71 | Winternachmittag 



An der blinden Scheibe

kriecht zögernd ein Tropfen herab.

Der Wind fährt in das kahle Geäst

und zupft an einem trockenen, braunen Blatt.



Schweigsam zieht die Dämmerung auf.

Stille liegt wie Blei auf dem Haus.

Über den Himmel gleiten die düsteren Wolken.

Des Tages Farbe heisst Grau.

Die Schultern rutschen zu den Ohren hinauf.

Die Finsternis dämpft jeden Laut.

Im Fenster gegenüber brennt ein elektrisches Licht.

Das Glimmen in Deinen Frühjahrsaugen

erkenne ich in der kalten Dunkelheit nicht.

Aber gerade deshalb erinnere ich mich,
weil ich diese Glut vermiss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*