30 | Flüstern, 31 | Beobachtungen, 32 | Regen, 33 | Augenblick

30 | Flüstern

Ich kann wohl nicht mehr zu Dir gelangen.
Zwischen uns liegt, so scheint es,
eine unüberbrückbare Kluft
von Erfahrungen und Jahren,
doch ich widme Dir ganz
meine Sehnsucht und Gedanken.

Du hast Dich hinter einen 
undurchdringlichen Tarnnebel verkrochen
und die zarte Verbindung 
zwischen uns wortlos abgebrochen.
Ich wünschte, meine lautlosen Rufe
würden an Dein Ohr gelangen.

In Dir bohrt ein tödlicher Schmerz.
Er presst Dein hungerndes Herz.
Wie sehr hoffe ich, Du lernst,
behutsam die Fesseln zu lösen.

Ich möchte Dir wärmende Lichtstrahlen
senden.

Es ragen Trauer und Angst himmelhoch
zwischen uns auf.
Sie nehmen den Blick
und ein Trost
ist so nicht möglich.

Ich wünsche doch,
Du wendetest Dich zu mir um.
Ich habe noch
ungezählte leise Antworten 
und stille Fragen
für Dich.

31 | Beobachtungen

Schimmerndes Haar.
Schillerndes Lächeln.
Glimmendes Rot.
Lockendes Tänzeln.



Zaghaftes Fragen.
Zögerndes Sprechen.
Zärtliches Flüstern.
Lüsternes Wispern.

Schamhaftes Schwitzen.
Glückliches Glucksen.
Aufrechtes Sitzen.
Scherzendes Necken.

Dunkles Zürnen.
Loderndes Blicken.
Trockenes Schlucken.
Hämmerndes Pochen.

Fülle des Lebens – heruntergebrochen.

32 | Regen

Rieselnd fallen die leckenden Tropfen
vom Himmel herab.
Sie rinnen im Bordstein zusammen
und gurgeln in den Gulli hinab.

Der Regen schwemmt strömend
den Staub, Schmutz und Geruch
aus der Luft heraus.
Die glänzenden Pfützen spiegeln
der Wolken bleiernes Grau.

Die Feuchtigkeit bringt
erfrischende Kühle herbei.
Die Strassen werden gewaschen.
Ein gleichmäßiges Klopfen
pocht auf die Fensterbleche.

Die Reifen spritzen schmatzend
auf dem dunklen, gereinigten
Asphalt.
Ich sitze unter der warmen Decke
im Zwielicht und horche,
wie der gedämpfte Strassenlärm verhallt.

33 | Augenblick



Wenn ich in Deine Augen sehe,

blicke ich durch ein dunkles Tor,
so als ob ich nachts
in die sternenbesetzte 
Tiefe des Kosmos schau.



Dann hebt sich ein Schleier

und öffnet die Sicht

auf Dein inneres Funkeln 

und Glimmen.



So leuchtet Deine Glut,

wie die eines schönen Katzentieres.

Ein Lodern verrät Deine brennende Gier,

bereit Dich und mich zu verschlingen.



Wir sehen gebannt, 
was das Strahlen entfacht

und ob wir das Zögern besiegen.

Doch stattdessen lassen wir
das Mögliche weiterhin schweben.

Nicht immer ist Glück,
die Hand des anderen 
tatsächlich zu ergreifen.
Es ist von anderer Wucht, 
in einem Blick
den Takt des Herzschlags 
des anderen zu begreifen

und verzückt 
in der Möglichkeit zu bleiben.

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