Gedicht 60 | Spiegelstriche




60 | Spiegelstriche

Ich stehe im warmen Wind
und spüre den Bewegungen nach,
die ein paar Taiji-Übungen
in meine gehaltenen Schultern gebracht haben.

Ich sitze im Schatten
flatternder Blätter
und sehe dem Zittern nach,
das Böen in die Sträucher tragen.

Ich horche auf das Rauschen
der Baumkronen
und denke über die Worte nach,
die wir einander nicht gesagt haben.

Ich drehe mein Kinn
in der lauen Luft
und überlege mir,
warum wir soviel Angefangenes liegen lassen.

Ich blinzel durch die 
halbgeschlossenen Augenlider
und frage mich,
warum ich Dich loslassen mußte,
als ich gerade glaubte,
daß wir etwas voneinander verstanden haben.

Eines Tages, so hoffe ich,
kommt es zum Schluß,
daß wir zueinander einfach „Ja“ sagen.

Aber jetzt lausche ich, wie tief
Deine „Nein“ in mich hereinragen.
Darum möchte ich in mein Herz
die passende Stille hineintragen.

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