Demütigend?

“Es geht um Arbeit an sich. 40 Stunden sind für jeden Menschen zu viel. Für uns höhere Semester ist es einfach ungeeignet und demütigend.”

“Demütigend ist nur, dass mich meine Familienphase finanziell so schlecht zurückgelassen hat, dass der Ex sich danach ein Haus in einer Nobelgegend gegönnt hat und ich keinen Notgroschen habe, aber dass ich Jobs gefunden habe, die mich tragen und noch ein Bißchen mehr, ist sehr gut. Nun bin ich Herrin über meine Einkünfte und mein Leben, kann am Kulturleben teilhaben und reisen, mich kleiden, Bücher machen, meine Miete zahlen und – seitdem ich körperlich maloche (nach 15 Monaten), haben sich meine Einkünfte durch Arbeit bereits um 50% gesteigert bei 30% mehr Arbeit seither. Nur Wochen mit 50 h dürfen nicht so oft dabei sein, denn ich muß Medikamente nehmen und die verursachen Muskelanspannungen, also tränentreibende Rückenschmerzen – da vermisse ich es, dass ich zuhause warm empfangen und umarmt werde und gelobt – allerdings habe ich ja hier liebe Freunde, die mich aufmuntern und etwas mit mir plauschen.

Demütigend war es, abgestossen worden zu sein, wie ein ausrangierter Schrank, doch jetzt bin ich eine Heldin der Arbeit und noch dazu in meiner eigenen Geschichte, die zwar keinen Reichtum mehr erwirtschaften wird, aber vorerst intensivst lebt und nicht auf Gönnerschaft und Almosen angewiesen ist. Das demütigt mich nicht – das macht mich stolz und stark. Vor genau zehn Jahren habe ich mich aus der Abgeschiedenheit meines 6 qm Büros befreit, um genau das zu finden – Selbstbestimmtheit, Eigenständigkeit, geistige und finanzielle Unabhängigkeit und neue Horizonte. Ich saß bis dahin in einem goldenen Käfig. Nun zieht es ewas ungemütlich, aber letztlich habe ich bis hierher alle Herausforderungen gemeistert und das obwohl ich einen schwereren Behinderungsgrad zugemessen bekommen habe, als mein Kind.”

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