43 | Zellverbünde

Zusammengeschlossen – ein Verbund von Zellen,
dabei das Gesamte mehr als das Einzelne,
jedoch das Einzelne bedeutend.
Beeindruckend, wie Mikroprozesse an Zellwänden
die Komposition des Organismus steuern
und in der Gemeinschaft
zu einem Bewußtsein über sich gelangen –
den Unterschied von Innen und Außen erkennt,
dem Meer mehr als der Erde anverwandt.
Der Atem – das belebende, regenerierende Element
an der Zellwand. Jede Zelle ein Kraftwerk – nicht zuletzt
in Interaktion mit den Lichtteilchen.
Dass dieser Verbund entscheiden kann,
was Recht oder Unrecht ist –
vermittelt durch Fühlen und Sinne.
Mögen diese sozialen Entitäten
auch Gebrauch davon machen
und die Möglichkeiten ihres Urteilpotentials
zu gerechtem Handeln ausschöpfen.
Dann wird der Mensch zur Blüte bringen,
was in ihm angelegt ist
und die Barbarei hinter sich lassen.

2 Gedanken zu „43 | Zellverbünde

  1. Was ist denn Gerechtigkeit? Ist sie für alle gleich, für Arbeiter und Arbeitgeber? Ist sie nicht nur eine Anschauungsform des menschlichen Geistes und somit rein subjektiv?

    • „(b) Der zweite Anstoß zur neueren Ethikdebatte in der Auseinandersetzung mit dem Marx-
      sehen Erbe kommt aus der akademischen Philosophie, genauer gesagt aus der »anti-utilitari-
      stischen Wende« in der angelsächsischen Moral- und Sozialphilosophie (Sen/Williams 1982),
      die vor allem durch die Arbeiten John Rawls‘ eingeleitet worden war und zu einer Renaissan-
      ce »kontraktualistischer« (also vertragstheoretischer) Versuche führte (Scanlon 1982) – die
      man auch als eine Art methodische Rückkehr zu Fragestellungen der Kantschen Moralphilo-
      sophie ansehen kann (so Rawls 1980; zur Kritik s. Sande! 1982). Bei allen Unterschieden vor
      allem in ihren politischen Ergebnissen besteht der neokontraktualistische gemeinsame Nen-
      ner der Gerechtigkeitstheorien etwa von Rawls (1975), Nozick ( 1975) oder auch Ackermann
      (1980) in der Konstruktion eines kontrafaktischen »idealen« Forums (bzw. einessets prozedu-
      raler Regeln; s. Taylor 1986) vernünftiger Rede/Verhandlung/Übereinkunft, das an die Stel-
      le der liberalen (Locke) oder radikalen (Rousseau) Hypothesen eines »Naturzustandes« in der
      klassischen Vertragstheorie tritt. Auf diesem methodischem Weg läßt sich diesen Autoren
      zufolge ein set von Minimalforderungen an gesellschaftliche Grundinstitutionen ( oder ein
      Grund-Rechte-Katalog) theoretisch (re)konstruieren, denen jedes Gesellschaftsmitglied zu-
      stimmen (können) muß,4 damit die »Basisinstitutionen« der sozialen Gemeinschaft als
      »wohlgeordnet« oder »gerecht« bezeichnet werden können. Mit veränderten methodischen
      Mitteln wird also in der neueren angelsächsischen Sozialphilosophie eine Art apriorische Be-
      gründung moralischer Prinzipien unternommen, die an die Aufklärungstradition des »Na-
      tur«-(= Vernunft-)Rechts wiederanknüpft und damit die faktische institutionelle Verfaßt-
      heit liberaler Gesellschaftsordnungen von moralischen Begründungen abhängig und durch
      sie kritisierbar macht.“ Otto Kallscheuer
      Gerechtigkeit und Freiheit bei Marx.
      Ethische Probleme bei Marx – Marxens Probleme mit der Ethik“, Prokla65

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