Ein allzu stiller Sonntagmorgen

Es ist ein allzu stiller Sonntagmorgen kurz bevor der November anbricht. Die Nacht war zerstückelt. Bin in der Dämmerung aus dem Bett gekrochen. Und habe mich mit einem frischen Kaffee wieder hingelegt. Sollte nicht klagen. Habe mich in die Arbeit eingefunden und sortiere am Nachmittag meine schmerzenden Knochen. So ist es halt, die Gebrochenen müssen schuften. Nur wer schon äußerlich Jugend, Erfolg und Glück verheißt, kann mit besseren Bedingungen rechnen. Meine Mutter wurde nur zweiundsechzig – für mich bedeutet das  – von jetzt an noch drei Jahre. Sie starb an zerbrochenen Träumen und beschuldigte die Welt. Zuvor hatte sie sich am Erbe meiner Schwester, dass ihr mein Adoptivvater hinterlassen hatte, schadlos gehalten bis es aufgebraucht war. Nichts konnte ihre Wunden heilen. Auch keine Güter. Ihre Enkelinnen hat sie nicht kennengelernt. Ich wurde enterbt, wie von allen meinen Eltern. Sie hielten mir meine mangelnde Stressresilienz vor und nahmen sie persönlich. Allerdings war ich als Kind mit viel Stress und Verantwortung belastet und stand grosse Ängste aus. Ich wurde auch ungefragt vor einschneidende Entscheidungen meiner Eltern gestellt, ob sie sich trennten und mich zurückliessen, mich umtopften oder sonstige Beschlüsse faßten. Ich mußte alles mitmachen. Seither ist mir Willkür verhaßt. Viele suchen nach einer Stimme, doch gegen die Kakophonie des Weltgetöses kommt man schlecht an. Und doch – die Stille ist schwer zu nehmen.

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