31 | Zwischen zwei Wolken

Zwischen zwei Wolken
zwischen den Zeiten
fällt Licht auf mein Gesicht.
Die Tage atmen flach.

Bin unduldsam gegen das Schweigen,
weil es nicht gutmütig ist.
Kann nicht am Fuß der Birke bleiben.
Ihre hängenden Zweige
streifen mein Haupt nicht.

Kann die Landschaft der Einsamkeit
nicht begreifen.
Zwischen den Wolken
summt mich kein Lied.

30 | Barbar

Die Zeichen der Zivilsation
sind an Dir vorbeigestrichen.
Du wirfst Dich in den Staub.
Im Schmutz sind all die
guten Geister zurückgewichen.
Rasiert hast Du Dein Haupt.

In Trance und Raserei gefangen.
Trübe der Blick und glasig Dein Aug‘.
Erschöpft vom Tanz bist Du
in die Gosse gesunken.

Es hellt kein Leuchten
Deinen Schein auf.
Als magerer Schatten Deiner selbst,
hat man Dich am Weg gefunden.

Kein Licht erleuchtet Deinen Pfad.
Hast Finsternis und kalten Hauch gefunden,
doch nichts, was Dein Leid in der Sonne schmilzt
– nur Frost und Nacht, die auf Dich fällt.

29 | An den Ufern des Ganges

Im Traume war’s – da trugen mich schon oft,
die Flügel des Gesanges
hinfort zu den Ufern des Ganges.
Dort trank ich süße Liebesluft
und blühte in Eintracht mit den Knospen des Lotus.

Des Morgens bin ich dann aufgewacht
und habe den Tag im Duft
des Traumes verbracht
und um die Blumen zu begiessen,
habe ich manch salz’ge Träne
über den harschen Tag vergossen.

So strichen die Monde und Jahre ins Land,
um honigfeine Fantasien
von Glück und Liebe zu begrüßen,
wie sie nur an den Fluren
des heiligen Stromes spriessen.
So ist’s mit dem Glanz
von zuckrigen Paradiesen,
man kann sie im Traume geniessen.

27 | Sursuliesumm

Sursuliesumm, sehe mich nach Dir um.
Du weilst in der Ferne.
Schickte Dir Briefe so gerne,
doch bleibe ich stumm.

Ich habe von Dir keine Adresse.
So was ist für Dich nicht von Interesse.
Du wärest gerne, wie ein Vogel so frei,
ob Dich Post erreicht, ist Dir einerlei.

Sursuliesumm, verirr Dich nicht im Sumpf.
Laß‘ Dich von der Muse küssen,
bette Deinen Kopf auf saubere Kissen.
Laß‘ mich von Deinem Schicksal wissen.

Sursuliesumm, ich nehme Dir’s nicht krumm.

26 | Schimschumieschaurie

Schimschumieschaurie, heute bin ich traurig.
Meine Liebster tanzte über den Rand.
Es zog ihn in das Anderland.
Es lockte ihn die Tiefe.

Schimschumieschaurie.
Ich schrieb ihm tausend Briefe,
doch ihn heilt keine Liebe.
Er sehnt sich nach der kühlen Nacht.

Er hat den Tag im Freien verbracht.
Kein Nest, das ihn beschützte.
Das Federkleid, das ich ihm gab,
ist ihm abhanden gekommen.

Er muß da draussen frieren,
in Armut bei den Tieren.
Schimschumieschaurie, heute bin ich traurig.

25 | Sonnabend

Vom KAU am sumpfgrünen Band des Kanals entlang.
Einen kleinen Sojacappuccino aus dem Café Plan.
Man sucht den Weg im Licht,
auch wenn einem dort allzu viel entgegen geht.

Unter den Eichen wechselt man die Strassenseite
und wird auf dem Pfad durch die Villen zur Bushalte geleitet.
Schon sind zwei Stunden um.
Auf dem Heimweg steht der Bus sehr lange im Stau herum.

24 | Nach Büroschluß

Es ist Freitag und das Büro schliesst um vier.
Noch am hellen Tag tritt man vor die Tür.
Das Essen mit Dir verschieben wir auf übermorgen,
da kannst Du länger und wir müssen uns nicht um das Ende sorgen.

Verstaue schon das Telefon in der Manteltasche.
An der Ampel warte ich auf grün,
dann kann ich hinüber gehen.

Zwar habe ich Lust auf rosenrote Rhababerschorle in der Flasche,
doch schon laß ich sie in der Auslage vorüberziehen.
Das spart ein paar Frühjahrskalorien.
Werde aber welche zu unserem Essen nehmen.

Unter der Sohle des linken Fusses
drückt ein spitzes Stück Splitt
und so schmerzt der Weg auf dem Granit.
Schön – wenn man zuhaus das Stiefelchen auszieht.

22 | Abend

Eingeschlagen in den dunkelblauen Satin
des Nachthimmels schwebt der zitronengelbe Mond
hoch über unseren Köpfen.
Ein lauer Wind weht milde Abendluft heran.

Das steinerne Pflaster aus Granit
zittert unter unseren Schritten.
Wir horchen auf der Amseln keckernden Gesang
am Bahndamm unter der gequerten Brücke.

Ein Band aus Eisen führt darunter zum Horizont entlang.
Der Weg darüber verliert sich
in der Strassenenge.
Der Park steht düster am steilen Hang.