#Stay Hungry – Projectspace im Teilestraße-Park und #Tempelhofer_Feld

http://stayhungry-projectspace.de/

Kunst und Kochkunst – eine Kritik von Magister Artium Peer Scherenberg

Das ehemalige Gewerbegelände des Teilestraßeparks ist durch ästhetisch ansprechende Autobahnbrücken im Brutalismusstil überwölbt. Hier fand die Veranstaltung Stay Hungry einer Gruppe unbekannter Künstler statt. Unbekannt werden sie auch bleiben, weil die Kunstwerke weder durch überwältigende ästhetische Gestaltung, noch innere Bedeutung hervorstachen. Da gab es die architektonischen Modelle mit ein paar aufgeklebten Wortstreifen, die man als Äußerungen einer Hausfrau zum Leben auffassen kann. Da gab es zwei als Hund und Ratte beschnittene Buchsbäume. Da gab es eine liegende Figur aus rosa Kunsthaar und Latex. Da gab es eine fingierte Ausgrabungsstätte mit Skelett und Krügen aus Fimo von Jérôme Chazeix. Das war noch das Beste. Wenn man ihm noch einen Sinn beigegeben hätte, wäre es noch besser gewesen. Ich schlug ihm vor, es möge das an dieser Stelle gefundene Megalithgrab eines slawischen Großkönigs sein, der dieses Gebiet beherrscht habe; sein Nachkomme in direkter Linie sei der Künstler selbst, der somit der einzige legitime Herrscher sei; die Landnahme fränkisch-germanischer Kreuzritter, wie sie in dem umgebenden Viertel durch Straßennahmen wie Ordensmeisterstraße, Germaniastraße, Komturstraße gefeiert werden, sei mit diesem Fund ungültig; er selbst nunmehr der regierende Großkönig dieses Gebietes, das aber nicht Deutschland heiße sondern Großslawien; die gegenwärtige illegitime Usurpatorenregierung abgesetzt und das Christentum als verbrecherische Angriffswaffe gegen sein Volk geächtet worden.

 

So könnte man inhaltlich auf einen Ort eingehen, sich wirklich mit ihm auseinandersetzen, statt sich auf ein paar dekorative Elemente zu beschränken, die allenfalls ein mildes Besucherinteresse hervorriefen.

 

Im Gegensatz zu der hervorragenden Küche, die aus Keksen bestand, die von Ananas begleitet wurden, welche in eine besondere Spezialsauce eingelegt war, die man auch als Cocktail hätte trinken können; einem Makrelen-Döner, der vom Koch jedoch ausdrücklich als  Fischbrötchen bezeichnet wurde (ich dachte, man wollte mit den Gerüchen des Orts spielen?). Die Makrelen wurden sorgfältig in Salat eingewickelt in einem Fischklammerrost grilliert; ebenso wurde der Schokoladenkuchen auf einem Holzkohlenbecken frisch gebacken worauf er sich in Erdbeeren und Puderzucker wälzte und ein vorzüglicher sizilianischer Likör den guten Ausgang sicherte. Hervorragend ausgedacht und gekocht von Meisterkoch Mario Margani.

 

Die Kochkunst trug zu einer angeregten Unterhaltung der Künstler bei, die wieder mal unter sich blieben.

 

Deshalb sollten sie sich selbstkritisch fragen: Warum ist die Kochkunst besser, als meine bildende Kunst? Was kann ich tun, damit meine Kunst Bedeutung erlangt und nicht nur als dekorative Kuriosität im Gartenzwergformat wahrgenommen wird? Kunst ist immer ein Ringen um Qualität und Bedeutung. Das hat noch nicht jeder verstanden.

Künstler, tut mehr Butter bei eure Fische!

Sonntag, 18.09.2022, 15.30 Uhr, Treffen IV-22 der Berliner PoetInnenoffensive

Sonntag, 18.09.2022, 15.30 Uhr, Treffen der Berliner PoetInnenoffensive IV-22
Begegnungen von DichterInnen und Interessierten.
Thema: “Krieg & Frieden” und Planung einer Gedicht-Anthologie “Zwergenland”

Ort: Dachterrasse Golgatha

Katzbachstraße, 10965 Berlin
bei Google Maps: https://goo.gl/maps/BwNvn9VA66qeK2QD6

Ich bin sauer.

Es ist inzwischen üblich, die Leistungen anderer zu schmälern, wenn es an’s Bezahlen geht. “Du hast ja gar nicht so viel gemacht.” Honorare werden auf dem untersten Niveau vereinbart und dann ewig nicht oder gar nicht gezahlt. Man stellt sich auf Stellen vor und hat Wochen später noch keine Zu- oder Absage erhalten. Sogar bei öffentlichen Trägern. Man sitzt über eine Stunde im Bewerbungsgespräch, um am nächsten Tag zu hören (was ja noch als fair erscheinen muß), dass die Stelle nun intern besetzt ist. Ich mag nicht mehr.

Unerträglich

Unerträglich mit welcher bornierten Saturiertheit der Wohlstandsbürger sich zum Zentrum der Welt erhebt. Was plagen ihn die Nöte des gemeinen Menschen? “Seht her – ich habe es geschafft und mir steht alles zu.” Das ererbte Vermögen quillt als Unerbittlichkeit aus dem satten, selbstzufriedenen Lächeln. Schwäche gilt nicht. Treue gibt es nur solange es nützt. Wer Schwierigkeiten macht, wird gnadenlos aussortiert. Nur was die blütenweisse Weste ziert, wird geduldet. Nichts kann das stumpfe Gemüt eintrüben. Der Horizont ist beschränkt, aber die Selbstgefälligkeit hält sich alles als eigenen Verdienst zugute.

77 | Laute

Ein Hund kläfft.
Eine Autotür fällt dumpf ins Schloß.
Ein Wagen rauscht vorbei.
Eine Fliege summt.

Der Bauch gluckst.
Die Tastatur klappert.
Schritte wummern durch die Zimmerdecke.
Ein Motorrad knattert.

Die Haare knistern,
wenn die Hand durch sie streicht.
Der Stuhl knarrt.
Die Zunge im Mund schmatzt.

Das Gespräch von Passanten
dringt durch das geschlossene Fenster herauf.
Das Geschirr klappert.
An der Kreuzung heult ein Wagen auf.

Das Genick knackt.
Fingerspitzen kratzen.
Die Kehle schluckt.
Schritte tappen durch das Treppenhaus.

Bremsen quietschen.
Der Atem schnauft.
Luft steigt die Speiseröhre hinauf.
Ein Auto springt an.

Ein Moped knattert vorbei.
Hände streichen über Stoff.
Ein Sportwagen brummt.
Der Verkehr rauscht vorbei.

Eine Lüftung sirrt.
Ein Motor beschleunigt.
Die Haustür kracht ins Schloß.
Ein Insekt stößt an die Scheibe.

Zehn Minuten im ersten Stock.