89 | Tagebuch III

Ich heule und wüte gequält vor mich hin,
weiss nicht, wie der wüsten Welt Sinn abringen.

Drifte auf einem Floß 

aus Treibgut auf dem Strom.



Da vor mir ein Strudel 
– reisst alles davon.

Einst ging ich geschützt unter Bäumen

auf weich bemoostem Waldboden.


Versponnen in einen Zauberkokon.


Ich nährte von Tau mich

und Blütenstaub

hatte Kraft und trug einen Kranz von Lindenlaub.



Wie bitter schmeckt heute mein Brot,

wie schal ist der Wein,

wie schmerzlich die Pein,

wie geh ich verlassen

und finde mich nicht ein.

88 | Tagebuch II

Verzeih mir bitte,

heute bin ich mutlos.

Ich seufze und räuspere mich endlos.

Kann nicht hoffen

und planen.

Ein Freund riet zu Ritualen.

Aber zu mehr als morgens Kaffeepulver mahlen,

fehlt mir der Sinn.
An dieser Beschränkung reibe ich mich.

Ich nehme sie nicht leichthin hin.

Ich wünschte, ich könnte aus meiner Haut fahren.

– Etwas begehren

käme mir gelegen.
– Dich innig und entzückt anstrahlen.

Dann würde sich der Planet wieder

in einer gleichmäßigen Umlaufbahn

bewegen.

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