Gedicht aus „Nachwendezeit“ – 04 | „In aller Munde

“

In aller Munde ist 
die Rede,
wir seien frei.
Ich verstehe solche Rede nicht.
Und nicht, dass man dann davon spricht,
als ob das Tugend sei.

Ich weiss nicht, ob Ihr folgen mögt,
ich denke so:
Des Menschen größte Freiheit ist,
dass er sein Handeln daran bemißt,
dass er sich mit seinem ganzen Bewusstsein erschliesst,
dass er unlöslich an andere
und die Natur gebunden ist.

Woraus er sich dann ebenso bewußt
zur Prüfung der Güte seiner Handlungen entschliesst,
die er aus Einsicht in das Notwendige bestimmt
und worin er die Zwecke anerkennt,
die ihm und den anderen gegeben sind.

Dass er also in Freiheit tut,
was er als das erkennt,
was ihm unter Berücksichtigung
der Pflicht
gegeben ist.

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