die Flügel der Liebe

Die Liebe hat mich aufgehoben
und sie hat mich niedergerungen.
Ich bin auf ihren Schwingen davongeflogen
und habe das von ihr verursachte Leid besungen.

Durch die Liebe
habe ich mich in Dir gespiegelt.
Unter ihrem Flügel habe ich
mein verschlossenes Herz entriegelt.

Die Liebe hat uns zusammengeführt.
Mit ihr hast Du meine erstarrte Seele
zum Schmelzen verführt.
Ich habe durch sie erlebt,
welche unerbittliche Macht ihr angehört.

Durch sie habe ich die Kraft gespürt,
die sie Dir gab, mich zu blenden und betören.
Sie liess mich nach kurzer Zeit schwören,
dass ich Dir bis in die Ewigkeit will angehören.

Die Liebe ist mir ein lodernder Feuersturm.
Ich wurde zur Närrin,
die in ihrer Glut hat die Hingebung beschworen
und wurde schliesslich durch ihrer Flammen
Vernichtung neu geboren.

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