54 | Frühjahr – an die lieben Leidensgenossinnen

Ein neues Frühjahr drängt sich vielblühend auf.
Die Passanten strömen zur Tür hinaus.
Reste meiner Klasse stehen zu Demonstrationen auf,
doch dass die Produktionsmittel sozialisiert werden,
kommt dabei nicht heraus.

Ich hebe mich für Weiteres hinter
zugezogenen Vorhängen auf
und gebe meine sauer erworbenen Euro
für knackig zubereiteten Spargel aus.

Noch immer zieht am Horizont
nicht die klassenlose Gesellschaft herauf,
nur Faschisten kriechen wieder
aus den Löchern heraus.

Ich träumte in dieser Hexennacht
von meiner Mutter
und habe im Traum ein paar Tage
mit ihr verbracht.

Sie hat mir einst den Mut zur Kunst gegeben.
Mit zweiundsechzig schon,
verliess sie die Lebenskraft und
sie schied aus dem leidvollen Leben.

Hat Schopenhauer recht?
Das Leben – ein Rad aus Willen,
der zwingend Leid erzeugt
und es bleibt nur,
sich des Willens enthalten, Meditation
und ein heroisches Leben gestalten.

Dies gäbe einen Ausweg
aus der Passion
und es fügte sich zwar kein Sinn,
aber es liesse sich immerhin das Leid,
das in jeder Blüte zu erkennen ist, begreifen.

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