20 | Erwägungen, 21 | Ruf, 22 | Gefühle, 23 | Verdruss


Könnte ich wirklich die Milch Deiner Bilder verschütten,
wenn ich dem gegenwärtigen Tag entgegengehe?
Kann wirklich die Möblierung in meinem Inneren verrücken,
wenn ich mich von den Gedanken an Dich wegdrehe?

Werden die leuchtenden Farben verfliegen,
wenn meine Netzhaut wieder aufnimmt, was zu meinen Füssen liegt?
Werden die vergangenen Aromen verblassen,
wenn neue Nahrung auf meine taube Zunge trifft?

Werde ich aus meinen taumelnden, dämmerigen Träumen hochschrecken,
wenn der klare Strahl der Mittagssonne auf meine Haut brennt?
Werde ich das Salz Deines Witzes vergessen,
wenn die warmen Winde des Sommers ihn verwehen?

Werde ich noch Deinem Kuß nachschmecken,
wenn sich meine Lippen über die eines anderen stülpen?
Werden sich neue Freuden einschleichen,
wenn ich das Tau der Verbindung an die Erinnerungen löse?

21 | Ruf

Fahl weisses Mondlicht – die Erinnerung.
Das Andenken an Dich – gedämpfter Glockenton.
Farbverwaschen der Kontrast in Blassblau.
Stumm hallt Dein Lachen über den Flur.

Stumpf – der Abdruck Deines Kusses
auf meinen geschlossenen, überraschten Mund.
Überstrahlt der grelle Sommerhimmel
über dem viel zu kurzen Federballspiel.

Getrocknet – die gelben Blätter der Ranunkel.
Spröde das geschorene Gras.
Süß der Duft des Lavendels,
den ich Dir zur Heilung gab.

Schneidend trennend dein Handeln,
das mich fragend in mich selbst verwies.
Unwirklich die Bilder, die die Silbersichel
in meinem begierigen Gedächtnis liess.

22 | Gefühle

Unsere Herzen verbanden
sich leuchtend und zart,
wie der Schimmerstaub
der Falterflügel.

Die Spitzen unserer Finger
berührten sich leicht und warm,
wie Tröpfchen auf der Haut
von Sommerregen oder Morgentau.

Ich legte heilend meine Hand
auf Deine verkrampfte Brust
bis der Strom des Atems
wieder floß.

Du nahmst mich schützend in den Arm,
als ein Richterspruch mir die Freiheit nahm.
Wir traten gebannt aneinander heran,
um zu geniessen des anderen Duft.

Dein Lachen zu hören,
war der betörendste Klang.
Schroff liesst Du mich wieder los.
Zögernd warte ich noch.

23 | Verdruss

Ein heisser, böiger Abendwind
weht in der frühen Dämmerung
und rupft an den Kronen der Linden.
Vorm Fenster knattern Mopeds vorbei.

Ich höre hier drinnen
die Zeit leise tickend verrinnen.
Betäubt stiere ich starr
auf den fahl leuchtenden Monitor.
Ich kann die Leere nicht füllen.

Nervös schiebe ich Strähnen
hinter das rechte Ohr.
Aus den Poren des Gesichts
treiben Schweisstropfen hervor.
Ich sauge gereizt das Salz
von den Lippen.

Mir fehlt die Zuversicht, dass ich bald,
den Verdruss und schalen Geschmack
der Unlust überwinden kann.

Wie schnell waren die Rosen verblüht.
Verflogen in wenigen Tagen ist der Duft des Flieders.
Die Nachtigall singt schon nicht mehr.
Der kurze Augenblick des Aufbruchs ist schon vorüber.

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