Lebenswidmung | Gesang | Täuschung | Darum

16 | Lebenswidmung

In das warme Leuchten des Stroms
Deines goldenen Lichtes tauchen.
Dunstig heissen Atem
in die geliebten, kleinen Stutzohren hauchen.

Mit meinen Lippen über
die Samthügel Deiner
milchigen Satinhaut streichen.
Zart über die Narbe
an Deinem Ellenbogen gleiten.

Den scharfprickelnden Salztau
Deines Schweisses kosten.
Dich in meine offenen Arme locken.
Heftig ziehend den ätzenden Qualm
aus Deinem aufglühenden
Zigarettenstummel saugen.

Mich vertrauensvoll an Dich schmiegen.
Dir lächelnd in die Augen blicken.
Hingegeben an Deiner Seite liegen.
Mit zärtlichem Griff die Hand
in 
Deinen warmen Nacken legen.

Rund den Bogen
Deines Nabels spüren.
Das Beben Deiner
gespannten Flanke fühlen.

Tief Deinen Moschusduft
und den Jungmännerstressgeruch wahrnehmen.
Jeden Augenblick in meinem
unverschlossenen Herz bergen.

Diese Erinnerungen herbeizuholen
widme ich, Dir ergeben,
jede Sekunde, Minute, Nacht und Tag
und jeden Atemzug meiner Gegenwart.

15 | Gesang

Ein tiefer, suppender Schnitt
ist 
in die Fingerspitze
durch den scharfen Glassplitter
zerbrochener Sehnsucht geschlitzt.

Aufgeborstene Narbenränder sind mit Krusten
aus dem getrockneten Salz
und Blut 
meiner Tränen besetzt.
Glitzernd funkelt Scharlachtau
am Kelchrand unerwiderter Liebe.

Perlend versickert der Schaum
kurz aufleuchtenden, 
gleissenden Lichts
unverwirklichter Träume.
Grell steht am Himmel
der Gewitterblitz
zu dem die letzte Erinnerung
an die Hitze
des Sommers 
geronnen ist.

Erschlagen fällt
der Falter herab,
weil er dem Hagel
der Enttäuschung
nicht gewachsen ist.

14 | Täuschung



Das hinreissende Lächeln
aus der eisgefrorenen
Kälte des Schmerzes geboren.
Traumverschleierte Blicke,
die krustigen Schorf
über den Narben
des Schicksals bilden.

Ein charmant maskierender Augenaufschlag,
der das rohe Fleisch abdeckt.
Zärtliche Berührung,
die die spitzen Dornen verdeckt.

Fliessende Bewegung,
die das gebrochene Gerüst versteckt.
Liebreizende Haltung,
die scharfe Kanten bedeckt.

Kaum gezügelter Zorn,
im Tanz verborgen.
Suchst für Dich eine Hoffnung
und ein Morgen.

13 | Darum

Mit der dunklen Asche unserer Träume 
bestäubt
zieht alltäglich 
die einförmige Landschaft
an uns vorüber.
Vor uns klafft ein tiefer Spalt
mit zähflüssiger, blasenwerfender Glut.

Wir benetzen durstig 
die gesprungenen Lippen
und hoffen auf den stillenden Fall
sprühfeinen Regens.
Wir tragen betäubt 
die Last
der Schuld 
ungesagter Worte.

Die stumpfe Mehlschicht
des zerquetschten grauen Granits
legt sich schwer
auf 
unser müdes Augenlid.

Verzagt wagen wir es nicht
einander erwartungsfroh
in die Augen zu sehen,
wir haben Angst,
wir seien zu ungeschickt,
um der Schönheit angemessen zu begegnen.

Wir halten unsere Ohren zu,
um die vielstimmigen Chöre
nicht zu hören.
Wir wollen das schillernde Morgenlicht
nicht durch unsere Anwesenheit stören.

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